Mit der symbolischen Grundsteinlegung wurde das frisch renovierte Vereinsheim gefeiert. Es heißt nicht wegen seiner Form „Vereinsziegel“.
„Vereinsziegel“Mit Sponsoren und Eigeninitiative – Rot-Weiss Zollstock renoviert sein Vereinsheim

Vor dem Eingang zum renovierten „Vereinsziegel“ hatten sich zahlreiche Mitglieder zur feierlichen Neueröffnung versammelt.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Das Vereinsheim des SV Rot-Weiss Zollstock von 1905 ist nicht nur langgestreckt und beinahe viereckig, es heißt nun auch „Vereinsziegel“. Der Name passt auch zur Geschichte des Stadtteils, denn im 19. Jahrhundert wurden hier Ziegel gebrannt. Doch er steht auch für Dauer und Festigkeit, Dieter Wickert, Vorsitzender des Vereins, führte das Bild aus: „Ein Ziegelstein macht nur Sinn, wenn er Teil einer Wand ist, so wie die Mitglieder zusammen den Verein ausmachen, eine Gemeinschaft bilden.“ Eine Gemeinschaft, so Wickert, die zusammen anpackt und etwas auf die Beine stellt.
Etwas wie die umfassende Renovierung des Vereinsheims zum Beispiel, das nach mehrmonatigen Arbeiten mit einem Fest auf dem Rot-Weiss-Gelände am Kalscheuer Weg neu eröffnet wurde. Das Dach wurde tiefer gehängt, der Boden komplett erneuert, die Wände und die Theke wurden neugestaltet. „Früher machten Versammlungen hier keinen Spaß, es war nicht sehr gemütlich, dafür laut, man konnte kaum sein eigenes Wort verstehen“, erzählt der Vorsitzende. „Jetzt haben wir eine ganz andere Akustik und Atmosphäre hier.“ Auch Eltern sollen sich hier wohlfühlen, wenn sie hier bei einem Kaffee oder Kölsch auf ihre Kinder warten, die auf dem Kunstrasenplatz nebenan trainieren.

Die symbolische Grundsteinlegung übernahmen Karl Ettelt (l.) und Werner Plötzner, einer der Sponsoren.
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Der Verein will die Gemeinschaft künftig noch stärker in den Vordergrund stellen und Menschen zum ehrenamtlichen Engagement bei Rot-Weiss motivieren, vor allem jüngere. Wickert, der dem Verein seit 58 Jahren angehört, hat vor fünf Jahren den Vorsitz von Karl Ettelt übernommen, der bereits seit 78 Jahren Mitglied und nun zweiter Vorsitzender ist. „Derzeit haben wir einen fünfköpfigen Vorstand, acht bis zehn Vorstandsmitglieder sollten es aber schon sein“, meint Wickert.

Die Gastronomen Silke und Michael Siegenbruck übernehmen weiterhin die Versorgung mit Limo, Kölsch und „biernahen Speisen“ wie Frikadellen oder Bockwurst. Aber in einem neuen Interieur, das mit Fotos einer alten Ziegelei oder der Hohenzollernbrücke aufgewertet wurde.
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So habe man die Renovierung des Vereinsheims nicht zuletzt wegen der fehlenden personellen Ressourcen ohne Zuschüsse der Stadt, sondern mit Unterstützung von Sponsoren gestemmt. „Anträge bei der Stadt zu stellen, ist unheimlich aufwendig, die Mitglieder des Vorstands konnten das nicht nebenbei übernehmen. Damit hätte sich jemand ausschließlich beschäftigen müssen.“ Andererseits hätten die vielen Unterstützer, die bei der Renovierung auch mit Sach- und Dienstleistungen zur Stelle waren, ja gezeigt, dass der Zusammenhalt im Stadtteil funktioniert. Etwa 80.000 Euro hätte der Verein sonst zahlen müssen.
Schöner Nebeneffekt: Der Mitgliederbeitrag bleibt zunächst unverändert, derzeit sind es 45 Euro pro Quartal für die Fußballer. „Mittelfristig wird der Beitrag aber wohl ansteigen, das ist wegen der allgemeinen Kostensteigerung, etwa bei der Energieversorgung, unvermeidlich“, erklärt der Vorsitzende.
Als Nächstes werden die Umkleiden des Vereins in Zollstock renoviert
Engagement für den SV Rot-Weiss Zollstock ist weiter gefragt, denn nach der Renovierung des Vereinsheims und der Geschäftsstelle sollen bald die Duschen und Umkleiden an der Reihe sein. „Vielleicht installieren wir auch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die einen Teil des Energiebedarfs deckt“, überlegt Dieter Wickert. Man möchte mit der Zeit gehen, eine attraktive, zeitgemäße Umgebung für die Mitglieder bieten.
Denn die Ansprüche sind gestiegen: „Bis 2005 hatten wir noch eine Bretterbude als Vereinsheim, dann erst wurde dieser Bau errichtet“, erinnert sich Karl Ettelt. „Trotzdem haben wir Fußballer wie Hans Schäfer, Dirk Lottner oder Dirk Heinen hervorgebracht.“ Dennoch wäre es ohne Vereinsheim und ohne den Kunstrasenbelag, der endlich im Jahre 2023 verlegt werden konnte, schwierig geworden. „Wir hatten wegen des Aschenbelags nur noch 120, 130 Fußballer, die Kinder und ihre Eltern sind lieber zu anderen Vereinen gegangen“, so Ettelt.
Nun ist der Zulauf wieder da. Neben den rund 350 Vereinsmitgliedern, die sich Sportarten wie Volleyball, Badminton, Tischtennis oder Turnen in verschiedenen Sporthallen widmen, kicken wieder ebenso viele Mitglieder auf dem Platz an der Kalscheuer Straße. Fünf Senioren- sowie elf Kinder- und Jugendmannschaften hat der Verein derzeit, allerdings keine Frauenabteilung. „Anfragen gibt es, aber wir können den Frauen leider keine Duschen oder Umkleiden anbieten“, sagt Wickert. Vielleicht auch ein Projekt für die Zukunft.
