Nach dem Fund einer Weltkriegsbombe im Rhein mussten 3000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Doch entschärft werden konnte der Blindgänger nicht.
Weltkriegsbombe in RodenkirchenBlindgänger ist im Weißer Bogen gesprengt worden

Jan Leipertz (Fachgruppe „Kampfmittel“ im Ordnungsamt, v.l.n.r.), Katharina Nowicki (Einsatzleitung Ordnungsamt), Dirk Käsbach (Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Köln) mit den Entschärfern Michael Hilgers und Marcel Biewald vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Rheinland am Sprengkrater mit Fragmenten des gesprengten Blindgängers im Weißer Bogen.
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In Köln-Rodenkirchen war am Montagnachmittag (28. September) ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die amerikanische Zehn-Zentner-Bombe lag im Bereich des Rodenkirchener Rheinufers in Höhe der Kirche Alt St. Maternus. Sie verfügte über einen Front- und einen Heckaufschlagzünder.
Die Weltkriegsbombe sollte am Dienstag (29. September) entschärft werden. Dafür wurde ab 9 Uhr ein Radius von 500 Metern rund um den Fundort geräumt, rund 3000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen. Gegen 15 Uhr wurde die Freigabe zur Entschärfung erteilt. Doch nach 45 Minuten kam die Nachricht: Ein Zünder lässt sich nicht herausdrehen. Der Blindgänger musste gesprengt werden. Gegen 19 Uhr erfolgte dies schließlich – aber an einem anderen Ort.
Kampfmittel kommt unter die Erde
Offenbar hatte das Wasser des Rheins der Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg sehr stark zugesetzt. Der Blindgänger war deshalb unter Polizeieskorte vom Kampfmittelbeseitigungsdienst in einen unbewohnten Bereich zu Feldern im Weißer Bogen transportiert worden. Der neue Gefahrenbereich zwischen Rodenkirchen und Weiß hatte ebenfalls einen Radius von 500 Metern.

Der neue Evakuierungsradius für den Blindgänger in Rodenkirchen beträgt ebenfalls 500 Meter. Das Kampfmittel muss auf einem Feld kontrolliert gesprengt werden.
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Auf dem Acker wurde die Bombe in einem mehrere Meter tiefen, ausgehobenen Loch platziert, berichtet die Stadt. Anschließend wurde sie mit 60 Tonnen Sand bedeckt. Das Ordnungsamt sperrte den Bereich ab, die Feuerwehr setzt eine Drohne ein, um zu überprüfen, ob sich keine Menschen im neuen Evakuierungsbereich befinden. Der Luftraum über dem Gefahrenbereich wurde zuvor durch die Flugsicherung gesperrt. Um 18.45 Uhr wurde dann die Freigabe zur Sprengung erteilt, gegen 19 Uhr erfolgte die Sprengung.
Die Reste wurden anschließend abtransportiert. Die Sperrungen am Weißer Bogen wurden erst nach erneuter Kontrolle des Gefahrenbereichs schrittweise aufgehoben.
Gebiet im Weißer Bogen blieb zunächst abgesperrt
Die Freiwillige Feuerwehr Rodenkirchen war mit zwei Löschfahrzeugen vor Ort und stellte den Brandschutz sicher. Nach der kontrollierten Sprengung sollte der Gefahrenbereich gesperrt bleiben. Die Drohne der Feuerwehr kontrollierte mit einer Wärmebildkamera auf mögliche Schwelbrände in der näheren Umgebung.
Der Blindgänger war erst durch den niedrigen Rheinpegel sichtbar geworden. Ein Kölner hatte das Ordnungsamt informiert, nachdem er im Rhein etwas entdeckt hatte, das wie eine Bombe aussah. Bei der Überprüfung bestätigte sich der Verdacht.
Zwei Personen wollten Gefahrenbereich nicht verlassen, eine durchbricht Absperrung
Die Anlaufstelle für alle Betroffenen, die zunächst am Vormittag ihre Häuser verlassen mussten, befand sich in der Erzengel-Michael-Kirche, Pfarrer-Te-Reh-Straße 7 auf dem Gelände der Diakonie Michaelshoven. Dort gab es kostenlose Getränke und Snacks. 26 Personen fanden sich hier ein.
Zahlreiche Straßen waren seit 11 Uhr gesperrt, wurden aber am Nachmittag wieder freigegeben. Alle Anwohnerinnen und Anwohner konnten zurückkehren. Die Brückenstraße blieb auch am Abend für die Rücktransporte der Altenpflege-Einrichtung zwischen Maternusstraße und Frankstraße gesperrt.

Die Evakuierung in Rodenkirchen koordinieren das Ordnungsamt der Stadt Köln und der Kampfmittelräumdienst.
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Gegen drei Personen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet: Zwei Personen hatten sich geweigert, ihre Wohnungen zu verlassen. Eine Person verließ nach mehrfachem Klopfen freiwillig die Wohnung. Die andere Person wurde aus dem Gefahrenbereich verwiesen, nachdem Polizisten sich über einen Balkon Zutritt zur Wohnung verschafft hatten.
Die dritte Person verzögerte die Evakuierung mutwillig kurz vor der Freigabe zur zunächst geplanten Entschärfung: Sie durchbrach eine Straßensperre an der Uferstraße. Einsatzkräfte verfolgten die Person, stellten sie, nahmen die Personalien auf und verwiesen sie des Gefahrenbereichs.

Mehrere Krankentransporte mussten für die Evakuierung in Rodenkirchen erfolgen, unter anderem lag ein Altenheim im Gefahrenbereich.
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Auch die Bewohner des Caritas-Altenzentrums St. Maternus wurden evakuiert. Es mussten 16 Personen per Krankentransport aus dem Evakuierungsbereich und nach der Entschärfung wieder zurückgebracht werden, ebenso insgesamt 120 Personen aus der Seniorenpflege-Einrichtung, die überwiegende Mehrheit ebenfalls per Krankentransport.
Das Ordnungsamt der Stadt Köln war mit 110 Mitarbeitenden im Einsatz, die Feuerwehr Köln und Hilfsorganisationen mit 97, die Polizei Köln mit zwölf und die KVB mit drei Verkehrsmeistern
Evakuierung in Rodenkirchen – A4 war zeitweise gesperrt
Die A4 war ab etwa 14.30 Uhr am Autobahnkreuz Köln-Süd in Richtung Olpe sowie am Autobahnkreuz Köln-Gremberg in Richtung Aachen dicht. Zudem wurde die Auffahrt der Anschlussstelle Köln-Poll in Richtung Aachen geschlossen. Betroffen waren außerdem die A555 am Kreuz Köln-Süd, die A559 am Kreuz Köln-Gremberg sowie die A3 am Autobahndreieck Köln-Heumar – dort waren jeweils Überleitungen auf die A4 in Richtung Aachen gesperrt.
Als sich herausstellte, dass die Bombe gesprengt werden muss und abtransportiert wurde, konnte die A4 am späten Nachmittag wieder freigegeben werden.
Blindgängerfund: Auch auf dem Rhein durfte niemand fahren
Wasserschutzpolizei und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt überwachten von Booten aus den Gefahrenbereich. Ab 14.30 Uhr wurde der Rhein im Bereich der Rodenkirchener Brücke zeitweise ebenso wie der Luftraum gesperrt.

Eine Karte der Stadt Köln zeigt den ursprünglichen Evakuierungsradius in Rodenkirchen.
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Einschränkungen gab es am Nachmittag zudem bei den KVB-Buslinien 130, 131, 134 und 135. Die Stadtbahn-Linien 16 und 17 waren nicht betroffen.
Die Ikea-Filiale in Godorf indes zog aus dem Fund der Weltkriegsbombe und der Evakuierung einen Nutzen und lockte Kunden an – mit einer netten Aktion. Das Möbelhaus bot am Dienstag ab 9.30 Uhr ein Gratis-Frühstück an für die Betroffenen aus Rodenkirchen. Das teilte das Team des Möbelhauses auf Instagram mit. (sbo/cme/red)