Viel Licht, aber auch Schatten gibt es bei den neuen Zahlen für den Tourismus in Köln. Wir geben einen Überblick über die Lage – von Geschäftsreisen über Tagestouren bis hin zur Hotel-Situation.
Tourismuszahlen 2022Weniger Ballermann und mehr Kultur in Köln

Die Tourismus-Zahlen in Köln haben sich wieder berappelt.
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Ein bisschen klang es wie ein Mantra. „Der Tourismus ist zurück in Köln“, betonten Kölntourismus-Chef Jürgen Amann und Aufsichtsratsvorsitzender Max Derichsweiler unisono. Und es liegt ja auch Wahrheit in dem kurzen Satz: Auf etwa 85 Prozent haben sich die Zahlen für Ankünfte und Übernachtungen gegenüber der Zeit vor Corona wieder berappelt. Nicht schlecht angesichts der Unsicherheiten im ersten Halbjahr, als kaum noch jemand wusste, wie die aktuellen Corona-Bestimmungen gerade aussehen. Damit steht Köln vor anderen Städten wie Berlin, Hamburg oder Frankfurt, allein München spielt in einer anderen Liga. Aber auch wenn Köln mit einem „blauen Auge“ (Amann) durch die Krisen durchgekommen ist, es gab einschneidende Veränderungen, auf die reagiert werden muss.
Klassische Geschäftsreisen
Mal eben für eine Stunde zu Ford oder Rewe für ein Meeting – das hat weitgehend ausgedient, darüber sind sich eigentlich alle einig. Hier gab es die deutlichsten Einbrüche und im Nachhinein die schwächste Erholung. „Das ist ein Bereich, der wahrscheinlich nicht mehr wiederkommt, jedenfalls nicht in alter Stärke. Dafür war der Lerneffekt während Corona zu groß“, sagt Amann. Ein Grund zur Sorge sei dies aber nicht, betont er. Denn auch wenn die Geschäftsreisen „eigentlich der wichtigere Teil des Tourismus“ seien, ausbauen könne man ihn auf einem anderen Feld.

Grafik zum Tourismus in Köln
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Die promotablen Reisen
Als promotable Reisen gelten etwa Messebesuche, Konventions, Tagungen. Und hier gibt es durchaus wieder ordentlich Bewegung. Die Menschen kommen wieder in größerer Zahl zusammen, treffen sich in Präsenz. Eine interne Untersuchung ergab, dass sich solche Formate eben nur sehr unvollständig digital abbilden lassen. „Teilweise gab es sogar Engpässe“, berichtet Amann. Manches Event konnte gar nicht durchgeführt werden, weil die Kapazitäten fehlten. Große Hoffnungen setzt man auch bei Kölntourismus auf die neue Confex-Halle der Messe: „Ein Lückenfüller der Extraklasse, der uns in die Champions-League katapultieren wird“, ist sich Amann sicher. Schwierig aber: Die Planungsphasen wurden extrem verkürzt. Wo man bislang mit Monaten oder sogar Jahren Vorlauf rechnen konnte, sind es jetzt oft nur noch wenige Wochen oder gar Tage. Und zwar in allen Bereichen.
Der Tagestourismus
Hier gab es den mit Abstand größten Zuwachs. Mehr Interesse aus den „Nahmärkten“, Benelux beispielsweise oder Frankreich. Vor allem aber Gäste aus Deutschland, die im letzten Jahr den ganz überwiegenden Teil der Gäste ausmachten. Das war in der Vergangenheit nicht so. „Unsere Nachbarn haben sich wieder entdeckt“, sagt Amann. Er führt dies unter anderem zurück auf die Recovery-Kampagne von Kölntourismus, die die besonderen Stärken der Stadt bewusst hervorhebt. „Von allem ein bisschen wie früher funktioniert nicht mehr.“ Vor allem das Kulturangebot werde massiv unterschätzt.
Der Fernmarkt
Hier sah es noch ein bisschen düster aus, was vor allem mit dem Ausbleiben vieler Gäste aus den ehemaligen GUS-Staaten und aus China zu tun hat. Kurz zusammengefasst: Krieg und Corona. Ein Lichtblick sind die Amerikaner, die aber weniger wegen der Kultur als wegen hier ansässiger Unternehmen wie Fedex oder UPS kämen. Doch auch hier sieht man durchaus Potenzial nach oben. Obwohl es Städtereisen schwerer hätten als beispielsweise die Alpen oder das Meer, habe das Reiseziel Köln nichts an Attraktivität eingebüßt. Ein wenig überrascht waren selbst die Experten vom Zuwachs aus Großbritannien. „Wir können feststellen, dass sich der Brexit längst nicht so verheerend ausgewirkt hat wie befürchtet“, sagt Amann.
Die Hotel-Situation
Obwohl es einige Hotellerien nicht geschafft haben Corona zu überleben, sieht es insgesamt gesehen hier gut aus. Es gibt sogar mehr Hotels als 2019, und es gibt weitere Interessenten. Allerdings weniger im „klassischen“ Bereich als vielmehr bei neuen Konzepten wie dem Urban Loft am Eigelstein oder den Koncept-Hotels. Etwas nebulös sprach Amann von „Gerüchten“, ein drittes Fünf-Sterne-Hotel wolle sich neben dem Excelsior Hotel Ernst und dem künftigen Domhotel in der City ansiedeln. „Wenn das so käme, wäre das eine Ergänzung und keine Konkurrenz für die bestehenden. Bedarf gibt es hier mehr als Angebote.“
Der Ausblick
„Ein wenig wie Mallorca“, sagt Amann. Weg von Ballermann und Junggesellen-Abschieden – „auch wenn das nicht von heute auf morgen geht“ – und hin zu einem hochwertigen, auch höherpreisigen Tourismus-Angebot. „Die mittleren Preislagen haben alle zu kämpfen, egal ob im Handel oder im Tourismus. Was zieht, sind Premium-Angebote.“ Vor allem mit Alleinstellungsmerkmal, und hier gelte es die klassischen Stärken Kölns hervorzuheben: Kultur, gelebte Vielfalt und Lebensgefühl etwa. Auch der Medizin-Tourismus spielt keine unerhebliche Rolle.
Dazu werden neue Kampagnen entwickelt, die vor allem zwei Zielgruppen im Visier haben: Eine engagierte, souveräne Bildungselite (im Fachjargon „postmateriell“ genannt) und ambitionierte, kreative und in der Regel jüngere Menschen („die expeditive Zielgruppe“). Was aber nicht bedeute, betonte Amann mehrfach, dass man alle anderen außen vor lassen werde.
Fakt und Fiktion
69 Prozent Anteil an den Gesamtübernachtungen hatten Gäste aus Deutschland. Die Niederlande folgen mit 4,2 Prozent auf Platz zwei , drei Prozent kamen aus Großbritannien. Die USA folgen knapp darauf mit 2,9 Prozent. Mit 35 905 angebotenen Hotelbetten liegt die Anzahl 5,5 Prozent über der von 2019. Ein hybrides Magazin „K wie Köln“ wird digital über Social Media und analog als Beilage in überregionalen Zeitungen gestreut und soll die avisierten Zielgruppen für Köln interessieren. (two)
