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Straßenverkehr Fast 1000 verletzte Radfahrer in Köln – Unfallzahlen steigen weiter

Polizisten bei einer Unfallaufnahme: Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Köln 932 Radfahrer bei Unfällen verletzt.

Polizisten bei einer Unfallaufnahme: Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Köln 932 Radfahrer bei Unfällen verletzt.

Köln – Fahrradfahren in Köln ist beliebt, aber gefährlich. Seit Jahren steigt der Anteil des Radverkehrs in der Stadt, und auch die Unfallzahlen gehen nach oben. Mehr als 2000 Radfahrer wurden 2016 im Bereich des Polizeipräsidiums Köln, zu dem auch Leverkusen gehört, bei Verkehrsunfällen verletzt – so viele wie nie zuvor. Vier Radfahrer starben.

Es war eine traurige Bilanz – die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in Köln lag 2016 auf dem höchsten Stand seit 2007. Jetzt droht sich diese negative Entwicklung fortzusetzen. Nach Angaben der Polizei wurden im ersten Halbjahr 2017 bereits 932 Radfahrer auf Kölner und Leverkusener Straßen verletzt (Vorjahr: 912), davon zwei tödlich (Vorjahr: vier).

Fehler beim Abbiegen, Missachtung der Vorfahrt

Die Polizei startete deshalb eine Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Sie kontrollierte an verschiedenen Stellen in der Stadt Radfahrer, ahndete Verstöße gegen die Verkehrsregeln, und schrieb Knöllchen. Auch Auto- und Lkw-Fahrer nehme man in den Fokus, da sie für rund die Hälfte aller Unfälle mit Radfahrern verantwortlich seien, betonte die Behörde. Häufigste Unfallursache seien Fehler beim Abbiegen und Missachtung der Vorfahrt. Derweil würden Radfahrer Unfälle „durch falsche Straßenbenutzung“ verursachen und stünden „auffällig häufig unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen“, so die Polizei.

Die Zahl der Fahrradunfälle in Köln sei definitiv zu hoch und es müsse alles daran gesetzt werden, sie zu senken, erklärte Christoph Schmidt vom Kreisverband Köln des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Jedoch müsse man die Statistik differenziert betrachten. „Wir haben in Köln einen Autoverkehrsanteil von gerade einmal 40 Prozent, und dennoch verursachen Kraftfahrzeuge 87 Prozent aller polizeilich erfassten Unfälle. Dagegen verursachen Radfahrende lediglich 2,5 Prozent der Unfälle, obwohl sie 15 Prozent des gesamten Verkehrs in der Stadt ausmachen.“

Polizei soll mehr gegen Fehlverhalten unternehmen

Dass die Polizei sage, Radfahrer und Kraftfahrer seien in gleichen Teilen für Radunfälle verantwortlich, sei nicht falsch, liege aber daran, dass dabei alle Eigenunfälle von Radfahrern sowie Unfälle zwischen Radfahrern mit einbezogen werden. Auf Basis der amtlichen Statistiken der letzten Jahre hat Schmidt errechnet, dass bei Kollisionen von Fahrrädern und Kraftfahrzeugen in rund zwei Dritteln der Fälle der Kraftfahrer der Verursacher war. „Daher fordern wir, dass die Polizei mehr unternimmt, um das Fehlverhalten von Kraftfahrern zu ahnden.“

Viele Unfälle würden aufgrund der schlechten Infrastruktur in Köln passieren. „Das beginnt bei viel zu engen Radwegen, geht über Sichtbehinderungen durch Werbeträger bis hin zu Stolperfallen, fehlender Räumung von Laub, Eis, Schnee und so weiter.“

Für Verkehrsexperte Dr. Roman Suthold vom ADAC Nordrhein ist die neue Unfallstatistik vor allem eines – „ein Grund mehr, dass alle, wirklich alle Verkehrsteilnehmer mehr Rücksicht aufeinander nehmen sollten. Der Radverkehr in Köln wächst. Wir müssen das Problem in den Griff bekommen. Das geht nur mit mehr Vorsicht und mehr Miteinander“, sagte er der Rundschau.

Sorgen bereitet der Polizei auch der starke Anstieg der Fahrraddiebstähle. Im ersten Halbjahr 2017 wurden in Köln und Leverkusen 4507 Velos geklaut. Das waren 381 mehr als im Vorjahreszeitraum – ein Anstieg um 9,2 Prozent.