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Fackelzug für den Festkomitee-PräsidentenSo emotional war die Verabschiedung von Christoph Kuckelkorn

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Christoph Kuckelkorn inmitten der Präsidenten der neun Traditionskorps.

Christoph Kuckelkorn inmitten der Präsidenten der neun Traditionskorps.

„Alaaf und Adschüss“ hieß es am Montag für Christoph Kuckelkorn, der nach der Session sein Amt als Festkomitee-Präsident niederlegt.

Als wäre der Abend für Christoph Kuckelkorn nicht schon emotional genug gewesen, endet seine große Verabschiedungs-Veranstaltung mit einem stimmungsvollen Höhepunkt. Zum Zapfenstreich stehen auf dem Kartäuserwall die Spielmannszüge aller neun Traditionskorps parat. Klanggewaltig ertönt das Dankeschön für 21 Jahre in verantwortlicher Position – „Du bes Kölle“. Gemeinsam mit seiner Frau Katja, seinem Vorstand und den Korps-Präsidenten schreitet Kuckelkorn andächtig an den Musikern entlang, auf der anderen Straßenseite stehen etliche Gäste und erhellen mit Fackeln den Weg.

Die Spielmannszüge aller Traditionskorps erwiesen Kuckelkorn vor dem Sachsenturm die Ehre.

Die Spielmannszüge aller Traditionskorps erwiesen Kuckelkorn vor dem Sachsenturm die Ehre.

Am Ende der Session tritt Christoph Kuckelkorn als Festkomitee-Präsident zurück. Was Kuckelkorn an seinem Abschieds-Abend erwarten würde, war für ihn bis zuletzt ein großes Geheimnis. Im Sachsenturm, der Heimat der Blauen Funken, die wiederum Kuckelkorns karnevalistische Heimat sind, haben sich am Montagabend Wegbegleiter aus dem Karneval und der Stadtgesellschaft eingefunden. Eine knappe Viertelstunde lang richten sich Begleiter, auch aus der Politik mit Videobotschaften an Kuckelkorn. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist unter ihnen, NRW-Minister Nathanael Liminski, Stadtdechant Robert Kleine, Ex-OB Henriette Reker oder die Musiker von Cat Ballou und Ex-Höhner-Sänger Henning Krautmacher, der die Nachrichten mit einem eigenen Abschiedslied für Kuckelkorn unterlegt.

Mer dun uns för dich freue: Zugleiter Marc Michelske präsentierte den Entwurf für den Wagen, auf dem Kuckelkorn an Rosenmontag fahren wird.

Mer dun uns för dich freue: Zugleiter Marc Michelske präsentierte den Entwurf für den Wagen, auf dem Kuckelkorn an Rosenmontag fahren wird.

Kuckelkorns Vorgänger Markus Ritterbach erinnert sich in einer Talkrunde an die Anfänge. 2005 wurde Ritterbach Festkomitee-Präsident und holte Kuckelkorn als Zugleiter in den Vorstand. „Wir waren davon überzeugt, den Karneval zu kennen. Aber eigentlich hatten wir keine Ahnung. Es war ein bisschen wie bei Jugend forscht.“

Auch Oberbürgermeister Torsten Burmester würdigt den ehrenamtlichen Einsatz des scheidenden Präsidenten. Der organisierte Karneval sei eine Wissenslücke gewesen bei seinem Amtsantritt. „Ich habe direkt von den Besten gelernt. Du standest mir mit Rat und Tat zur Seite.“ Die Fußstapfen, die Kuckelkorn hinterlasse, seien „verdammt groß“.

Große Emotionen: Christoph Kuckelkorn mit seiner Frau Katja (rechts) und Festkomitee-Vizepräsidentin Christine Flock.

Große Emotionen: Christoph Kuckelkorn mit seiner Frau Katja (rechts) und Festkomitee-Vizepräsidentin Christine Flock.

Die eindrücklichsten Worte findet Kuckelkorns Vize-Präsident Lutz Schade. „Du hast den Kölner Karneval 21 Jahre lang geprägt. Mit Mut, mit Kraft, mit Herz, Haltung und Humor.“ Als Zugleiter habe Kuckelkorn den Drahtseilakt gemeistert, den Karneval nicht nur zu präsentieren, sondern ihn gleichzeitig zu öffnen, aber auch zu schützen. Als Präsident habe er den Karneval als wichtige gesellschaftliche Stimme weiterentwickelt. „Von dir haben wir gelernt, dass man Traditionen in die Zukunft tragen muss.“ Tradition dürfe nicht zum Klebstoff werden, sondern müsse beweglich bleiben. Das ehrenamtliche Engagement Kuckelkorns sei „ein Geschenk für uns alle“, sagt Schade.

Geschenke gibt es dann auch für den Protagonisten des Abends: den Sonderorden des Festkomitee-Vorstands, einen Eintrag in das goldene Buch des Festkomitees und ein ganz besonderer Wagen, auf dem Kuckelkorn beim Rosenmontagszug durch die Stadt ziehen wird. „Mer dun uns för dich freue“ sagt sein Team darauf mit einem Banner am Haus des Kölner Karnevals am Maarweg, von dem sich Kuckelkorn auf dem Motorrad sitzend verabschiedet, die Wegweiser führen ihn von Melaten bis nach Sao Paulo, der Heimat seiner Frau.

Oberbürgermeister Torsten Burmester würdigte Kuckelkorn in einer Rede.

Oberbürgermeister Torsten Burmester würdigte Kuckelkorn in einer Rede.

Als nach vielen Würdigungen, Umarmungen, Bützjer, Schulterklopfern, Lobes- und Dankeshymnen alles gesagt ist, darf dann auch Kuckelkorn selbst ans Mikrofon. Er hat offenbar genug über sich selbst gehört an diesem Abend, so dass er den Blick auf seine vielen Mitstreiter lenkt. „Es wird heute viel erzählt von Leistung. Aber all das ist keine Einzelleistung“, sagt der Noch-Präsident. Er würdigt all seine Vorstandskollegen, die in den vergangenen Jahren den Karneval mit ihm gestaltet haben, die „eingeschworene Gemeinschaft“ des aktuellen Vorstands, ein „sehr unterschiedliches, aber grandioses Team“. Die Hauptamtlichen im Festkomitee, die er als seine „Wahlfamilie“ bezeichnet, von der das Loslassen nach seinem Abtritt wohl das Schwerste werde. Aber vor allem dankt er seiner Frau Katja. „Für so viele Momente, in denen wir aufeinander verzichten mussten, weil entweder der Beruf oder der Karneval fordert, dafür bin ich dir unendlich dankbar.“

Kuckelkorn und seine Vizepräsidenten Lutz Schade und Christine Flock.

Kuckelkorn und seine Vizepräsidenten Lutz Schade und Christine Flock.

Der Blick richtet sich aber auch in die Zukunft des Festkomitees, an dessen Spitze sich Kuckelkorn zukünftig seinen aktuellen Vize Lutz Schade wünscht. „Ich respektiere den Souverän mit seiner Entscheidung. Aber ich möchte eine Kandidatur deutlich herausstellen. Weil es mir wichtig ist, dass jemand das Zepter weiterführt, der angelernt ist, der weiß, worauf er sich einlässt, und der den wieder sehr stabilen Kurs der letzten Jahre weitergehen kann.“

Die Abschiedstournee durch das symbolische Spalier der Jecken läuft für Kölns Oberjecken bereits seit Wochen – und sie wird ihn auch in den kommenden Tagen terminreich durch die Säle der Stadt führen. Bis Aschermittwoch. Dann schließt sich ein prägendes Kapitel. Für Christoph Kuckelkorn und für den Kölner Karneval.