Ab dem nächsten Monat kann bei Open-Air-Konzerten nur bargeldlos bezahlt werden – das gilt woanders bereits.
Tanzbrunnen ohne BargeldWo in Köln nur noch per Karte bezahlt wird

Am 9. Mai eröffnen Oliver Niesen und Cat Ballou die Tanzbrunnen-Saison. (Archivbild)
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Ab jetzt nur noch mit Karte: Der Tanzbrunnen schafft mit Beginn der neuen Saison im nächsten Monat das Bargeld ab. Wenn am 9. Mai Cat Ballou zur Eröffnung aufspielen, ist an den Getränkeständen nur noch eine Zahlung per Karte vorgesehen. Generell können bei Open-Air-Konzerten Gäste Getränke und Speisen nur noch bargeldlos bezahlen, heißt es in einer Mitteilung. Die Begründung: schnellere Abläufe, mehr Komfort und auch „ein kleiner Beitrag“ zu mehr Nachhaltigkeit.
Der Trend zur bargeldlosen Bezahlung ist nicht neu. „Es ist heute einfach gängig“, sagt Koelncongress-Chef Ralf Nüsser. Ob beim Bäcker oder im Blumenladen, meist wird heute das Handy oder die Karte gezückt, um zu bezahlen. Vorteil im Tanzbrunnen: Es soll deutlich schneller gehen. Die Wartezeiten an den Bierbuden haben in der Vergangenheit immer wieder für Kritik gesorgt. Beim Jan-Delay-Konzert vor zwei Jahren gab es chaotische Szenen und einen wahren Proteststurm aufgrund der Wartezeiten – die sich bei der Rückgabe der Pfandbecher wiederholten. Der Tanzbrunnen gelobte Besserung; inzwischen hat er das Gelände umgebaut, auch um den Service zu verbessern.
Die Umstellung des Bezahlsystems hat aber noch einen anderen Hintergrund: „Wir haben im vergangenen Jahr viel mit Falschgeld zu tun gehabt“, sagt Nüsser. Gerade im Karneval seien viele im wahrsten Wortsinn „falsche Fuffziger“ aufgelaufen. Auch im Gürzenich, der zu den Veranstaltungssälen von Koelncongress zählt, habe es die Betrugsversuche gegeben. Man habe Prüfgeräte verstärkt eingesetzt und auch bei der Polizei Anzeige erstattet. Dennoch sei ein vierstelliger Schaden entstanden. Es geht also auch um Sicherheit: Die Mitarbeiter an der Theke stehen unter enormem Zeitdruck, sagt Nüsser, da könne schon mal ein falscher Schein untergejubelt werden.
Bargeldlose Zahlung in der Lanxess-Arena: „Nur Vorteile“
Generell dominiert der bargeldlose Zahlungsverkehr immer mehr Bereiche des Handels. Die Lanxess-Arena hat die Bargeldzahlung bereits im August 2025 weitestgehend abgeschafft. Betroffen sind die Gastronomiestände, Bankett- und Clubräume, die Logen, das Backstage-Restaurant, das Restaurant Henkelmännchen sowie alle Garderoben. „Das hat sowohl für uns als auch für die Gäste nur Vorteile“, erklärt Arena-Sprecher Carsten Heling: schnellere Abläufe, kürzere Wartezeiten, bessere Hygiene oder deutlich weniger Aufwand in der Bargeld-Logistik. Bevor das Bargeld abgeschafft wurde, musste beispielsweise an jedem der rund 50 Stände in der Arena ein Teamleiter die Kasse auszählen. Die Rückmeldungen auf den Bargeldverzicht seien weitestgehend positiv, sagt Heling. Vereinzelte Beschwerden habe es – wie erwartet – dennoch gegeben, vor allem in den sozialen Netzwerken. Bei Veranstaltungen mit bargeldaffinerem Publikum gebe es deshalb einzelne Stände in der Arena, die Bargeld akzeptieren. Im Oktober war das etwa beim Konzert von André Rieu der Fall.
Noch früher hat der 1. FC Köln bei Spielen im Rhein-Energie-Stadion auf Kartenzahlung umgestellt – das geschah weitgehend geräuschlos. Seit dem Sommer 2024 ist das Bargeld raus aus dem Bezahlvorgang, das hat nur anfangs für die ein oder andere Irritation gesorgt. „Wir haben sicher davon profitiert, dass das aus der Corona-Zeit gelernt war“, sagt eine Sprecherin des Clubs. Die Kartenzahlung gilt beim Fanartikel-Kauf, am Würstchen-Stand und beim Bierausschank – wo die Umsätze meist beträchtlich sind. Auch bei der Rückgabe der Becher nach dem Abpfiff wird der Pfand mit der Karte verrechnet, das spart Zeit.

Bei der Kartenzahlung inzwischen gängig: verschiedene Angebote, Trinkgeld zu geben.
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In der Gastronomie sind die bargeldlosen Betriebe noch in der Unterzahl. „Meistens sind das eher jüngere Konzepte mit jüngerem Publikum“, sagt Maike Block, Geschäftsführerin der IG Kölner Gastro. Gastronomen könnten sich durch die Entscheidung das Risiko des Bargeld-Diebstahls, aber auch lange Wartezeiten beim Bankbesuch sparen. Wenn ein Lokal sich für diesen Weg entscheide, müsse es aber damit rechnen, bargeldtreue Kunden zu verlieren. „Wichtig ist vor allem, dass die Läden die fehlende Bargeld-Option gut kommunizieren, damit die Kunden davon nicht erst beim Bezahlen erfahren.“ Die Mehrheit der Läden biete weiterhin Bargeld- und Kartenzahlung an. „Wer auf eine der beiden Möglichkeiten verzichtet, tut sich aus unserer Sicht keinen Gefallen“, sagt Block.
Auch weiterhin gibt es Läden, die ausschließlich Bargeld annehmen. Bei jeder Kartenzahlung wird für die Gastronomen eine Gebühr fällig, meist ein Fixbetrag plus eine prozentuale Gebühr. Bei kleinen Bons können die Gebühren die Marge dann schnell auffressen. Um das Problem zu umgehen, bieten manche Gastronomen die Kartenzahlung erst ab einem bestimmten Betrag an. „Ausschließliche Bargeldzahlung wird mit der Zeit verschwinden“, glaubt Block. Auch, weil die Gastronomen feststellen, dass Kunden mit Karte in der Regel bereit sind, mehr Geld auszugeben. Das kann sich dann auch in der Höhe des Trinkgelds widerspiegeln.
Kartenzahlung löst Debatte um Bargeld aus
Auch im Tanzbrunnen trifft die Entscheidung nicht nur auf Zustimmung. Im Netz kritisieren manche den Wegfall von Bargeld. Es gehe um finanzielle Selbstbestimmung und Datenschutz. Wieder andere fühlen sich schlicht ausgeschlossen: Menschen ohne Karte, ältere Besucher oder Personen mit Behinderung sehen sich benachteiligt. Auch praktische Gründe werden genannt – etwa die Sorge, Karten bei Großveranstaltungen zu verlieren oder keinen Überblick über Ausgaben zu behalten. In den Rheinterrassen und im Gürzenich will Koelncongress Zahlungen „cash“ weiter zulassen. Im Karneval sei das Publikum häufig älter und die Zahlung mit Münzen und Scheinen gewohnt.