Abo

PorträtDas treibt eine Kölner Schülersprecherin und einen -sprecher an

4 min
Bezirksschülervertreter/in Marie Hacker und Jano Schwerdfeger

Bezirksschülervertreter/in Marie Hacker und Jano Schwerdfeger

Marie Hacker und Jano Schwerdfeger über ihre Aufgabe als Vertreter der weiterführenden Schulen.

„Ich war immer eine, die Ungerechtigkeit ganz schlimm findet und für andere einsteht“, sagt Marie Hacker. Die Folge: Schon zum Start ihrer Schullaufbahn wurde die heute 16-Jährige Klassensprecherin – und blieb es quasi durchgängig; seit mehr als drei Jahren gehört sie auch der BezirksschülerInnenvertretung (BSV)  an. „Bei mir war das genauso. Ich wollte gerne etwas Eigenes einbringen und mich beteiligen“, sagt Jano Schwerdfeger (17).  Seit dieser Ratsperiode sind die beiden als Vertreter der BSV in den Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Rats der Stadt Köln entsandt.

Eine Aufgabe, die eine Menge Engagement erfordert. Mehrere Stunden in der Woche investieren sie in ihre Arbeit. „Gerade hier in Köln mit vielen Schülerinnen und Schülern gibt es einiges zu tun. Das sind schon einige Stunden die Woche, die man investieren muss. Aber das macht man ja gerne“, sagt Jano. Marie erläutert: „Für mich ist Politik etwas, was mich sehr fasziniert und deswegen verbringe ich auch gerne meine Freizeit damit.“ Sie sei auch Aktivistin bei Fridays for Future und engagiere sich unter anderem , Ehrenamt, BSV, Kölner Jugendring, alles da. Da wird sich viel mit eingebracht und das macht mir auch Spaß. Also Demos organisieren alles.

Antrieb für ihre Arbeit ist der Sinn, den sie in ihrem Engagement sehen: Sie wollen unbedingt Ideen und Gedanken zubringen. „Ich möchte nicht, dass irgendein Kind in Köln das Gefühl hat, es wäre machtlos und hätte keine politische Stimme“, unterstreicht Marie. Ernst genommen zu werden, ist die wichtigste Forderung der beiden jungen Menschen.

Marode Schulen beschäftigen auch die Schüler

Doch was sind die wichtigsten Anliegen von Schülerinnen und Schülern? „Gute Bildung, die die Chancen auf eine gute Zukunft eröffnet“, findet Jano. Dazu gehöre auch, dass es nicht so viele Prüfungen geben sollte, sagt Jano. Auch der teilweise marode Zustand der Schulen, fehlende Schulplätze und widerliche Toilettenanlagen sind der Schülervertretung ein Dorn im Auge. „Grundsätzlich halten wir Rücksprache mit allen Schülervertretungen, sodass wir wissen, was wo unter den Nägeln brennt“, erklärt Marie.

Ein ganz wichtiges Anliegen: Die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Um die zu verbessern, hat die BSV bereits vor einigen Jahren das „Mental-Health-Projekt“ auf die Beine gestellt. In Kooperation mit Expertinnen und Experten bietet das Projekt Workshops und Weiterbildungen in Schulen an. Noch lange nicht genug, finden die Sprecher. „Ich merke täglich, dass Schulen da einfach nicht genug ausgestattet sind und es viel mehr solche Projekte braucht“, sagt Marie. Panikattacken, Ängste, Schlafstörungen und Depressionen seien keine Seltenheit.

Am wichtigsten ist es Marie und Jano, dass sie ernst genommen werden. „Schüler und Jugendliche können in der Regel so viel mehr als viele denken und als viele erwarten. Und insofern kann man mit Mitschülern und mit Jugendlichen, die sich engagieren, genauso umgehen wie mit Erwachsenen, die sich engagieren“, appelliert Jano.

Zum ernst genommen werden, gehöre auch die finanzielle Unterstützung. „Wir brauchen sichere finanzielle Mittel. Auch wenn die Finanzen der Stadt angespannt sind, darf der Jugendbereich da nicht drunter leiden", sagt Marie und Jano fügt hinzu: „Wir müssen Kinder schützen und versorgen  und denen wir ein gutes Leben bieten in unserer Stadt. Das ist so wichtig, dass wir da alles reinstecken müssen.“

Und noch eine Anregung haben die Schülerin und der Schüler: Dass sie wie die Politikerinnen und Politiker auch, Sitzungsgeld für die Teilnahme am Schulausschuss bekommen. „Auch das wäre ein Zeichen von Respekt“, sagt Jano.


Wie die BSV arbeitet

Die SchülerInnenvertretungen aller weiterführenden Schulen entsenden Delegierte zur Bezirksdelegiertenkonferenz. Diese wählen dort einen zehnköpfigen Vorstand. Aus diesem werden jeweils zwei Vertreter in den Schulausschuss und den Jugendhilfeausschuss entsandt.

Bei den Sitzungen haben sie ein Rederecht. Mit abstimmen dürfen sie nicht.

Über Kontakte zu den Parteien, versuchen die Jugendlichen ihre Interessen in Anträgen und im Abstimmungsverhalten einzubringen.