Die kleine, von Reihenhäusern mit vielen Kindern geprägte Rudolf-Sohm-Straße in Niehl ist eine beliebte Schleichverkehrs-Route. Das soll sich laut Beschluss der BV Nippes ändern.
Ärger in Köln-NiehlAnwohner sorgen sich über Schleichverkehr in Rudolf-Sohm-Straße

Alexander Hermanns, mit Partnerin Kathrin, Tochter Olivia sowie Hündin und „Straßen-Maskottchen“ Chiara, sorgen sich um die Sicherheit der Anwohner.
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Den Wahnsinn auf ihrer kleinen Wohnstraße kann die Familie Hermanns jeden Tag vor ihrer Haustür beobachten. „Es gab hier schon viele grenzwertige Situationen. Etwa Autofahrer, die langsam auf Kinder zusteuern, die am Straßenrand spielen, danach demonstrativ auf Tempo 50 hochziehen“, schildert Alexander Hermanns. Auch beobachte man viele ortsfremde Pkw-Fahrer auf Parkplatzsuche. „Die fahren hier manchmal dreimal nacheinander entlang – und jedes Mal ein bisschen schneller, weil sie zunehmend genervt sind, nichts zu finden.“
Dabei werde die Rudolf-Sohm-Straße von vielen Radlern und Fußgängern benutzt, zahlreiche Bewohner aus dem nahen Senioren-Wohnhaus an der Pohlmanstraße seien auch per Rollator unterwegs. Sie seien gezwungen, auf der Fahrbahn zu laufen, weil die Bürgersteige kaum einen halben Meter breit sind. In den vergangenen Jahren habe sich die Straße stark verjüngt; rund 20 Kinder wohnten mittlerweile hier. „Dass bis jetzt noch nichts passiert ist, ist reines Glück“, findet er.
Beliebte Schleich- und Ausweichroute
Die schmale Rudolf-Sohm-Straße ist eine der Verbindungen zwischen Friedrich-Karl-Straße und Pohlmanstraße. Offenbar nutzen sie viele Autofahrer, um die Ampel an der parallel laufenden Eichhornstraße zu umgehen. Sie ist eine sogenannte „unechte Einbahnstraße“: Von der Pohlmanstraße aus ist die Einfahrt untersagt, auf der Straße selbst darf jedoch in beiden Richtungen gefahren werden. Das Tempo-30-Schild an der Einfahrt von der Friedrich-Karl-Straße werde oft übersehen, so Hermanns.
Die benachbarte Philipp-Zorn-Straße, in ihrer Struktur vergleichbar, ist bereits heute verkehrsberuhigt, eine sogenannte Spielstraße. Die Gierkestraße, die dritte der kleinen Parallelstraßen, stellt eine Einbahnstraße von der Pohlman- zur Friedrich-Karl-Straße dar. Bereits 2022 hatte sich Hermanns mit der Bitte an die Stadt gewandt, auch auf der Rudolf-Sohm-Straße eine Spielstraße einzurichten. „Damals hieß es aber, dies sei nicht machbar, da eine Spielstraße keine Bordsteine haben darf.“ Nun sammelte er mehr als 60 Unterschriften in der Straße für eine Verbesserung der Lage und wandte sich an die Bezirksvertretung Nippes.
„Die Anwohner machen sich berechtigte Sorgen“
Diese beschloss nun mehrheitlich gegen die Stimmen der AfD einen Antrag von Grünen, SPD, Linken, Volt und FDP an die Stadt für geeignete und schnell umsetzbare Maßnahmen, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Denkbar wären etwa eine Spielstraße, eine Sackgasse zur Pohlmannstraße hin, Verschwenkungen, Blumenkübel oder Verkehrsinseln. Auch eine Anlieger-frei-Regelung, eine bessere Beschilderung oder zusätzliche Bodenmarkierungen seien möglich.
„Wir sind dafür da, konkrete Probleme von Menschen vor Ort zu lösen, genau darum geht es hier“, so Michael Breiman (Grüne). „In dieser ruhigen, kleinen Wohnstraße wird Tempo 30 oft nicht eingehalten, gleichzeitig wohnen dort mehr als 20 Kinder, die gerne mal auf der Straße spielen. Die Anwohner machen sich berechtigte Sorgen.“ Aus der Runde gab es Unterstützung. „Wir haben uns die Situation angeschaut, und es ist erschreckend, dass es nur handtuchbreite Gehwege gibt. Ein sicheres Durchqueren ist mit Rollator gar nicht möglich“, so Leila Pjanic (SPD). Lena Willeke (Grüne) regte zudem an, sich nicht nur in Nippes, sondern auch in Niehl mal mit ausreichend breiten Gehwegen zu beschäftigen.
