Abo

Nach Anschlag auf Berliner CSDTausende Teilnehmer bei queerer Demo „Queer March“ in Köln

3 min

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD hatte ein queeres Kölner Bündnis zur Demo aufgerufen. Tausende kamen.

Es lag ein Hauch von CSD über der Stadt. Menschen mit Regenbogen-Fahnen, Regenbogen-Sonnenschirmen und -fächern gegen die Hitze zogen am Sonntag durch Köln. Die erneute Demo kurz nach dem Kölner CSD hat einen alarmierenden Anlass: Bei der Parade in Berlin hatte am 25. Juli ein polizeibekannter Islamist bei einem Anschlag eine Frau getötet und viele Menschen verletzt. Ein Kölner Bündnis, zum dem unter anderem die Aidshilfe und der Verein Cologne Pride gehören, hatte deshalb zum „Queer March“ aufgerufen, um angesichts und gerade wegen der Bedrohung Präsenz zu zeigen. „Haltung ist hot“ war das Motto.

Auf der Deutzer Werft sammelten sich Tausende Teilnehmer, auf dem Weg zum Friesenplatz kamen noch mehr dazu. Am Ende waren es nach Schätzungen der Veranstalter 10.000. Die Polizei konnte diese Zahl jedoch nicht bestätigen. Trotz des traurigen Anlasses war die Stimmung gelöst und von einer gewissen mutigen Trotzigkeit geprägt. „Trauer, Wut, Widerstand“ stand auf einem der Schilder. Und auf einem anderen hieß es in Anspielung auf ein Bundeskanzler-Zitat „Zirkuszelt in Trauer“. Eine weitere Aussage: „My love is stronger than your hate – Meine Liebe ist stärker als euer Hass.“

Caroline Kebekus hatte Solidarität erklärt

Zahlreiche Prominente, unter anderen Kabarettistin Caroline Kebekus, hatten sich solidarisch erklärt und zur Teilnahme aufgerufen. Auch Kabarettist Fatih Cevikkollu nahm Stellung: „Ich unterstütze die Aktion, weil Gesellschaft die Gleichzeitigkeit von Unterschiedlichkeiten ist. Wir stehen zusammen.“ Auf dem Podium sprach Sven Lehmann, der ehemalige Queerbeauftragte der Bundesregierung. Gefordert wurde von Bund, Ländern und Kommunen, dass queeres Leben nachhaltig geschützt werden müsse – jetzt mehr denn je. In Köln, so sagte eine Rednerin, sei man dabei in einer besseren Position als andere Städte. Hier gibt es einen Queer-Ausschuss, der sich regelmäßig mit dem Stadtrat trifft, um die verschiedensten Fragen zu diskutieren. Dafür sei man dankbar, aber dies müsse auch weiter ausgebaut werden.

Wir haben mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesprochen:

Die Queerelas

Die Queerelas aus Köln

Wir sind die Queerelas, eine lesbische Frauensambagruppe aus Köln. Wir sind dabei, um unser Anliegen nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar zu machen. Die Angst schwingt seit Berlin mit, aber wenn man lesbisch aufwächst, dann hat man seit der Geburt Angst. Die Bedrohung ist näher gerückt. Aber sie betrifft nicht nur uns, sondern auch Straßenfeste, Weihnachtsmärkte und den Karneval.

Lars (l.) und Michael aus Köln

Lars und Michael Queer March

Wir lassen uns von Extremisten nicht einschüchtern. Es war für uns selbstverständlich, hier mitzumachen. Wir empfinden die Bedrohung in Köln als nicht so groß, jedoch ist die Stimmung in den letzten Jahren doch anders geworden. So wurden wir vor Kurzem an einem Kiosk als „dumme Schwuchteln“ beschimpft. Das hat es früher nicht gegeben. Und „schwul“ ist bei Jugendlichen ein Schimpfwort. Das darf nicht sein.

Majlill aus Köln (l.) und Finja aus Lübeck

Majlill aus Köln (l.) und Finja aus Lübeck

Ja, wir haben Angst. Aber es hilft ja nichts. Man fühlt sich weniger sicher als früher. Aber gerade deshalb sind wir hier mit dabei. Auf unserem Schild steht: Jetzt können wir endlich herausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten. Damit meinen wir die Nazi-Zeit. Viele auf dem Weg zur Demo haben uns auf dieses Schild angesprochen und wir sind ins Gespräch gekommen.