Ein 35-Jähriger muss nach dem Platzsturm im Rhein-Energie-Stadion 1200 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er hat einen der Ordner geschubst und dabei verletzt.
Prozess in KölnFC-Fan muss nach Platzsturm Strafe zahlen

Der Rasen war nach dem Einzug in die Conference-League für viele FC-Fans ein begehrtes Andenken.
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Fußball-Fans sind leidenschaftlich — wo weiß man das besser als in der Fußball-Hochburg Köln? Doch dann und wann geht die Leidenschaft mit dem einen oder anderen Effzeh-Fan so durch, dass er sich anschließend vor der Justiz verantworten muss. So erging es auch einem 35-Jährigen, der sich am Mittwoch einem Prozess wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung stellen musste.
Der Mitarbeiter der Stadt Pforzheim war am 7. Mai 2022 — dem vorletzten Spieltag der Bundesligasaison 2021/22 — aus der Stadt in Baden-Württemberg angereist, um beim letzten Saison-Heimspiel des 1. FC Köln gegen den VfL Wolfsburg mitzufiebern. Immerhin ging es um den Einzug in den europäischen Clubfußball. Zwar verlor der 1. FC Köln die Partie mit 0:1 gegen die Niedersachsen und die Spieler wirkten eher geknickt als zufrieden. Dennoch stürmten zahlreiche Zuschauer nach der Partie den Platz, da die Teilnahme an der neu eingeführten Conference-League aufgrund der Ergebnisse der direkten Konkurrenten gesichert war.
Ordner geschubst und verletzt
An dem Platzsturm beteiligte sich auch der Pforzheimer, der bei der Gelegenheit versuchte, sich ein Souvenir in Form eines Stücks Rasen aus dem Rhein-Energie-Stadion zu mopsen. Mit einem recht großen Stück des Geläufs versuchte er das Stadion zu verlassen, wurde aber von mehreren Stadionordnern daran gehindert. Dabei soll er einen damals 34 Jahre alten Ordner beim Gerangel um das Rasenstück zu Boden geschubst und geschlagen haben, so jedenfalls sagte es die Staatsanwältin. Der Ordner erlitt eine Schulterverletzung und wurde bewusstlos. Erst im Krankenhaus kam er wieder zu sich und musste zwei Tage stationär behandelt werden. Zudem wurde er bis August arbeitsunfähig geschrieben. Nach diesem Gerangel versuchte dann ein weiterer Ordner den 35-Jährigen festzuhalten, wie es in der Anklage hieß. Den habe der Angeklagte an den Hals gepackt, ihn beschimpft und dann gerufen: „Ihr seid doch nicht ganz dicht und behindert“, sagte die Staatsanwältin.
Der 35-Jährige räumte über seinen Verteidiger seine Teilnahme an dem Platzsturm und den Versuch, das Stück Rasen mitzunehmen, ein. Aber: „Er hat weder jemanden zielgerichtet geschlagen, noch beleidigt“, sagte der Verteidiger weiter. Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Geschädigten.
Das Gericht stellte das Verfahren ein. Als Auflage muss der Angeklagte binnen sechs Monaten 1200 Euro Schmerzensgeld an den aus Spanien stammenden Ordner zahlen. Der zeigte sich nicht zufrieden: „Wenn wir in Spanien wären, wären das mehr als 10 000 Euro gewesen.“

