Köln – Er gilt als Intensivstraftäter. Und folgt man einer Anklage der Staatsanwaltschaft wegen der Vorwürfe des erpresserischen Menschenraubs, Raub, Nötigung und Körperverletzung, dann scheint dieser Ruf des 22-Jährigen hart erarbeitet.
Am Sudermannplatz von Polizeikugeln schwer verletzt
Zweimal stand der junge Mann in jüngster Zeit vor Gericht. Einmal als Opfer, nachdem er im Sommer 2019 von einem Polizeibeamten niedergeschossen worden war. Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, denn die Schussabgabe hatte sich in einem Getränkemarkt am Sudermannplatz im eher ruhigen Agnesviertel ereignet. Nach einem misslungenen Festnahmeversuch wegen eines mutmaßlichen Raubüberfalls auf einen Drogendealer hatte der Beamte zur Waffe gegriffen und den 22-Jährigen schwer verletzt; der Polizist war Ende September vom Landgericht wegen Körperverletzung im Amt zu acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.
Wenige Wochen später wurde dem 22-Jährigen dann wegen des Raubüberfalls auf den Dealer – angebliche Beute: rund zwei Kilo Marihuana und Bargeld – sowie wegen Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung an einem anderen Mann vor dem Amtsgericht der Prozess gemacht. Während das Verfahrens wegen des Raubüberfall eingestellt wurde, ruht das Verfahren wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung; das mutmaßliche Opfer der Tat war mehrmals seiner Zeugenladung nicht gefolgt. Angeblich, so hatte es die Anwältin des Geschädigten vor Gericht mehrfach vorgetragen, weil ihr Mandant aus dem Umfeld des 22-Jährigen massiv bedroht worden sei.
Anklage gegen einen Vater und dessen Sohn
Bei all diesen Verfahren des 22-Jährigen im Publikum dabei: der Vater. Geht es nach der Staatsanwaltschaft, dann nehmen Vater und Sohn demnächst aber gemeinsam Platz auf einer Anklagebank des Landgerichts. Wie die Rundschau aus Justizkreisen erfuhr, sollen die beiden einen Handwerker brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt haben, weil dieser den defekten Toiletten-Spülkasten in der Wohnung des Großvaters des 22-Jährigen nicht ordnungsgemäß repariert habe. Laut der Anklage sollen die beiden Männer den Handwerker unter einem Vorwand in ein Sonnenstudio gelockt haben. Dort soll die Empfangsdame den Mann in eine Toilette geführt haben, wo Vater und Sohn bereits auf ihn gewartet haben sollen und sich mit dem Handwerker einsperrten. Dann setzte es Prügel, Tritte, Beleidigungen und Drohungen. Dabei soll auch ein Teleskopschlagstock zum Einsatz gekommen sein, der Handwerker wurde schwer verletzt, lag anschließend mehrere Tage im Krankenhaus.
Der 22-jährige Kampfsportler soll ferner gesagt haben, der Geschädigte werde die Räume nicht lebend verlassen. Dann sollen Vater und Sohn dem Handwerker vorgeworfen haben, er habe den Großvater belogen und betrogen. Weil die Reparatur des Spülkastens in der Wohnung des Großvaters nicht korrekt durchgeführt worden sei, sei man zur Reklamation berechtigt. Daraufhin sollen sie dem Mann zunächst 200 Euro aus dessen Portemonnaie genommen haben. Später soll sich der 22-Jährige erneut am Portemonnaie bedient und 630 Euro entnommen haben. Der Geschädigte soll dies aus Angst vor weiterer Gewalt erduldet haben, heißt es in der Anklage.
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Doch damit nicht genug, sollen die Angeklagten den Handwerker noch genötigt haben, den ursprünglichen Auftrag für den Spülkasten des Großvaters auf dem Rechnungsblatt zu stornieren. Nach rund 90 Minuten in der Gewalt von Vater und Sohn sollen sie den Handwerker ziehen gelassen haben. Jedoch ohne zu versäumen ihm einen Hausbesuch anzudrohen, sollte er sich an die Polizei wenden.
Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht, wie das Landgericht auf Nachfrage erklärte.


