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Interview

Ute Lemper in Köln
„Köln ist eine Stadt, die mich inspiriert hat“

5 min
Bei „Disney in Concert“ singt Lemper die Lieder von Arielle und Esmeralda.

Bei „Disney in Concert“ singt Lemper die Lieder von Arielle und Esmeralda.

Ute Lemper war 1989 die deutsche Gesangsstimme der Disney-Figur „Arielle“.

 Für das Jubiläumsjahr von „Disney in Concert“ tritt Ute Lemper in der Kölner Arena am 29. Oktober auf. Lemper spricht mit Stephan Eppinger über ihre Beziehung zur Disney-Welt und über den politischen Wandel in ihrer Wahlheimat USA.

Welche Beziehung haben Sie zu Walt Disney und seiner Welt?

Vor 35 Jahren habe ich noch zu Zeiten des Kalten Krieges in den Rias-Studios in Berlin Arielle der Meerjungfrau im gleichnamigen Film, meine Stimme geliehen. Das habe ich mit viel Herz und Seele getan. Die Reaktion war damals überwältigend, die Menschen haben Arielle und ihren Film wirklich sehr geliebt. Und so kam es, dass ich in den 90er Jahren noch einmal ins Studio gegangen bin, um Esmeralda in „Der Glöckner von Notre-Dame“ meine Stimme zu leihen. Für mich war das damals ein Ausflug in eine ganz andere Welt. Das, was ich sonst gesungen habe, war ernst und oft auch etwas düster. Das war bei den kommerziellen Disney-Filmen komplett anders. Persönlich bin ich als Kind der 60er und 70er Jahre natürlich auch mit den Geschichten von Walt Disney aufgewachsen, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Später habe ich diese Welt dann durch meine Kinder wieder für mich entdeckt.

Die Künstlerin lebt in ihrer Wahlheimat New York.

Die Künstlerin lebt in ihrer Wahlheimat New York.

Und jetzt bringen Sie diese Musik auf die große Bühne der Kölner Lanxess-Arena?

Das ist schon unglaublich, dass ich nun Jahrzehnte später diese Lieder in so einem Rahmen wieder singen und zu den Menschen bringen kann. Da bin ich schon etwas nervös. Ich habe es oft bei meinen Konzerten erlebt, dass sich die Menschen alte Disney-Platten oder VHS-Kassetten von mir signieren lassen. Oft wurde ich auch schon gefragt, ob ich diese Lieder noch einmal singen kann. Mit dieser Musik hat eine ganze Generation ihre Kindheit verbracht und genau die werde ich jetzt bei den Disney-Konzerten wiedersehen. Auf dem Programm stehen dann die Lieder von Arielle und Esmeralda. Es wird aber auch noch ein paar Überraschungen geben.

Wie gut kennen Sie Köln?

Ich war in den 80ern und 90ern bei großen Konzerten immer wieder in Köln und bin auch später noch an Orten wie der Philharmonie oder dem WDR-Funkhaus aufgetreten. Als Münsteraner Gymnasiastin habe ich zudem zwei komplette Sommer bei der Tanzakademie in Köln verbracht und dabei die Stadt gut kennengelernt, bevor es dann nach dem Abitur für mich an die Schauspielschule nach Wien ging. Ich habe von damals viele positive Erinnerungen an Köln. Das war eine sehr animierende und pulsierende Kulturstadt, die mir viel geboten und die mich sehr inspiriert hat.

Zuletzt waren Sie in Köln zu Gast, um einen Bildband zu Marlene Dietrich vorzustellen.

Das ergab sich aus einem dreistündigen Telefonat mit Marlene Dietrich in Paris im Jahr 1988. Sie war eine Persönlichkeit, die mich als Künstlerin damals sehr geprägt hat und der ich auch mein aktuelles Programm „Rendezvous mit Marlene“ gewidmet habe. Sie hatte eine sehr komplizierte persönliche Geschichte und der Satz „Die wollen mich ja nicht zurück“ ist mir bis heute in Erinnerung geblieben. Marlene war ein von Deutschland sehr geprägter Mensch, der mit preußischer Disziplin aufgewachsen ist und der von der Kultur der Weimarer Republik beeinflusst wurde. Später hat sie in den USA ihre große Karriere gemacht und hat ihr Land unter den Nazis verlassen, weil sie nicht deren großer Filmstar sein mochte. Im Zweiten Weltkrieg war sie als US-Soldatin 18 Monate ununterbrochen an der Front und wurde deshalb nach dem Krieg von den Deutschen lange als Vaterlandsverräterin beschimpft. Sie war eine enorm emanzipierte Frau und eine einzigartige Künstlerin. In meinem Programm blicke ich aber auf den Mensch Marlene, die mit ihrer in sich zerrissenen Geschichte zurechtkommen muss.

Sie leben in New York. Wie erleben Sie dort die aktuelle Situation in der von Trump regierten USA?

New York ist nicht die USA. Das ist eine kleine Insel an der Ostküste, auf der man unbeeinträchtigt von der Staatspolitik Trumps seinen Alltag verbringen kann. Das ist eine historisch gewachsene Stadt, die ihre Identität den vielen Immigranten verdankt, die im Lauf der Zeit dort ihre Heimat gefunden haben. Und die New Yorker werden laut, wenn Dinge passieren, die ihnen so nicht passen. Davor hat Trump großen Respekt, weil er in seiner Heimatstadt nicht denunziert werden will. Daher hält er sich bei New York auch zurück. Natürlich bereiten mir seine militanten Maßnahmen im Rest der USA große Sorge. Aber ich werde mich nicht von ihm verjagen lassen und meine schulpflichtigen Kinder dem Trauma aussetzen, dass sie plötzlich ihre Koffer packen und in ein anderes Land ziehen müssen. In dieser kulturell vibrierenden Stadt New York sind sie in ihrem Nest gut aufgehoben und bekommen eine Erziehung, die sie kritisch auf das, was in den USA und der Welt passiert, blicken lässt.

Was fühlen Sie, wenn sie auf Deutschland und seine politische Entwicklung blicken?

Das, was da jetzt an rechtsextremen Populismus in Deutschland passiert, ist eine Bewegung, die es in vielen europäischen Ländern wie auch Frankreich oder Österreich bereits seit Jahrzehnten gibt. Das macht mein Marlene-Programm noch wesentlicher und wichtiger denn je. Es ist nicht zu fassen, wie das Rad der Geschichte wieder die alten rechten Parolen aus der Tiefe der Geschichte hervorholt. Eigentlich ist die Geschichte ja ein guter Lehrer. Schade ist nur, dass dieser keine Schüler findet.