Statt mit dem eigenen Grundstück Geld zu verdienen, muss das städtische Unternehmen dem Vernehmen nach einen Millionenverlust verkraften.
Teurer Ausstieg im Kölner NordenHGK-Aufsichtsrat berät über geplatztes Millionenprojekt

Die Industrieentwicklungsfläche Fusion Cologne der HGK im Kölner Norden
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Das geplatzte Logistikzentrum der städtischen Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK) in Niehl entwickelt sich zunehmend zum politischen Fall. Nach Informationen dieser Redaktion beschäftigte sich am Mittwoch der HGK-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung mit der Frage, wie es nach dem Scheitern einer Projektvereinbarung mit einem der wichtigsten Industrieareale Kölns weitergehen soll. Wie berichtet, sollte auf dem Gelände gemeinsam mit dem Kölner Unternehmen Thesauros ein rund 250-Millionen-Euro-Projekt entstehen. Statt mit dem eigenen Grundstück Geld zu verdienen, muss die HGK nun dem Vernehmen nach einen Millionenverlust verkraften. Insgesamt geht es nach Informationen aus dem Umfeld um mehr als fünf Millionen Euro, die vorerst verloren sein sollen.
Wachsende Zweifel im HGK-Vorstand
Und das kam so: Laut einem internen Papier wurden rund 500.000 Euro für die Vorbereitung des Vorhabens ausgegeben. Hinzu kommt nach Informationen dieser Redaktion eine Zahlung von rund fünf Millionen Euro, die die HGK-Tochter Fusion Cologne an Thesauros geleistet haben soll, um die Projektvereinbarung aufzulösen. Aus Sicht des HGK-Vorstands soll dieser Schritt notwendig gewesen sein, weil das Projekt dem internen Papier zufolge seit Herbst 2025 kaum noch vorangekommen sei. Abstimmungstermine seien kurzfristig abgesagt worden, es habe Stillstand geherrscht.
Im Vorstand sollen zudem Zweifel gewachsen sein, ob für sogenannte Multilevel-Hallen – zweigeschossige Logistikimmobilien, wie sie in Niehl geplant waren – derzeit überhaupt ein tragfähiger Markt existiert. Der Ausstieg sollte verhindern, dass die Vorbereitungskosten weiter steigen. Brisant ist: Nach der Projektvereinbarung mit Thesauros hätte Fusion Cologne diese Kosten allein tragen müssen. Eingeplant waren laut internen Unterlagen 7,6 Millionen Euro. „Im Falle einer Nichtrealisierung des Projekts, zum Beispiel weil keine geeigneten Mieter für diese speziellen Logistikimmobilien gefunden werden, sieht die Vereinbarung vor, dass die Kosten nicht erstattet werden“, heißt es dort. Ein längeres Festhalten hätte den Schaden für die HGK also womöglich noch vergrößert.
Kaum Aussicht auf vorzeitige Lösung
Doch der Ausstieg hatte seinen Preis. Laut internen Unterlagen war es kaum möglich, sich ohne Zahlung aus der Vereinbarung zu lösen. Eine Münchner Großkanzlei hatte den Vertrag vor der Unterzeichnung im Mai 2025 rechtlich geprüft. Besonders heikel: Nach Einschätzung der Juristen enthielt die Vereinbarung keine Rücktritts-, Kündigungs- oder sonstigen Rechte, die es Fusion Cologne ermöglicht hätten, sich vorzeitig zu lösen. Die Anwälte kamen demnach zu der Ansicht, die Vereinbarung sei stark einseitig zugunsten von Thesauros ausgestaltet.
Damit steht die Frage im Raum, wie eine städtische Gesellschaft in eine Vereinbarung geraten konnte, die ihr bei einem Scheitern kaum Auswege ließ – und warum diese Risiken offenbar in Kauf genommen wurden. Wie es mit dem Areal in Niehl weitergeht, ist derzeit offen.
Parallel zum Aus läuft eine Compliance-Prüfung. Es geht um mögliche geschäftliche Kontakte des früheren HGK-Chefs Uwe Wedig zu Thesauros – also zu jenem Partner, mit dem das 250-Millionen-Euro-Projekt realisiert werden sollte. Das beschäftigt wie berichtet auch die Aufsichtsräte von HGK und Stadtwerke Köln.
„Die Aufsichtsräte von SWK und HGK führen derzeit eine Compliance-Untersuchung durch. Die Aufsichtsräte lassen sich hierbei durch die unabhängige Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller beraten“, teilten die Aufsichtsratsvorsitzenden Anne Lütkes und Gerrit Krupp auf Anfrage mit.
Wedig war Ende September 2025 aus dem Unternehmen ausgeschieden – und trat offenbar später ausgerechnet mit Thesauros geschäftlich in Kontakt. Aus der laufenden Compliance-Prüfung lässt sich aber derzeit kein Fehlverhalten ableiten. Wedig weist den Eindruck eines Pflichtverstoßes zurück. Nach seiner Darstellung konkretisierten sich Überlegungen, gemeinsam mit Thesauros die Gründung einer neuen Firma zu initiieren, erst nach seinem Ausscheiden. Zugleich betont Wedig, er habe die Projektvereinbarung zwischen Fusion Cologne und Thesauros nicht unterzeichnet und sei auch nicht an der Auswahl von Thesauros als Projektpartner beteiligt gewesen.
