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Prozess um Kölner FotografSohn vertraut sich Mutter beim Spaziergang an

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Prozess gegen Fotografen 310522

Ein 53 Jahre alter Fotograf muss sich vor dem Landgericht wegen Kindesmissbrauchs verantworten.

Köln – Das Verhalten ihres 15-jährigen Sohnes hatte eine 36-jährige Erzieherin schon länger beunruhigt: „Manchmal fing er ohne erkennbaren Grund an zu weinen.“ Sie habe sich gefragt, ob die Familie einen Psychologen konsultieren solle, wovon ihr Lebensgefährte seinerzeit abgeraten habe: „Er meinte, dass sei die Pubertät.“ Nach einem Spaziergang zu zweit sei dann ihre Welt aus den Fugen geraten, als der Junge über ihren langjährigen Partner unerwartet gesagt habe: „Er ist pädophil.“

Sohn von seinem Ziehvater missbraucht

Auf Nachfrage habe ihr Sohn ihr bestätigt, von seinem Ziehvater missbraucht worden zu sein. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft teilt er dieses Schicksal mit anderen: Zwischen 1999 und 2021 soll der 53-Jährige mehrere Jungen im Kindesalter missbraucht haben. Seit Ende Mai steht er deswegen vor Gericht und sitzt in Untersuchungshaft.

Die Aussage des Jugendlichen läutete das abrupte Ende eines glamourösen Lebens ein, wie die Zeugin schilderte: Mutter und Sohn kehrten von ihrem Spaziergang nicht mehr zurück in das Haus im Hahnwald, das der Angeklagte „als Überraschung“ für das gemeinsame Zusammenleben gekauft habe, um nicht mehr Abend für Abend zur Alleinerziehenden in den Rhein-Erft-Kreis pendeln zu müssen.

„Ich ging davon aus, dass er impotent wäre“

Trotzdem sich über die Jahre hinweg aus der Freundschaft zwischen dem Angeklagten und der Erzieherin eine Beziehung entwickelt habe, die mit zahlreichen Fernreisen an exotische Orte einherging, habe es nie Intimität im üblichen Sinne gegeben, so die Zeugin: „Ich ging davon aus, dass er impotent wäre. Wenn ich ihn darauf ansprach, sagte er immer: „Das wird schon. Ich hatte nie den Eindruck, dass er pädophil sein könnte.“ Mit der Aussage des Jungen habe sich das Verhalten des Mannes jedoch plötzlich erklärt: „Jetzt denke ich, er wollte mich gewinnen, um an meinen Sohn heranzukommen.“

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Der Kontakt zwischen dem zeitweiligen Paar sei zustande gekommen, weil eine Mitarbeiterin des Mannes die Mutter bei einem Straßenfest darauf angesprochen habe, dass ihr Sohn als Fotomodell in Frage käme. Der Vorsitzende Richter fragte die Zeugin, ob sie sich selbst Vorwürfe mache. „Habe ich am Anfang. Aber ich habe mit meiner Therapeutin darüber gesprochen. Ich weiß, dass ich mir keine Vorwürfe machen muss“, antwortete die Mutter. Sie sei mit ihrem eigenen Verlust so beschäftigt gewesen, dass sie von ihrem Sohn keine Details habe hören wollen: „Es reichte mir schon. Ich hatte kein Zuhause mehr, ich hatte meine Sachen nicht mehr, ich hatte meinen Partner als Bezugsperson nicht mehr. Es ging mir sehr, sehr schlecht.“ Ihr Sohn versuche nun, wohl auch ihr zuliebe, Stärke zu zeigen.

„Widerliche Nachrichten auf Instagram“

Trotz anonymisierter Berichterstattung hätten Bekannte die Zusammenhänge erkannt, nachdem der Fall bekannt geworden sei. „Mein Sohn hat dann widerliche Nachrichten auf Instagram bekommen“, schilderte die Mutter: „Das macht mich wütend. Dadurch, dass er den Mut hatte, so etwas zu erzählen, ist es noch schlimmer geworden.“

Das Verfahren gegen den angeklagten Fotografen wird fortgesetzt.