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Vom Chemiker zum Vizechef der Kölner FeuerwehrVolker Ruster geht in den Ruhestand

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Volker Ruster lehnt sich an ein Motorrad.

Abfahrt in den Ruhestand: Volker Ruster liebt das Motorradfahren.

Der Einsturz des Stadtarchivs war der größte und vielleicht auch der dramatischste Einsatz in der Feuerwehrlaufbahn von Volker Ruster.

Die Stille hat sich als beklemmende Erinnerung im Gedächtnis von Dr. Volker Ruster (62) festgesetzt. Wo sonst Großstadtleben herrschte, war jetzt nur noch Zerstörung. Etwa eine halbe Minute habe er damals, am 3. März 2009, den riesigen Schuttberg angestarrt, wo einst das Kölner Stadtarchiv stand. „In meinem Kopf gab es keine vergleichbaren Bilder. Ich dachte, was machst du jetzt? Dann läuft fast mechanisch das ab, was man jahrelang gelernt hat“, erinnert sich Ruster, der an diesem Tag als Oberbeamter des Alarmdienstes eingeteilt war.

Der Einsturz des Stadtarchivs war der größte und vielleicht auch der dramatischste Einsatz in der Feuerwehrlaufbahn von Volker Ruster. Als Chemiker begann 1996 seine Karriere bei der Kölner Berufsfeuerwehr, Mit dem Ende dieses Monats wird er als Leitender Branddirektor und stellvertretender Leiter der Kölner Feuerwehr in den Ruhestand gehen. „Rückblickend muss ich feststellen, dass ich Vieles richtig gemacht habe“, stellt er zufrieden fest. Sein Ziel sei diese Leitungsfunktion aber nie gewesen. „Ich bin eher der Typ für die zweite oder dritte Reihe“, meint Ruster, den sie bei der Feuerwehr jahrelang scherzhaft den „Berufsjugendlichen“ nannten. „Aber jetzt bin ich der Älteste in dem Laden hier“, sagt er und lächelt.

Dabei war die Feuerwehr anfangs eher eine Notlösung als ein Traumjob für Volker Ruster. Nach dem Chemiestudium habe es in den Nachwehen des Golfkriegs Anfang der 1990er Jahre in der Industrie kaum Jobs gegeben, also bewarb sich Ruster bei der Feuerwehr. In Dortmund absolvierte er die Grundausbildung, in Hamburg sein Referendariat. „Das war anfangs nicht immer leicht, denn in manchen Feuerwehren gab es schon eine starke Bundeswehr-Mentalität“, erzählt er. Und der Befehlston ist nicht seine Sprache. „Heute bekomme ich als Echo zu hören, dass ich gut mit den Menschen bei der Feuerwehr umgegangen bin“, sagt er.

Volker Ruster hat den Rettungsdienst neu aufgebaut

Die Chemie muss stimmen, das galt ab 2009 dann auch endlich beruflich für Ruster. Er war am Aufbau der Analytischen Task Force (ATF) zur Abwendung chemischer und biologischer Gefahren beteiligt, bis heute leitet er die Einheit. Im Jahr 2000 hatte Ruster gemeinsam mit Professor Alexander Lechleuthner den Rettungsdienst neu aufgebaut, als erste Amtshandlung durfte er 1996 einen 100 Seiten umfassenden Brandschutzbedarfsplan aufstellen. „Es ging vor allem darum, Ziele zu definieren und Kürzungen beim Personal zu vermeiden“, erinnert er sich. Das Ziel wurde damals erreicht, am Ende erhielt die Feuerwehr 31 zusätzliche Stellen.

„Ich habe Chemie studiert, weil ich etwas für die Umwelt tun wollte“, erzählt Ruster. Reagenzgläser und Bunsenbrenner hat er bei der Feuerwehr nie in der Hand gehalten, sein Büro in der Zentrale in Weidenpesch zierte jahrelang ein Poster der Metal-Band Tankard, auf dem ein schelmisch grinsender Chemiker im Kittel sein eigenes Bier braut. „Chemical Invasion“ lautet die Überschrift. Die Wache in Weidenpesch war stets das berufliche Zuhause von Ruster. Während der Sanierung zog er mit der Führungsriege der Feuerwehr in die Boltensternstraße um. Zwischenzeitlich war er für die Personalführung der Wachen in Ehrenfeld, Weidenpesch, Weiden und Chorweiler verantwortlich.

Auch sein Sohn ist Feuerwehrmann geworden

Wenn Volker Ruster heute durch Köln läuft, springt ein innerer Radar an. „An jeder Ecke erinnere ich mich an Einsätze“, erzählt er. Gerne erinnert er sich an die Vorbereitungen des Weltjugendtags 2005 und der Fußball-WM 2006. „Es herrschte eine besondere Arbeitsatmosphäre. Wir haben es damals geschafft, in der Stadtverwaltung als Einheit aufzutreten“, lobt er. Drei Kinder hat Ruster, sein Sohn arbeitet inzwischen bei der Feuerwehr in Bonn.

Für Ruster hat bereits der Abbau sehr vieler Überstunden begonnen. Die Zeit nutzt er für Fahrten auf seinem Motorrad, die Rallyeversion eines Toyota Yaris steht in seiner Garage. Auch Fahrten im Wildwasserkajak gehören zu seinen Hobbys. Aber so ganz möchte Ruster die Feuerwehr noch nicht hinter sich lassen. Bei der Freiwilligen Feuerwehr will er die Analytische Task Force noch weiter unterstützen, denn da ist erst mit 65 Jahren die Altersgrenze erreicht.

Denn eines hat Volker Ruster in den vergangenen 27 Jahren verinnerlicht: „Feuerwehr. Das ist mehr als ein Job.“