Köln – „Ein großes wildes Fest feiern“, „ins Kino gehen“, „meine Oma besuchen“, „Reisen“– Das sind Wünsche, die Passanten auf die rosa Wand vor der „Alten Feuerwache“ geschrieben haben. Mit schwarzem Klebeband steht dort in großen Buchstaben die Frage: „Stell dir vor: Corona ist vorbei, was machst du als Erstes?“ Wer vorbei kommt, kann etwas auf die Wand schreiben. Die Antworten der Autoren sind vielfältig, aber einige Wünsche finden sich immer wieder: „Alle umarmen“, „Knutschen“, „Leute drücken“. Das Bedürfnis nach Nähe und auch nach Ausgelassenheit scheint besonders groß zu sein während der Pandemie. „Party“, „Feiern“ oder „Mal wieder richtig abzappeln in einem Club“ findet sich fast genauso häufig.
Aktion der „Alten Feuerwache“ ist beliebt
Die Aktion der „Alten Feuerwache“ kommt offenbar gut an. „Jeden Morgen, wenn wir kommen, steht etwas Neues da“, erzählt Geschäftsführerin Julia Dill. Die Wand ist inzwischen von oben bis unten vollgeschrieben und bemalt. Einige nicht ganz ernst gemeinte Kommentare finden sich ebenfalls, wie der Wunsch nach „Social Distancing“. Heike Simmer von der „Alten Feuerwache“ berichtet auch von herzerwärmenden Geschichten. Eine ältere Dame hatte aufgeschrieben: „Frühstücken mit meinem Mann.“ Daraufhin erzählte sie den Frauen von der Feuerwache, dass sie mit ihrem Mann sonst regelmäßig durch das Viertel läuft und sie anschließend gemeinsam Frühstücken gehen. Ob alt oder jung, Julia Dill erzählt, dass die Leute auf sie zukommen und sagen, dass sie die Idee gut finden.
Fast nur positive Meldungen
Auffällig ist, dass die Beiträge fast durchgehend positiv sind. Viele, die etwas auf die Wand schreiben, kommentieren die Wünsche anderer. So steht unter „Auf ein Open-Air-Konzert gehen“ der Kommentar: „Das ist schön.“ Den Wunsch „Feiern gehen“ hat jemand mit „aber sowas von“ bestärkt. Andere bestätigen die Aussagen auch einfach durch Herzen oder Smileys. Ein bisschen wie in den digitalen Sozialen Netzwerken. Und Heike Simmer sagt: „Das hat etwas Fantastisches, es ist fast wie eine Begegnung.“
Die beiden Frauen von der Feuerwache freuen sich, wenn sie sich in den Kommentaren wiederfinden . Sie glauben, dass geht auch vielen Menschen so, die an der Wand vorbeigehen. „Das hat etwas Stärkendes“, sagt Heike Simmer.
Weitere Aktionen im Hof
Die Frauen erzählen von weiteren Aktionen, die auf dem Hof der „Alten Feuerwache“ stattfinden. Unter anderem gibt es den „Klub Alone“. Wie der Name verrät, ist das ein Club, in dem Menschen alleine feiern können. Dafür wurde das Pförtnerhaus, das eigentlich als Umkleide für Künstler dient, umfunktioniert. Über eine Telefonnummer können die Leute sich anmelden. Heike Simmer sagt, dass es tatsächlich schon Anrufe gab: „Die meisten Leute rufen aber an und legen lachend wieder auf.“
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Die Idee mit der interaktiven Wand ist über eine weitere Aktion der „Alten Feuerwache“ entstanden. Am Tor hängt eine Box mit einem Fragebogen, den sich Vorbeigehende mitnehmen können. Auf diesem findet sich auch die Frage, die auf die Wand geschrieben ist. Alle Antworten sollen anschließend auf Banner gedruckt und im Hof aufgehängt werden. So will die „Alte Feuerwache“ den Menschen eine Stimme geben und Begegnungen stattfinden lassen.


