„Ich kann nicht anders, als Menschen zu helfen“Rodenkirchenerin gewinnt Preis für ihr Engagement für Ukrainer

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Eine junge Frau steht im Garten.

Irina Slania aus Rodenkirchen hilft Ukrainern, wo sie nur kann.

Irina Slania aus Rodenkirchen erhielt den Miteinanderpreis der Stadt. Die gebürtige Ukrainerin hilft unermüdlich Menschen in Köln, die aus dem Kriegsgebiet geflüchtet sind. 

Geschichten könnte Irina Slania viele erzählen. Die meisten sind herzergreifend. Ein Jahr arbeitete die gebürtige Ukrainerin auf halber Stelle im Flüchtlingsheim an der Ringstraße als Übersetzerin und kürzte dafür ihren eigenen Job. Jetzt arbeitet die 36-Jährige auf dem zweiten Bildungsweg als Lehrerin an der Gesamtschule in Lindenthal.

Sie selbst war zwölf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und ihrem damals sechs Jahre alten Bruder nach Deutschland kam. Ihr Vater war Atomingenieur, die Familie Spätaussiedler. „Es war eigentlich genau die gleiche Situation wie jetzt in den Flüchtlingsheimen. Wir waren Menschen ohne Wohnrecht, auf drei Monate befristet. Es war schrecklich, nur kann ich mich an keine Sozialarbeiter erinnern.“

Flüchtlingsfamilie fand in Köln-Rodenkirchen eine neue Heimat

Lange ist das her. Sie studierte Musikpädagogik und Klavier und BWL. Heute ist sie verheiratet, seit sechs Jahren lebt sie mit Mann und Sohn Kai in Rodenkirchen. „Ihre Heimat“, wie sie sagt. Für ihr besonderes ehrenamtliches Engagement wurde Slania mit dem „Miteinanderpreis“ bei „KölnEngagiert 2023“ von Bezirksbürgermeister Manfred Giesen ausgezeichnet. „Sie ist ein Geschenk des Himmels“, heißt es in der Begründung.

Irina Slania am Klavier.

Die Musik brachte Irina Slania zum Helfen.

Als sie am 24. Februar 2022 vom Krieg in der Ukraine erfuhr, war da zunächst der Schock. „Ich habe zwei Monate gebraucht, ehe der Krieg bei mir angekommen war und dann habe ich mich gefragt: Wenn ich jetzt da wäre, was würde ich tun?“

Von Rodenkirchen war es leicht zu beantworten. Sie wollte helfen. Der Anfang war eine Kundgebung auf dem Maternusplatz zum Krieg in der Ukraine. Slania bot an, ein Lied zu singen. „Ich bin eine Musikerin.“ Sie spielt auch mit Freundinnen in der Band „Die Juliettes“ und singt Schlager für Senioren. Aber mit diesem ukrainischen Lied hat ihre Geschichte angefangen. Sie kam mit vielen Leuten ins Gespräch. „Unbekannte Menschen, die helfen wollten, Vertrauen schenkten.“

Freundin aus der Ukraine nach Rodenkirchen geholt

18 Jahre war Slania selbst nicht mehr in der Ukraine, ihre Heimatsprache eingerostet. Eine Herzensangelegenheit war, zunächst ihre beste Freundin Svetlana zu kontaktieren. Die Pharmazeutin aus Kiew hatte gerade eine Fünfzimmer-Wohnung in der Hauptstadt gekauft, als der Krieg ausbrach. Sie floh mit ihrem Mann und zwei Kindern. „Sie wohnt tatsächlich jetzt zwei Etagen höher.“ Das förderte ihren Entschluss: „Ich kann nicht anders, als Menschen aus der Ukraine zu helfen. Alles, was gut tut.“

Im August letzten Jahres fing sie im Flüchtlingsheim an der Ringstraße an. Unter den 400 Flüchtlingen dort leben 250 Ukrainer. Sie leitete Kindermusikgruppen und organisierte Konzerte. „Es war wichtig, den Menschen zu helfen, anzukommen.“ Sie wollte aber immer mehr als nur übersetzen. Gemeinsam gingen sie zu Vorstellungsgesprächen, sie half Formulare auszufüllen. Das tut sie heute noch.

Kleidung in Tüten in einem Wohnzimmer.

Fortlaufend bringen Rodenkirchener gut erhaltene Kleidung für Geflüchtete vorbei.

Es sind nicht nur Ukrainer, sondern auch Russen, die mittlerweile zu ihren Freunden zählen. Es sind Politiker, Juristen, Journalisten. „Wenn die nicht hier wären, wären sie vielleicht nicht mehr am Leben.“ Von vielen weiß Slania, dass sie gerne zurückmöchten, andere werden gezwungen, den russischen Pass anzunehmen, weil sie sonst ihr Habe verlieren. „Sie gehen mit weinenden Augen“, erzählt sie. Arbeiten wollen eigentlich alle. Das Flüchtlingsheim sei ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Viele seien traumatisiert, andere motiviert. Die Sprachbarriere sei aber immer eine Hürde, die überwunden werden müsse. Vieles sei eben auch bürokratisch. Für sie selbst war die Hilfe für andere eine Art, den Krieg zu verarbeiten. „Es wäre schwieriger, wenn ich nichts gemacht hätte.“

13-Jährige verliert Mutter in Kölner Krankenhaus

Ihre Familie hat die Thematik „Russland / Ukraine“ gespalten. Mit einigen hat sie „eine Pause eingelegt“, wie sie mit belegter Stimme erzählt. Entschuldigen kann sie die Einstellung nicht. „Ich kann nur sagen, sie wurden anders erzogen.“

Weil sie ein positiver Mensch ist, erzählt sie lieber von den Geschichten, die passieren. Zum Beispiel von einem 13-jährigen Mädchen, das seit einem Raketenangriff behindert ist und hier in Köln im Krankenhaus seine Mutter verloren hat. Slania konnte aber bei der Beerdigung helfen und das Mädchen mit seiner Großmutter vereinen.

Im Flüchtlingsheim hätte sie gerne weiter gearbeitet, aber ihre Schule bot ihr die Gelegenheit, ihre Lehramtsbefähigung zu erhalten. Sie leitet eine fünfte Klasse. Die Familien, um die sie sich bisher gekümmert hat, betreut sie weiter. Auch erhält sie weiter gut erhaltene Kleidung als Spende. Und sie hat auch Schüler aus der Ukraine in ihrer Klasse. Es geht also so oder so weiter.

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