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„Bislang eine Luftnummer“Betrieb auf städtischem Industrieareal im Kölner Norden sollte längst laufen

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Wer baut hier gegenüber der Ford-Werke was? Das Vorzeigeprojekt der HGK entwickelt sich zum Problemfall.

Wer baut hier gegenüber den Ford-Werken was? Das Vorzeigeprojekt der HGK entwickelt sich zum Problemfall. 

Eins der größten Wirtschaftsprojekte in Köln ist festgefahren. Wirtschaftsdezernent Andree Haack will an dem Vorhaben festhalten.

Nach den geplatzten Plänen für neue Logistikhallen für mehrere hundert Millionen Euro im Industriepark Nord stellt sich die Frage, wie es auf den Grundstücken der städtischen Häfen und Güterverkehr (HGK) weitergeht ­– zumal dort eigentlich längst der Betrieb laufen sollte. Laut internen Unterlagen, die unserer Redaktion vorliegen, sollten die Gebäude fünf Jahre nach dem Grundstückskauf der HGK von der Stadt „bezugsfertig erstellt“ sein. Davon ist nichts zu sehen.

Laut Geschäftsbericht hat die HGK den Kauf Ende 2020 abgewickelt, das ist fast fünfeinhalb Jahre her. Es geht um viel Prestige und um viel Geld: Das Areal in Niehl, mittlerweile als „Fusion“ benannt, gegenüber der Ford-Werke ist laut HGK die größte zusammenhängende Industrie-Entwicklungsfläche auf Kölner Stadtgebiet. Und die HGK soll laut Unterlagen der Stadt fast 19 Millionen Euro dafür gezahlt haben.

Viele Rückschläge

Nachdem die HGK für den Ausstieg aus dem Millionen-Projekt mit der Thesauros-Gruppe rund fünf Millionen Euro bezahlen soll, ist unklar, was auf den beiden südlichen der insgesamt drei Grundstücke passiert. Das ist der erste Rückschlag.

Der zweite: Die Thielemann-Gruppe kann wegen Statikproblemen auf dem nördlichsten der drei Baufelder keine zweigeschossige Logistikhalle für Werkzeughersteller Makita bauen (wir berichteten). Möglicherweise braucht sie eines der beiden südlichen Grundstücke, denn Thielemann bekennt sich dazu, auf dem Areal zu bauen, nur anders.

Das geplante HGK-Vorzeigeprojekt, mit dem das Unternehmen Geld verdienen wollte, ist bislang ein Zuschussgeschäft ­– und trotzdem will das Unternehmen weitere benachbarte Flächen im Norden kaufen (wir berichteten, siehe Grafik).

Deshalb lohnt der Blick in die Vergangenheit, denn die HGK hatte vor Jahren die Schaffung von Tarifarbeitsplätzen versprochen. „Das ist bislang alles eine Luftnummer“, sagt ein Ratsmitglied zu den hochtrabenden Plänen.

Wirtschaftsdezernent Andree Haack hält trotzdem daran fest, will „leistungsfähige, tarifgebundene und zukunftsfeste Industrie- und Logistikarbeitsplätze schaffen“. Haack sitzt auch im Aufsichtsrat der HGK, kennt also die Details. Er sagt: „Das Aus für die ursprünglichen Planungen ist natürlich bedauerlich, es zeigt aber, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen innerhalb kürzester Zeit gravierend geändert haben. Der Faktor Zeit ist bei Investitionsprojekten wie diesen zu einem entscheidenden Parameter geworden.“ Haack äußerte sich auch zu den Tarifarbeitsplätzen: „Dennoch bleibt das Ziel unverändert: Wir wollen gemeinsam auf dem Areal leistungsfähige, tarifgebundene und zukunftsfeste Industrie- und Logistikarbeitsplätze schaffen. Gemeinsam mit der HGK, der Thielemann Group und weiteren Partnern arbeiten wir daher an einer angepassten, wirtschaftlich und baulich sinnvollen Lösung.“

Die Grafik gibt den Überblick über das Gelände.

Die Grafik gibt den Überblick über das Gelände namens „Fusion Cologne“.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Worum geht es?

Um das als früher Industriepark Nord bezeichnete Werk gegenüber den Ford-Werken. Heute heißt es „Fusion“. Auf der Fläche befand sich früher eine Raffinerie, nördlich davon sind auch noch brachliegende Flächen des Mineralölkonzerns ExxonMobil. Hafen, Autobahn, Schiene und Flughafen sind in der Nähe und gut erreichbar. Das galt als großes Plus der Fläche für die Vermarktung, damit die HGK Gewinne machen könnte. So der Plan.

Über das vorhandene Kombinierter-Verkehr-Terminal können etwa Container zum Hafen gebracht werden, weil es eine Schienenverbindung dorthin gibt und die Container auf Wagen verladen werden können. Laut HGK soll ein „innovatives und nachhaltiges Industrie- und Logistikquartier“ mit bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen entstehen.

Ein großes Thema ist E-Commerce, also dass Online-Händler dort ihre Ware lagern, versenden und sich um die Retouren kümmern. Der Plan war, dass Thesauros zwei Baufelder entwickelt und eines die Thielemann-Gruppe. Doch weil das Projekt mit Thesauros nie ins Rollen kam und der Vertrag laut Gutachtern sehr zum Nachteil der HGK gestaltet war, will die hundertprozentige Tochter der Stadt sich für rund fünf Millionen Euro aus dem Vertrag herauskaufen (wir berichteten).

Und wie sollte die HGK an dem Grundstück Geld verdienen?

Dazu heißt es in den Unterlagen: „Sie (die HGK, Anmerkung der Redaktion) wird eine nachhaltige und zukunftsfähige Infrastruktur zu optimalen Kosten anbieten, die den Pächtern zur Verfügung gestellt wird.“ Dafür hätte sie Geld erhalten, zudem sollte sie von den Pächtern für die Verwaltung des Areals bezahlt werden. Laut einer Berechnung von 2022 rechnete sie im zwölften Jahr erstmals mit Gewinnen.

„Chancen ergeben sich durch Potenziale auf höhere Miet- und Pachteinnahmen als die konservativ geschätzten Annahmen“, heißt es in den Unterlagen. Als Risiken wurden etwa „im Laufe der Zeit eintretende unvorhergesehene Kosten“ genannt. Dazu dürfte wohl jetzt auch die angedachte Fünf-Millionen-Euro-Zahlung zum Ausstieg aus der Projektvereinbarung mit Thesauros zählen.

Aber es ist doch noch eine brachliegende Wiese.

Ja. Als Gesamtinvestitionen waren deshalb 68 Millionen Euro vorgesehen. Davon entfielen knapp 19 Millionen Euro auf den Kaufpreis, den die HGK an die Stadt zahlen musste. Laut interner Unterlagen, die dieser Redaktion vorliegen, betrug der vorläufige Kaufpreis 18,809 Millionen Euro für das umgerechnet rund 24 Fußballfelder große Grundstück. Da das Grundstück unter Straßenniveau liegt, muss die HGK als Käufer es auffüllen. Dafür erhielt sie eine Pauschale von 5,16 Millionen Euro, die die Stadt vom Kaufpreis abgezogen hatte. Heißt: Das Grundstück war demnach eigentlich sogar fast 24 Millionen Euro wert.

Und was war mit Amazon?

Lange galt der weltweit größte Internetversandhändler ebenfalls als Interessent für die Fläche, doch am Ende entschied die Politik zugunsten der städtischen HGK. Unter anderem, weil dort 500 Arbeitsplätze in der Logistikbranche geschaffen werden sollten. Der frühere Vorstandsvorsitzende der HGK, Uwe Wedig, hatte dieser Redaktion 2018 auf die Frage, ob er es einhalte, dass dort qualifizierte Tarifarbeitsplätze geschaffen werden, gesagt: „Natürlich. Wir sind in der Pflicht. Wir haben aber keine Angst davor.“ Mittlerweile ist Wedig weg und der Aufsichtsrat lässt seine Arbeit teilweise überprüfen – und das frühere Vorzeigeprojekt kämpft mit Problemen.