Strikte Auslegungen der Grabgestaltung an den Baumgrabstätten am Friedhof Steinneuerhof sorgen für Unverständnis. Die Stadt zeigt sich rigoros, dabei könnte es ein belebter Park sein.
Ärger um BaumgräberStadt entfernt unerlaubte Dekoration auf Rondorfer Friedhof

Bestatter Michael Brodesser wünscht sich, dass der Friedhof Steinneuerhof in Rondorf attraktiver gestaltet wird.
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Eine Handvoll von den Enkeln für die Oma bemalte, kleine Kieselsteine und ein wenig Erika hatte Christian Hübbers mit seiner Familie, an der Baumgrabstätte auf dem Friedhof Steinneuerhof in Rondorf für seine Mutter dekoriert. Die Grabstätten seiner Eltern und seines Schwiegervaters befinden sich hier als gemeinsame Baumgrabstätte. Die Entscheidung wurde von allen drei Verstorbenen bewusst getroffen, auch in Kenntnis der geltenden Regelungen zum Grabschmuck. Denn der darf, laut Friedhofssatzung, nicht angebracht werden. Doch stören wirklich ein paar bemalte Kieselsteine? „Ausgerechnet am Jahrestag meiner Mutter wurde alles radikal weggeräumt“, sagt Hübbers und fragt nach einer gewissen Verhältnismäßigkeit, gerade bei der naturbelassenen Begräbnisart. Die vollständige Entfernung dieser zurückhaltenden Gestaltung wirft für ihn Fragen auf. „Ich wünschte mir mehr Fingerspitzengefühl“, so Hübbers.
180 Baumgrabbestattungen gab es im Jahr 2025 in Köln
180 Baumgrabbestattungen hat die Stadt für das letze Jahr angegeben, eine konstant hohe Zahl, 2022 waren es 172. Die Bestattungsart ist beliebt. Kulanz bei der Grabgestaltung lässt die Friedhofsverwaltung nicht zu, auch wenn sie die Bedeutung persönlicher und individueller Gestaltung nachvollziehen kann. „Es handelt sich hier um ein für die nutzungsberechtigten Personen pflegefreies Grabangebot. Das Ablegen von Grabschmuck und die individuelle gärtnerische Anlage ist aus diesem Grund nicht gestattet“, heißt es. Grabschmuck wird lediglich zur Beisetzung vier Wochen geduldet und zum Totengedenktag im November.

Grabschmuck, auch Kerzen, sind an den Baumgrabstätten auf dem Friedhof nicht erlaubt.
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Michael Brodesser hält die Aussage für zweifelhaft. Baumgrabstätten hält der Bestatter grundsätzlich für ein Plus. Nach Information der Stadt können, pro Baum, vier Grabstätten mit je zwei Urnen angelegt werden. Die Grabstätten können mit einem Naturstein gekennzeichnet werden. Diese Liegesteine dürfen ein Maximalmaß von 40 auf 50 Zentimetern nicht überschreiten.„Durch die Baumgrabstätten haben wir Bestatter viele von den anonymen Grabstätten wegbekommen und können so dem Tod die Anonymität nehmen“, sagt Brodesser. Auch ihn stört die kompromisslose Auslegung. „Die Stadt erlaubt Steine, aber keine Blumendekoration, wo ist der Anfang, wo das Ende? Da fehlt eine sensible Abwägung. Ein umgefallener Engel? Das wird alles weggenommen“, sagt Brodesser, der sich die frustrierten Beschwerden der Angehörigen anhören muss.
Dekorationen stören Gärtner bei der Pflege
Auch auf erneute Nachfrage bleibt die städtische Antwort hart im Kurs: „Aufgrund der hohen Anzahl der Baumgrabstätten muss in jedem Einzelfall auf die Einhaltung der Regelungen dieser Grabart geachtet werden, da die entsprechenden Flächen von der Friedhofsverwaltung sonst nicht mehr im angemessenen Zeitrahmen zu pflegen wären“. Die Mitarbeitenden müssten sonst zunächst die Dekorationen wegstellen oder mittig positionieren, und dann wieder an den ursprünglichen Ort zurückstellen, damit sie bei Mäharbeiten nicht beschädigt würden. Außerdem spricht die Friedhofsverwaltung von Beschwerden anderer Nutzungsberechtigter, die durch die Gegenstände eine optische Verwahrlosung beklagen.
Michael Stünkel aus Niederkassel, ein Angehöriger eines Verstorbenen, sieht ebenfalls falsche Prioritäten gesetzt: „Hier konzentrieren sich die zuständigen Mitarbeitenden der Stadt lieber darauf unrechtmäßig an den Baumgräbern platzierte Gestecke und Blumen zeitnah zu entfernen, selbst wenn diese so abgelegt sind, dass sie nicht bei der Rasenpflege stören. Es gibt Wichtigeres auf dem Friedhof zu tun,“ meint Stünkel und spricht das wenig einladende Entree des Friedhofs mit aufgestellten Dixie-Klos und dem „Unterstand aus Holz“ an. (Diese Zeitung berichtete).
Brodesser weiß, dass der Friedhof von vielen als Angstraum wahrgenommen wird. Dabei ist dieser mit seinen über 129.000 Quadratmetern, besonders im Frühling und Sommer, die reinste blühende Oase. Viele fühlen sich dennoch unsicher, weil der Friedhof wenig frequentiert ist. „Man könnte ihn ganz einfach beleben, mit Bänken und Bücherschränken. Alle Bäume auf dem Areal sind Begräbnisstätten und der Bedarf ist riesig. Das hier könnte ein Ort des Lebens und der Erinnerung sein und nicht des Todes. Es ist ein toller, schöner Friedhof, den man mit kleinen Mitteln zu einem Ort der Begegnung umwandeln könnte“.
Der Friedhof ist davon weit entfernt. Im Jahr 2023 wurde die Gebäudewirtschaft der Stadt beauftragt, Möglichkeiten zur Errichtung eines adäquaten Gebäudes für den derzeitigen „Unterstand in Holzbauweise“ zu prüfen. Erste Vorschläge seien wirtschaftlich nicht tragbar gewesen. „Seitdem werden mögliche Alternativen zur Errichtung einer würdevollen Gebäudeform zu annehmbaren Kosten eruiert“, sagt die Stadt. Visionäre Ideen Brodessers, weitere naturbelassene Baumgrabstätten zu schaffen, etwa im Friedenswald an seinen vielen Bäumen, klingen utopisch, denn eine Ausweitung von Friedhofsflächen über die bestehenden Friedhöfe hinaus ist nicht geplant. „Beim Friedenswald handelt es sich nicht um einen Friedhof, daher können dort keine Bestattungen von Toten durchgeführt werden,“ sagt die Stadt.
