Gertrud und Josef Müller aus Zündorf sind seit 65 Jahren verheiratet. Worauf es für sie in einer erfolgreichen und langen Ehe ankommt.
„Meinungsverschiedenheiten am selben Tag beilegen“Paar aus Köln feiert seinen 65. Hochzeitstag

Gertrud und Josef Müller haben in ihrem Leben die Familie an erste Stelle gesetzt. Fünf Kinder, zehn Enkel und vier Urenkel feiern bei der eisernen Hochzeit mit.
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„Für immer“ heißt für immer, egal was passiert. Darüber waren sich Gertrud und Josef Müller einig, als sie im September 1961 in der Zündorfer Pfarrkirche Sankt Maria Geburt Ja zueinander sagten. 65 Jahre, fünf Kinder, neun Enkel und vier Urenkel später feiern sie am 9. September in derselben Kirche ihre Eiserne Hochzeit und schauen dankerfüllt zurück.
Sie haben ein Ehe- und Familienleben geführt, das nach Aussage beider Ehepartner von Gleichwertigkeit geprägt war und beiden ermöglichte, sich zu entfalten. Der feste familiäre und soziale Zusammenhalt im damals noch eher dörflichen Zündorf hat ihrer Lebensführung Struktur gegeben. Ausgestaltet haben sie diese 65 gemeinsamen Jahre ganz persönlich.
Kennenlernen auf der Zündorfer Kirmes
Josef Müller erzählt gern davon, wie er als Sohn einer Zündorfer Familie die damals ortsfremde Gertrud traf. Das war 1959 auf der Kirmes, die mit Tanzveranstaltungen in gleich drei Sälen verbunden war. Gertrud war mit Freundinnen zum Feiern gekommen. „Obwohl wir uns vorher bestimmt schon über den Weg gelaufen waren, haben wir uns beim Tanzen kennengelernt.“ Gertrud kam gebürtig aus Vallendar und war eines von sieben Kindern einer Bauernfamilie. Nach der Hauswirtschaftsschule absolvierte sie ein hauswirtschaftliches Jahr auf dem Zündorfer Olefshof, seinerzeit einem der bedeutendsten landwirtschaftlichen Anwesen des Ortes. Josef Müller war als Postbeamter im Schalterdienst tätig. Ein Jahr später verlobte sich das Paar, 1961 wurde geheiratet.
Es waren einerseits politisch unsichere Zeiten. Gerade hatte der Mauerbau in Berlin die Bedrohung des Friedens wieder deutlich gemacht. Andererseits aber ging es im Rheinland wirtschaftlich bergauf. Wer strebsam war, konnte weiterkommen. So planten auch die Müllers bald den Eigenheimbau. Der Zündorfer Pastor empfahl seinem einstigen Messdiener Josef ein Erbpachtgrundstück im Neubaugebiet an Sankt Marien. Dort verbrachte der junge Ehemann nach Feierabend fast jede freie Minute als Handlanger am eigenen Bau. Zum Haus gehörte ein sehr großer Garten, was der jungen Ehefrau besonders wichtig war, denn Selbstversorgung durch Ernte aus dem Nutzgarten war eine Notwendigkeit. „Meine Frau hatte das ja gelernt, wir haben alles selbst angebaut und konnten übers Jahr bestimmt 500 Gläser Eingemachtes verzehren“, sagt Müller.
Aber wir halten es mit dem rheinischen Katholizismus: Man muss auch mal fünfe gerade sein lassen
Sehr entschieden war Gertrud Müller von vornherein in der Familienplanung. Viele Kinder sollten es sein, wie sie es von zu Hause kannte. Fünf sind es mit Josef, Angelika, Stefan, Astrid und Anja geworden. „Wir haben sie mit christlichen Werten erzogen und ihnen selbstständiges Denken und Verantwortungsbereitschaft vorgelebt“, erinnert sich das Ehepaar. Die Verankerung im Glauben spielte dabei immer eine Rolle, sagt Josef Müller und ergänzt: „Aber wir halten es mit dem rheinischen Katholizismus: Man muss auch mal fünfe gerade sein lassen.“
In der Siedlung wohnten damals viele junge Familien, die einander unterstützen. Man lebte sparsam, aber zufrieden. Alle Erwachsenen hatten die Entbehrungen des Krieges erlebt und waren froh über jeden Schritt in ein besseres Leben. Es gab in der Straße 50 Kinder, sagt Müller, da war immer etwas los. Weil sie es zu Hause so schön fanden, wollten manche Jungen und Mädchen viel lieber dortbleiben, als zum Kindergarten zu gehen. Die fünf Müller-Kinder brachten zehn Enkel hervor und inzwischen gibt es auch vier Urenkelkinder.
Politik, Familienalltag und gemeinsame Lösungen
Während Müller politisch Karriere in der CDU machte und zuletzt neun Jahre als Kölner Bürgermeister Stellvertreter von Fritz Schramma war, organisierte Gertrud Müller den Alltag. „Sie führte quasi ein Familienunternehmen, und das mit großem Erfolg“, sagt Tochter Astrid in liebevoller Erinnerung an die Gepflogenheiten im Elternhaus. „Das Wohl der Familie ist der Lebensinhalt meiner Mutter.“ Wenn auch der Ehemann durch seine Verpflichtungen und diverse Ehrenämter nicht viel zu Hause war, sprachen sich die Eheleute doch über alles ab. „Wir haben immer viel geredet“, sagen sie, „und wenn es Meinungsverschiedenheiten gab, haben wir sie am selben Tag beigelegt und sind nicht unversöhnt schlafen gegangen“.

65. Geburtstag von Josef Müller, mit Ehefrau Gertrud und OB Fritz Schramma. (Archivbild)
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In der Gemeinschaft Zündorfer Ortsvereine und in der Pfarrgemeinde engagierten sich beide Eheleute in vielfältiger Weise. Singen im Chor, Organisation von Veranstaltungen, Unterstützung, wo es notwendig war – das war ihr gemeinsames Interesse. Inzwischen wohnt das Paar in einem zweiten Eigenheim. Das erste stellten sie in den neunziger Jahren zur Nutzung ihren erwachsenen Kindern zur Verfügung, die später aber alle selbst bauten.
Die 86-jährige Gertrud Müller widmet sich weiter dem Garten, soweit es ihre Gesundheit zulässt. Ein Enkel unterstützt sie dabei tatkräftig. Der 88-jährige Josef Müller ist ein gefragter Ratgeber in zahlreichen Organisationen und Gemeinschaften, von denen er einige selbst mitgründete. Vier der Kinder wohnen ganz in der Nähe und helfen im Alltag. Alle sind mit den Eltern eng verbunden. Zu Geburtstagen oder zu Weihnachten kommt die ganze Familie zusammen. Da wird es mit mehr als 30 Personen allein aus der direkten Nachkommenschaft ganz schön eng und gemütlich.
Wenn am 9. September die Eiserne Hochzeit gefeiert wird, kommt sogar der Priester aus der eigenen Familie. Der Zelebrant ist ein Neffe. Und das Jubelpaar blickt zurück auf ein gutes Leben und in eine Zukunft, in der die Nachkommenschaft möglichst glücklich werden soll.
