Kranke Kuscheltiere werden im Teddybärkrankenhaus gemeinsam von Kindern und Medizinstudierenden behandelt.
Wenn Kuscheltiere zu Patienten werden

Beim Teddybär-Krankenhaus auf dem Gelände der Uniklinik Köln kümmern sich angehende Mediziner um die Kuscheltiere der jungen Besucher.
Copyright: Alexander Schwaiger
„Mein Hase Hoppel hatte Krebs und Bauchschmerzen“, erklärt die fünfjährige Stella. Inzwischen geht es ihrem Kuscheltier aber glücklicherweise wieder gut. Versorgt wurde es im Teddybärkrankenhaus der Universität Köln. Dort lernen Kinder spielerisch, wie medizinische Abläufe funktionieren, indem sie ihre mitgebrachten Kuscheltiere behandeln. Unterstützt werden sie dabei von den „Teddy-Docs“, Studierenden der Fachschaften Medizin, Zahnmedizin, Klinische Pflege und Hebammenwissenschaften.
Wie das Teddybärkrankenhaus in Köln Kindern Medizin näherbringt
Seit dem Jahr 2000 organisieren Medizinstudierende bundesweit Teddykrankenhäuser. Die Projekte führen Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren spielerisch an die Medizin heran und sollen ihnen die Angst vor Untersuchungen und Behandlungen nehmen. Seit 2019 ist auch die Uniklinik Köln Teil der Initiative. „Behandelt“ wird auf der Freifläche an der Klinikkirche.
Startpunkt ist die Anmeldung, an der den Kindern ein Teddy-Doc zugewiesen wird. Die erste Station ist das Zelt für Innere Medizin. Dort können die Kinder das Herz ihres Kuscheltiers abhören, Blutdruck messen und mithilfe einer Röntgenröhre spielerisch ein Röntgenbild erstellen. Anschließend geht es ins Chirurgiezelt, wo Verbände angelegt, Pflaster geklebt oder kleine Operationen simuliert werden. Die letzte Station ist die Apotheke. „Dort gibt es eine kleine Belohnung, meistens eine Süßigkeit – einfach dafür, dass die Kinder so toll mitgemacht haben“, erklärt der Medizinstudent Joshua Müller-Gerbes, einer der Leiter der Initiative.
Medizin zum Ausprobieren für Kinder
Die Kinder können an den einzelnen Stationen unter Aufsicht der Studierenden echte Blutdruckmessgeräte, Verbände oder Stethoskope verwenden und an ihren Kuscheltieren ausprobieren. Zum Röntgen werden die flauschigen Patienten allerdings nicht in einen echten Röntgenapparat, sondern in eine rote Stoffröhre gelegt. Danach schauen sich die Kinder – von den Studenten vorbereitete – Bilder gemeinsam mit den Teddy-Docs auf einer Leuchttafel an. Dort sind oft kleine Dinge versteckt, zum Beispiel eine verschluckte Münze oder eine Büroklammer. Diese werden anschließend im Chirurgiezelt durch eine simulierte Operation von den Kindern mit Handschuhen und Maske entfernt.

Kuscheltier Hase wird zum Röntgen in Stoffröhre geschoben.
Copyright: Alexander Schwaiger
Um die 800 Kinder kommen zu den zwei Veranstaltungstagen. Die Nachfrage ist groß. „Mit der Anmeldung musste es letzte Woche ganz schnell gehen“, sagt die Kindergärtnerin Monika Homberg. Auf die Frage, welche Station bei den Kindern ihrer Gruppe am besten angekommen sei, antwortet sie: „Ich glaube grundsätzlich alles. Die Kinder fanden es toll, dass ihre Stofftiere hier untersucht werden.“ Das bestätigt auch Isabella, die ihren Kuschelbär Amira mitgebracht hat: „Mir hat alles Spaß gemacht“, sagt die Fünfjährige.
Engagement für Kinder und erste Praxiserfahrungen
Die Studierenden engagieren sich freiwillig für das Projekt, viele bereits ab dem ersten Semester. Pro Schicht sind etwa 15 Studierende im Einsatz. Joshua Müller-Gerbes, der selbst Kinderarzt werden möchte, beschreibt das Projekt als eine schöne und niedrigschwellige Möglichkeit, mit Kindern in Kontakt zu kommen und spielerisch erste Erfahrungen im medizinischen Umfeld zu sammeln. Hannah Biermann studiert klinische Pflege und ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Sie betont, dass sich nicht nur angehende Kinderärzte oder Kinderpfleger an dem Projekt beteiligen: „Viele von uns stehen noch am Anfang des Studiums und wissen noch nicht, in welche Richtung es gehen soll. Ich glaube einfach, dass wir alle Kinder mögen und ihnen hier eine schöne Freude bereiten möchten.“

Die Studenten Joschua Müller-Gerbes und Hannah Biermann im Teddybär-Krankenhaus an der Uniklinik
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Die Studenten tragen die typische Kleidung aus ihrem medizinischen Arbeitsbereich. „Die Kinder sollen merken, dass das alles auch nur Menschen sind und dass ein Krankenhaus vielleicht gar nicht so schlimm ist, wie sie es sich vorgestellt haben“, sagt Joshua Müller-Gerbes.
Leo ist sechs Jahre alt und hat manchmal Angst vor dem Arztbesuch, vor allem vor Spritzen. Ihm haben die einzelnen Stationen jedoch Spaß gemacht, und nun habe er, da er wisse, wie alles funktioniert, „ein bisschen weniger“ Angst. Die fünfjährige Jess hat allerdings ohnehin keine Angst vor Spritzen. „Weil man danach Gummibärchen kriegt“, sagt das Mädchen stolz. Wie im Teddybärkrankenhaus.