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„Emotionaler Ritt“Unterwegs mit dem Rodenkirchener Dreigestirn

5 min
Das Dreigestirn aus Rodenkirchen steht mit zwei Klinik-Clowns im Foyer der Uniklinik.

In der Uniklinik freuen sich die Klinikclowns Motzi und Halli Hallo über eine Spende des Dreigestirns Noch ein Selfie mit dem Prinzen - das ist überall gefragt.

Kurz vor den Zügen ist der Terminkalender des Rodenkirchener Dreigestirn besonders voll. Heute geht es auch zu den Clowns der Uniklinik.

Es ist kurz nach neun. Prinz André I. liest E-Mails. Bauer Alex erklärt, dass das Anziehen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Stiefel, Orden und Ornat an. „Beim Gürtel anlegen bekomme ich Hilfe. Die Schlüssel sind schwer, der Gürtel muss hinten gerade sitzen.“ Nur Berthold Tobjinski ist noch nicht fertig. Geschminkt ja, aber das Kleid fehlt noch. Er verschwindet im Nebenraum der kleinen Hofburg, wie sie das Zuhause der Jungfrau Tanja nennen, die dann auch als solche erscheint. Gut 40 Minuten braucht „Bert“, um zu Tanja zu werden. Spiegel und Handschuhe einpacken - jeder schnappt sich eine Tupperbox mit Broten für den Tag.

Prinzenführer Chrissi wirft einen letzten Blick auf den heutigen Auftrittsplan. Sechs Stationen, zwei Kitas, eine Grundschule, ein Geburtstag, eine Scheckübergabe und ein Besuch im Seniorenheim. Erster Halt ist die Kita Elfenland. Die Feder wird für den Prinzen eingesetzt. Besonders schwer ist der Hut von Bauer Alex mit 125 Pfauenfedern. „Gibt es hier etwas zu beachten?“ heißt draußen die Frage. Manchmal werden Süßigkeiten verteilt, manchmal nicht. Hier gibt es Buttons für die Pänz mit dem Orden des Dreigestirns.

Bei seinem Auftritt in der Aula wird der Prinz von Grundschülern bejubelt.

Ein Prinz zum Anfassen: Das Dreigestirn macht Station in der Emanuelschule   Ein Dreigestirn zum Anfassen in der Emanuelschule.

In der Kita ist es mucksmäuschenstill. „Den Hut kannst Du hier nicht aufziehen. Die Decke ist nicht hoch genug“, sagt Erzieherin Andrea Düffel. Vier Gruppen warten gebannt auf das Dreigestirn, und Prinz André verwandelt sich in der Turnhalle in einen Märchenprinzen und erzählt den Kindern die Geschichte von dem jungen Mann, der Prinz werden wollte. Das Ende  ist bekannt. In Köln darf er regieren, mit Bauer und Jungfrau, in der fünften Jahreszeit. Die Pänz kontern mit Wissen. Dass der Bauer einen Dreschflegel dabei hat, wusste Wanja. Beeindruckt war das Dreigestirn als eine Elfin sogar wusste, dass die Krone der Jungfrau aussieht wie die Stadtmauer. „Mir als kölsche Jeck ist die Brauchtumserziehung wirklich wichtig“, sagte Düffel. Auch ein Kinderwunsch wurde erfüllt: Mit dem Dreigestirn zusammen das Räuber-Lied oben unten tanzen. So lernt man auch gleichzeitig rechts und links.

Partystimmung in der Aula der Emanuelschule

Gerade mal über die Straße geht es nach 40 Minuten weiter mit dem Auto zur Emanuel Grundschule. Gleiches Spiel: Feder, Hut, Wurfmaterial, große Musikbox aus dem Auto holen. An der Tür werden sie, wie überall, bereits erwartet. Alles geht nach Plan. In der Aula herrscht absolute Partystimmung. Das Lied? Oben, unten. Die gut 300 Pänz sind textsicher. Ohrenbetäubend wird der Lärm, als das Dreigestirn die Aulabühne betritt. Besonders der Bauer freut sich auf den Auftritt. Seine Tochter Louisa besucht die Schule. Bei der Begrüßung fehlen dem Prinzen kurz die Worte. „Ihr seht nicht nur toll aus, ihr habt uns auch sensationell empfangen“, bedankt er sich und stellt dann gleich, samt Fahrer Peter, das gesamte Team hinter dem Dreigestirn vor. Es ist einer der wenigen Tage, wo niemand vom Festkomitee aufgrund eines Trauerfalls eines Mitglieds, die Vorstellung übernehmen kann.

Abgewandelt erzählt Prinz André die Geschichte, so dass selbst Schulleiterin Ute Kochsieck meint, noch etwas Neues zu lernen, als er erklärt, dass die Pfauenfedern für starke Gesundheit stehen, weil der Pfau giftige Pflanzen fressen kann, ohne Schaden zu nehmen. Die Schüler durften natürlich auch Fragen stellen, ehe noch einmal ganz nah mit dem Dreigestirn getanzt wurde, ehe es hieß: „Tschüss, bis Sonntag. Wir sehen uns beim Zoch.“ Im Auto sind alle völlig baff. „War das genial“, sagt Bauer Alex.

Besuch der Klinik-Clowns in der Kölner Uniklinik

Für den Job als Dreigestirn haben sich alle Urlaub genommen. „Das ist sonst gar nicht zu stemmen“, sagt der Prinzenführer. Der Montagekoordinator ist die Koordinationsstelle. Möglichst zeitlich beieinander liegende Besuche planen, Begleiter organisieren. „Alles mögliche“, sagt Chrissi. Gut 100 Auftritte sind absolviert. Stille herrscht im Auto auf der Fahrt zur Uniklinik. Auf der Kostümsitzung in Sürth hatte Jungfrau Tanja ihr Strumpfband versteigert. Aufgerundet auf 500 Euro soll der Betrag an die Kölner Klinik Clowns übergeben werden. Karneval und Klinik Clowns - für das Trifolium passt das gut zusammen.

Das Dreigestirn tanzt mit Kitakindern.

Erster Termin des Tages: Tanzen mit dem Dreigestirn in der Kita Elfenland

Bei der Ankunft wird es emotional. Eine Frau bittet unter Tränen um ein Foto des Dreigestirns für ihre kranke Schwester, die mit Leukämie in der Klinik kämpft. „Das wird sie vielleicht aufmuntern“, sagt sie. Im Foyer warten Motzi und Halli Hallo, zwei Klinik Clowns, die sich mit allerlei Fragen an das Dreigestirn wenden. Währenddessen kommen kranke und gesunde Besucher, freuen sich über ein Foto mit dem Trifolium.

„Manchmal ist es ein emotionaler Ritt“, sagt Tanja. Gerade noch im Kindergarten, dann am Bett eines altersschwachen Seniors, der sich kaum bewegen kann und dann eine Sitzung. „Aber genau dafür machen wir das. Wir gehen zu denen, die nicht zu uns kommen können“, sagt der Prinz . Für ihn ist das Beste an der fünften Jahreszeit, dass sie jedes Jahr wieder kommt. Es geht zurück nach Rodenkirchen. Kurzer Halt an der kleinen Hofburg. Dann geht es weiter in die nächste Kita nach Rondorf. In Rodenkirchen warten am Nachmittag die Mitarbeiter einer HNO-Praxis, die ihren Chef überraschen. Ein 47. Geburtstag. Um 17 Uhr ein letzter Auftritt, für den das Dreigestirn besonders lebt. Es geht an die Marktstraße zum Seniorenheim Doreafamilie. Die Tagesordnung ist damit offiziell beendet. Auf ein letztes Kölsch in die eigentliche Hochburg des originär Rodenkirchener Dreigestirn. In die Gaststätte Hinger d'r Heck.

Unterwegs haben sie auch ein wenig gut gehütetes Geheimnis verraten. In der kommenden fünften Jahreszeit soll es erstmalig ein Rodenkirchener Kinderdreigestirn geben. Der Nachwuchs ist also gesichert.