In Köln protestierten etwa 1000 Personen gegen Friedrich Merz' umstrittene Aussagen zu Migranten und betonten die Wichtigkeit von Vielfalt.
„Aussagen sind beschämend“1000 Menschen protestieren in Köln gegen Merz

In Köln wurde gegen die „Stadtbild“-Äußerungen von Friedrich Merz demonstriert.
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Nach den Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu Migranten im Stadtbild hat ein Bündnis unter dem Motto „Wir sind die Töchter – Köln für ein feministisches und buntes Stadtbild“ zu einer Demonstration auf dem Alter Markt am späten Donnerstagnachmittag aufgerufen. Rund 1000 Demonstrierende nahmen teil.

Köln: Menschen nehmen an einer Kundgebung gegen die Aussagen von Bundeskanzler Merz zu Stadtbild und Migration teil.
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„Ich wünsche mir, dass wir alle nicht hier stehen müssen“, sagt Lilith Rein bei der Kundgebung. Sie habe die Demo spontan am Mittwochabend angemeldet. „Doch wir müssen hier stehen, weil unser Bundeskanzler die Würde der Menschen antastet.“ Rein richtet ihre Worte an Merz: „Wir sind die Töchter, Friedrich Merz, und wir lassen uns nicht für Rassismus instrumentalisieren.“ Nicht Migration sei das Problem, sondern Rassismus. „Was Frauen wirklich erleben sind keine migrantischen Männer, sondern patriarchalische Strukturen, die Herr Merz und seine Partei reproduzieren.“

Demonstranten in Köln
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Demonstrantinnen: Aussage ist beschämend
Ulrike von Ascheraden und Anna Grose nehmen am Protest teil. „Merz stellt einen Teil unserer Bevölkerung unter Generalverdacht“, sagt von Ascheraden. „Wir sind eine bunte Einwanderungsgesellschaft, die keinen ausgrenzen sollte“. Sie ist Großmutter eines 16-Jährigen. „Er hat viele Schwarze und arabische Freunde, mit denen er Fußball spielt. Die gehören hierher.“ Grose ergänzt: „Diese Aussage ist beschämend. Ich habe viele Kollegen, die aus anderen Ländern kommen und das ist für die gerade besonders schlimm.“
Rio ist Schwarz und berichtet auf der Bühne, dass er die Stimmung im Land tagtäglich zu spüren bekommt. „Wir werden stigmatisiert und unter Generalverdacht gestellt“, so der Demonstrant. „Dieser Hass hat Konsequenzen, es zerstört Vertrauen und tötet.“ Er zählt einige Namen von Mordopfern rassistischer Gewalt in Hanau im Februar 2020 auf: „Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Gökhan Gültekin.“ Rio appelliert für mehr Solidarität: „Wir brauchen Menschen, die eingreifen, die widersprechen, wenn andere rassistische Erfahrungen machen.“ Solidarität sei kein Gefühl, sondern eine Haltung.
„Wir halten gar nichts von seiner Äußerung. Merz ist nicht in der Position, Töchter für seine rassistischen Aussagen zu benutzen“, sagt Sarah. „Keine Stadt ohne Vielfalt“ steht auf ihrem Demoschild. „Wir sind nicht seine Töchter, wir sind nicht seiner Meinung.“ „Seine Pseudo-Entschuldigung heute hat es nur noch verschlimmert“, so Diana. Merz betonte am Donnerstag bei einem Besuch in London, dass Deutschland einerseits in Zukunft Einwanderung auf dem Arbeitsmarkt brauche. Andererseits benannte er erstmals, wer ihn im Stadtbild störe: Migranten ohne dauerhaftes Aufenthaltsrecht und Arbeit, die sich nicht an die in Deutschland geltenden Regeln halten. „Es gibt den Menschen das Gefühl, dass Migranten nur geduldet sind, wenn sie als Arbeitskraft genutzt werden können. Das ist abscheulich“, sagt die Demonstrantin.

