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Eröffnung der Kölner Gewächshäuser„Botanische Gärten erfüllen unsere Sehnsucht nach einem Stück Paradies“

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So sah der Palmengarten im 1864 eröffneten Botanischen Garten in Köln aus. Das Gebäude wurde als Festhaus „Flora“ wieder aufgebaut.

„Kathedralen für die Pflanzen“: So sah der Palmengarten im 1864 eröffneten Botanischen Garten in Köln aus. Das Gebäude wurde als Festhaus „Flora“ wieder aufgebaut.

Eine Gartenexpertin erklärt, wie Schaugewächshäuser entstanden und warum sie heute noch wichtig sind. 

Am Anfang ging es um Zitronen. Und um Orangen und Pomeranzen, eine bittere Mischung aus Pampelmuse und Mandarine. Diese Früchte brachten die ersten seefahrenden Kaufleute ab dem 15. Jahrhundert mit – und für Könige, Fürsten und andere Adelige wurden die Pflanzen zu Prestigeobjekten. Wie heute vielleicht mit teuren Autos und Uhren der Reichtum gezeigt wird, geschah dies mit exotischen Früchten. Sehen durften die teuren Stücke nur Mitglieder der feinen Gesellschaft. „Das war ganz klar ein Statusding damals“, sagt Roswitha Arnold, Vorsitzende des Europäischen Gartennetzwerkes.

Londoner Garten setzte Maßstäbe

Das Problem: Die in Kübeln gezogenen Pflanzen mussten irgendwie über den Winter gebracht werden. So entstanden die ersten Orangerien. Das waren zunächst eher funktionale, langgestreckte Anlagen. Geheizt wurde mit Holzöfen oder einer einfachen Art von Fußbodenheizung. Auch heiße Steine und Pferdemist, der lange Wärme abgibt, wurden eingesetzt.

Das Palmenhaus des Kew Gardens in London

Das Palmenhaus des Kew Gardens in London ist eines der Vorbilder für die neuen Kölner Schaugewächshäuser.

Die Industrialisierung brachte dann die entscheidenden Veränderungen: Glas konnte nun in großer Menge und vielen Formen preiswert hergestellt werden. Die Scheiben wurden in kunstvollen Gusseisenrahmen gefasst. Zum Heizen wurde heißes Wasser durch Rohrleitungen gepumpt. Die ersten Glaspaläste, die „Crystal Palaces“, mit Türmen, Erkern und Verzierungen entstanden. „Das waren Kathedralen für Pflanzen“, sagt Roswitha Arnold. Eine der wichtigsten Anlagen: die Royal Botanic Gardens Kew in London. 1759 als privater botanischer Garten gegründet, wurde er 1840 in eine öffentliche Einrichtung umgewandelt. Er ist bis heute ein Besuchermagnet.

Der ehemalige Palmengarten ist heute das Kölner Festhaus „Flora“

„Damals begann die Demokratisierung – an botanischen Gärten kann man viel über die Geschichte ablesen“, sagt Arnold, die auch Kennerin des Kölner Gartens ist. Der wurde auf Initiative Kölner Bürger, allen voran der bekannte Bankier Eduard Oppenheimer, geplant und 1864 eröffnet. Ein palastartiger Wintergarten stand im Mittelpunkt der Anlage. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude weitgehend zerstört – Schritt für Schritt ist es bis heute als feines Festhaus „Flora“ mit vielen historischen Reminiszenzen auferstanden. Die weiteren Schaugewächshäuser, nach dem Krieg mit einfachen Mitteln errichtet, mussten dagegen wegen Baufälligkeit 2016 geschlossen werden.

Die neuen Schaugewächshäuser

Die neuen Schaugewächshäuser

Nun sind die neuen prächtigen Schaugewächshäuser, die ein wenig an Kew Gardens erinnern, endlich eröffnet. „Die Kölner haben mit der Entscheidung zum Neubau großen Mut bewiesen, es gibt in Deutschland kein ähnliches Projekt“, sagt Roswitha Arnold. Vom Erfolg ist sie überzeugt. „Gewächshäuser sind ein Ort der Hoffnung. Sie erfüllen unsere Sehnsucht nach einem Stück vom Paradies. Es ist eine kleine geschaffene Welt, die gleichzeitig den Blick auf die große Welt zulässt. Man kann sich bilden darüber, wie es in anderen, fernen Ländern aussieht und welch komplizierte Bedürfnisse Pflanzen haben.“

Gewächshäuser bleiben aber auch immer eine Herausforderung. „Auch wenn Beschattung, Bewässerung und Benebelung heute computergesteuert sind – es ist immer noch ein Prozess von Versuch und Irrtum, die Pflanzen zum Gedeihen zu bringen.“ Die jahrelange Wartezeit bis zur Eröffnung in Köln ist ein Beweis dafür.