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Bäume unter BeobachtungNachbarn befürchten illegale Fällungen in Bayenthal

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Ein Mann und zwei Frauen stehen auf einem Balkon, im Hintergrund sind Bäume in einem großen Hinterhof-Grundstück zu sehen.

Bernd Keul, Christiane Berger und Beatrix Meimberg sind in Sorge, dass auf dem Nachbargrundstück Bäume gefällt werden, die eigentlich beim Neubau der Wohnungen erhalten bleiben sollen. 

Für ein Neubauprojekt mit 44 Wohnungen sollen am Gustav-Heinemann-Ufer Bäume weichen. Nachbarn fürchten, dass mehr abgeholzt werden als ursprünglich geplant. 

Rot-weiße Flatterbänder wehen an einigen Bäumen, an anderen leuchtet ein roter Punkt am Stamm. Auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück am Gustav-Heinemann-Ufer 114 stehen mehr als 30 - teils sehr alte - Bäume, darunter Platanen, Weiden und Kirschbäume. Ein privater Investor will hier zwei Gebäude mit 44 Wohnungen, eine Tiefgarage und eine Feuerwehrzufahrt errichten. Dafür sollen Bäume gefällt werden.

Grundstück in Köln-Bayenthal unter Beobachtung

Vor wenigen Tagen markierten Arbeiter die betroffenen Bäume. Roter Punkt bedeutet Fällung, Flatterband Erhalt. Die Markierungen versetzten Nachbarn in Alarmbereitschaft. „Wir haben als direkte Anwohner Einsicht in den Bauantrag und haben jetzt gesehen, dass auch Bäume, die stehen bleiben sollen, mit einem roten Punkt markiert wurden“, berichtet Christiane Berger. Gemeinsam mit Bernd Keul, Beate Meimberger und weiteren Anwohnern beobachtet sie das Grundstück seit Monaten aufmerksam.

Von einem Balkon aus ist ein viereckiges Grundstück zu sehen, auf dem Bäume wachsen.

Auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück am Gustav-Heinemann-Ufer 114 sollen zwei Wohngebäude entstehen. Nachbarn befürchten, dass dafür auch Bäume abgeholzt werden, die laut Planung erhalten bleiben sollen.

Bereits im vergangenen Jahr, als erste Arbeiten begannen, erkundigten sie sich bei der Stadt nach den Plänen. Der Bauantrag war im Frühjahr 2025 eingegangen, die Unterlagen sind nicht öffentlich einsehbar. Der Informationsfluss mit der Stadt sei zäh gewesen, sagen Berger und Keul. „Wir finden, die Stadt sollte Anwohner proaktiv über solche Vorhaben informieren“, kritisieren sie.

Auf dem Gelände steht eine zweigeschossige Villa aus den 1920er Jahren, die seit Jahren leer steht und abgebrochen werden soll. Das Grundstück gehörte zunächst dem Bund, später der Stadt, die es an den Investor verkaufte. Bedingung für die Baugenehmigung ist, dass 50 Prozent öffentlich geförderte Wohnungen entstehen.

Lebendiges Ökosystem

Grundsätzlich stellen die Anwohner das Projekt nicht infrage. „Wir sind nicht gegen die Wohnungen, aber es sollen nicht mehr Bäume abgeholzt werden als nötig“, sagen Keul und Meimberger. Unverständlich ist ihnen, dass offenbar auch Bäume an der Grundstücksgrenze gefällt werden sollen. Eine Erklärung der Stadt dazu bekamen sie bislang nicht.

Für die Anwohner geht es um mehr als einzelne Stämme. Die alten Bäume kühlten das Areal im Sommer und seien Lebensraum zahlreicher Tiere, sagen sie. „Hier leben so viele Vögel, darunter viele seltene Arten wie Grünspecht, Rotspecht, Zaunkönig, darüber hinaus viele Fledermäuse und Eichhörnchen“, schildert Meimberger.

Angst vor illegalen Fällungen

Verstärkt wird die Sorge durch einen Fall in Marienburg, bei dem ein Investor vor fünf Jahren ohne Fällgenehmigung zahlreiche Bäume abholzen ließ – ohne größere Konsequenzen. „Wir haben Angst, dass das hier auch passiert“, sagen die Anwohner. Arbeiter hätten angekündigt, die Fällungen sollten zeitnah beginnen, berichtet Berger. Ab dem 1. März beginnt der Artenschutz, Baumfällungen sind dann bis zum 30. September verboten.

Die Nachbarn wandten sich an das Umweltamt und den BUND. Der riet ihnen, wachsam zu sein. Auch der frühere Bezirksbürgermeister Manfred Giesen empfahl ihnen bereits im vergangenen Jahr, sich Fällgenehmigungen zeigen zu lassen, sollten Arbeiter mit der Kettensäge anrücken. „Das Umweltamt hat auch gleich reagiert und einen Mitarbeiter rausgeschickt. Jetzt haben wir die mündliche Info bekommen, dass die Fällarbeiten erst einmal gestoppt sind und dass noch keine Fällgenehmigungen erteilt wurden“, berichtet Berger. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte die Stadt mit, dem Umwelt- und Verbraucherschutz liege ein Antrag nach Baumschutzsatzung vor, der noch geprüft werde.

Entwarnung ist das für die Anwohner nicht. „Wir sind trotzdem besorgt, dass die Bäume einfach weggekommen. Unser Eindruck ist, dass der Investor kein Interesse daran hat, sie zu erhalten. Deren Pflege verursacht schließlich Kosten“, sagen sie. Für Berger, Keul, Meimberger und ihre Nachbarn steht fest: „Wir behalten das Grundstück im Blick und werden nach Genehmigungen fragen, wenn Fällarbeiten starten. Sollte es dabei nicht mit rechten Dingen zugehen, melden wir das sofort dem Umweltamt und rufen notfalls die Polizei.“