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Aufschrei der HistorikerDarf eine Schule im ehemaligen Kölner NS-Flughafen einziehen?

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Die frühere Nachrichtenzentrale des Fliegerhorsts Ostheim.

Zugenagelte Türen und Fenster, Putz bröckelt von der Fassade: Die frühere Nachrichtenzentrale des Fliegerhorsts Ostheim.

Der Regionalverband Köln spricht sich für den Erhalt und die Nutzung der ehemaligen Luftnachrichtenzentrale des Fliegerhorsts Ostheim aus – als Schule.

Es wirkt wie ein neuer Trend: Schulplätze sind Mangelware in Köln, also kommt bei leerstehenden Gebäuden immer wieder der Vorschlag, daraus eine Bildungsstätte zu machen. Ob jedoch ein Kriegszeugnis aus der Zeit der Nationalsozialisten dazu taugt, darüber lässt sich streiten. Genau diese Diskussion entflammt aktuell zwischen Denkmalschützern und Historikern.

Der Regionalverband Köln des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege (RVDL) spricht sich für den Erhalt und die Nutzung der ehemaligen Luftnachrichtenzentrale des Fliegerhorsts Ostheim aus. Der RVDL ging sogar soweit, das langgezogene Haus an der Ostmerheimer Straße 30 zum „Denkmal des Monats“ zu erklären. Auf der Liste der Denkmäler der Stadt Köln ist der Bau nicht zu finden.

„Eine Auslöschung durch Abriss vertreibt nicht die Schatten dieser problematischen Vergangenheit.“
Alexander Kierdorf, Vorsitzender des RVDL

Der frühere Fliegerhorst ist heute Heimat der Kliniken Merheim. Ein Jahr nach dem Baubeginn 1936 wurde er der Luftwaffe übergeben. Während des Zweiten Weltkriegs flogen von dort Jagdgeschwader in Richtung Westen. Nach dem Krieg wurde das Gelände demilitarisiert. In den Jahrzehnten danach entstand auf dem Areal ab 1965 auch die sogenannte „Konrad-Adenauer-Siedlung“, das heutige Neubrück. Die Zeit des Nationalsozialismus ist das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte.

Der RVDL sieht gerade deshalb eine Daseinsberechtigung für die Kriegszeugnisse. Der Vorsitzende Alexander Kierdorf: „Eine Auslöschung durch Abriss vertreibt nicht die Schatten dieser problematischen Vergangenheit.“ Er argumentiert, dass bekanntlich auch militärische Objekte unter Denkmalschutz gestellt werden, so wie beispielsweise Zeugnisse der Stadtbefestigung. „Selbst das EL-DE-Haus ist ein Denkmal – trotz seiner düsteren Geschichte vor 1945.“

Aufschrei der Historiker – Nutzung als Schulgebäude sei nicht angebracht

Der Verein schlägt eine Nutzung als Schulgebäude vor. Es folgt ein Aufschrei der Historiker: Martin Sölle und Claudia Wörmann-Adam vom Verein EL-DE-Haus – dem Sitz des NS-Dokumentationszentrums – stellen die Eignung des Bauwerks als Schule in Frage. „Unabhängig von baulichen Kriterien ist es für uns nicht angebracht, in einem Gebäude, das dem militärischen Angriffskrieg gedient hat, eine Schule einzurichten.“

Es gehe darum, nicht nur das Gebäude zu betrachten, sondern auch die Seele des Baus – „Kasernengeist“ – kritisch zu hinterfragen. Das Argument wiederum hält Kierdorf für nicht stichhaltig und kontert, dass das Vorhandensein und die Weiternutzung eines „belasteten“ Gebäudes aus der NS-Zeit von Vorteil sei, weil es unmittelbar eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik bedeute.

Der Verein argumentiert, dass in ganz Köln Schulen früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte problemlos genutzt werden würden, „selbst solche aus der Zeit des Nationalsozialismus.“ Für Ingrid Hege-Wilmschen, Vorsitzende der Werkstatt für Ortsgeschichte in Brück, ist eine Schule keine Option. Die Nutzung der früheren Kaserne als Schule „erscheint uns in einer demokratischen Gesellschaft völlig fehl am Platze“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins.