Abo

Fährausfall verschärft Chaos in BonnRheinpegel fällt in Köln erneut auf historischen Tiefstand

3 min
Boote liegen am Freitag (31. Juli) im Kölner Rheinauhafen auf Grund.

Boote liegen am Freitag (31. Juli) im Kölner Rheinauhafen auf Grund. 

Der Tiefststand von Freitag wird in Köln am Samstag erneut unterboten. In Bonn muss eine Fähre wegen Niedrigwassers den Betrieb einstellen. 

Das Niedrigwasser am Rhein hat am Samstagmittag in Köln einen neuen Tiefststand erreicht. Mit nur noch 67 Zentimetern wurde dort laut den Pegelwerten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes der bisherige Rekordwert aus dem Jahr 2018 um zwei Zentimeter unterschritten. Bereits am Freitagabend war der Rekord gebrochen worden. Um 20 Uhr wurden 68 Zentimeter gemessen, danach stieg der Pegel kurzzeitig jedoch noch einmal an.

In Bonn sorgt das Niedrigwasser unterdessen für eine Verschärfung des ohnehin bereits bestehenden Verkehrschaos durch die gesperrte Nordbrücke: Die Rheinfähre zwischen Bad Godesberg und Königswinter-Niederdollendorf musste aufgrund des geringen Pegelstands den Betrieb einstellen, das berichtet der WDR. Da der Rhein kaum Wasser führt, kann die Fähre nicht mehr anlegen, ohne auf einer Kiesbank zu stranden.

Bonner Fähre stellt Betrieb wegen Niedrigwasser ein

Seit der Sperrung der Nordbrücke stehen in Bonn lediglich zwei Brücken zur Überquerung des Rheins zur Verfügung – auf denen gibt es häufig Stau. Durch den Ausfall der Fährverbindung könnte sich die Lage nun kurzfristig noch einmal verschärfen. Eine Alternative bleibt derweil die Fähre zwischen Bonn-Mehlem und Königswinter. Sie fährt aktuell noch alle acht Minuten über den Rhein.

Ein Binnenschiff fährt am 31. Juli bei niedrigem Pegelstand unter der Südbrücke über den Rhein.

Ein Binnenschiff fährt am 31. Juli bei niedrigem Pegelstand unter der Südbrücke über den Rhein.

Am Samstag wird im weiteren Verlauf nach Regenfällen allerdings wieder ein leichter Anstieg der Pegelstände erwartet: Oberhalb von Koblenz stiegen die Werte bereits wieder an. Am Freitag war am Pegel Kaub noch ein Tiefstwert von nur noch 25 Zentimetern gemessen worden. Am Samstagmittag lag der Wert dort aber wieder bei 30 Zentimetern.

Trockenheit führt zu Niedrigwasser – mit Folgen für die Wirtschaft

An Messstellen unterhalb von Koblenz gingen die Werte hingegen am Samstag noch einmal zurück. In Düsseldorf wurde am Mittag ein Pegel von nur noch 23 Zentimetern gemessen. Dies entsprach dort dem bisherigen Tiefstwert von 2018.

Die niedrigen Pegelstände erhöhen die Transportkosten für die Wirtschaft und belasten vorwiegend Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind. Binnenschiffe können deutlich weniger Ladung transportieren oder müssen ganz darauf verzichten. Verursacht wird das Niedrigwasser durch die lang anhaltende Trockenheit in vielen Regionen Deutschlands.

Mona Neubaur offen für punktuelle Eingriffe

Gegen ein generelles Ausbaggern des Rheins, um eine größere Wassertiefe zu erreichen, gibt es allerdings Widerspruch: „Eine Vertiefung der Fahrrinne auf der Gesamtstrecke ist nicht die Lösung“, sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) der „Rheinischen Post“. Für punktuelle Eingriffe zeigte sie sich aber offen.

Auch die Kölner Grünen kommentierten den Rekord-Tiefststand des Rheins. „2018 hat es fast bis zum Winter gedauert, bis der Fluss so tief stand. Jetzt reicht dafür der Juli. Mitten im Sommer, mit zwei weiteren Monaten, die noch kommen können“, schrieb die Partei im sozialen Netzwerk Facebook bereits am Freitag.

Kölner Grüne: „Klimawandel macht Extreme wahrscheinlicher“

Das sei weder ein Zufall noch eine gewöhnliche Schwankung, sondern die „neue Realität“, hieß es weiter von den Grünen, die auch auf den Klimawandel verwiesen: „Während bei uns der Fluss verschwindet, brennen anderswo in Europa gerade die Wälder. Der Klimawandel macht genau solche Extreme wahrscheinlicher, und diese Sommer werden nicht die letzten ihrer Art sein.“

Auch der Meteorologe Karsten Brandt fordert, dass man sich den Auswirkungen des Klimawandels stellen müsse. „Der Sommer 2026 dient hierbei als deutliche Warnung und Blaupause dafür, worauf wir uns am Rhein und in der Region Köln künftig dauerhaft einrichten müssen“, schrieb Brandt in einem Gastbeitrag für den „Kölner Stadt-Anzeiger“. (das/afp)