Abo

„Voll ausgelastet“RS-Virus fordert Kölner Kinderkliniken

3 min
Ein Kind liegt in einem Krankenbett.

Atemwegsinfektionen haben bei Kindern in den letzten Wochen wieder zugenommen und führen zu vermehrten stationären Aufnahmen.

Die Anzahl der Kinder, die wegen einer Infektion mit RS-Viren stationär aufgenommen werden müssen, hat in den vergangenen Wochen zugenommen.

Husten, Schnupfen, schwere Atmung - was für die meisten ein lästiger bis unangenehmer Atemwegsinfekt ist, kann für die Allerkleinsten gefährlich werden. Seit Oktober beobachten Mediziner auch in Köln einen Anstieg von Infektionen durch das RS-Virus. Vor allem Neugeborene und Säuglinge erkranken bei RSV-Infektionen oft an einer sogenannten Bronchiolitis, bei der die unteren Atemwege betroffen sind.

Bei dem drei Monate alten Karl (Name geändert) fing es mit einer laufenden Nase an. Drei Tage später trank er nicht mehr, seine Mutter stellte eine pfeifende Atmung fest. „Der Kinderarzt hat uns direkt in die Notaufnahme geschickt“, erzählt seine Mutter. „Ich muss gestehen, dass ich vorher nie vom RS-Virus gehört hatte.“ In der Kinderklinik bekam Karl Sauerstoff durch einen Schlauch in der Nase, alle drei Stunden musste er inhalieren. „Die Ärzte haben mir oft gesagt, dass sich der Zustand gerade bei den Kleinsten schnell verschlechtern kann. Für mich war das der Horror.“

Mehr Sauerstoffanschlüsse installiert

Die pädiatrischen Allgemeinstationen des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße seien bereits jetzt voll ausgelastet, sagt der ärztliche Direktor, Professor Michael Weiß. „Zur Vorbereitung auf den hohen Bedarf an Sauerstoffplätzen wurden die Patientenzimmer in diesem Herbst mit speziellen Sauerstoffanschlüssen ausgerüstet und damit die Behandlungskapazitäten für Atemwegsinfektionen erweitert.“ Akut erkrankte Kinder mit Atemwegsinfektionen würden in diesen Wochen auch gehäuft auf Stationen mit anderen fachlichen Schwerpunkten aufgenommen, um die gesamte Bettenkapazität im Kinderkrankenhaus für die notwendigen Behandlungen der überwiegend sehr jungen Patienten zu nutzen, so Weiß. „Infektionen durch das Influenzavirus oder SARS-CoV-2 spielen im Kinderkrankenhaus zurzeit keine große Rolle.“

Über die Weihnachtstage hat sich die Situation etwas beruhigt. Die Auslastung der Bettenkapazitäten lag aber über mehrere Wochen am Limit, sodass wir externe Anfragen ablehnen mussten.
Professor Klaus Kabino, Geschäftsführer Krankenhaus Porz am Rhein

Auch in der Kinderklinik Porz liege seit November eine besonders hohe Auslastung vor, die für das gesamte Personal eine große Herausforderung darstelle, sagt Professor Klaus Kabino, Geschäftsführer des Krankenhauses Porz am Rhein. Auch hier handele es sich bei den stationären Aufnahmen insbesondere um Säuglinge und Kleinkinder mit Atemwegsinfektionen. „Über die Weihnachtstage hat sich die Situation etwas beruhigt. Die Auslastung der Bettenkapazitäten lag aber über mehrere Wochen am Limit, sodass wir externe Anfragen ablehnen mussten“, sagt Kabino.

Durch die Ferienzeit und der damit einhergehenden Unterbrechung der Infektionskette gebe es aktuell eine leichte Entlastung des Systems. „Anschließend dürfte es aber wahrscheinlich wieder zu einer Zunahme der Infektionen kommen“, so Professor Kabino. Karl konnte noch vor den Weihnachtsfeiertagen entlassen werden. „Dass er wieder gesund ist, ist für uns das größte Geschenk“, sagt seine Mutter.  


Fast 1.100 Videosprechstunden im Kindernotdienst

Seit dem 2. Dezember beraten knapp 30 Ärztinnen und Ärzte aus dem Rheinland jeweils mittwochs, feiertags sowie am Wochenende Eltern erkrankter Kinder auch am Telefon. Das Angebot der KV Nordrhein will so die Kinderarzt- und Notdienstpraxen entlasten.

Insgesamt sind laut KVNO bisher rund 1.100 Videosprechstunden durchgeführt worden. Insbesondere an den Weihnachtstagen sei der Bedarf nach einer telemedizinischen Erstkonsultation hoch gewesen: Vom 23. bis zum 26. Dezember meldeten sich fast 600 Eltern über die Nummer 116 117 oder die Homepage der KV Nordrhein, um sich per Videotelefonie beraten zu lassen. Der telefonische Arztbesuch wird über die Krankenkassen abgerechnet.

Fast der Hälfte von ihnen konnte dabei geholfen werden, sodass keine Notdienstpraxis zur weiteren Behandlung aufgesucht werden musste. Das telemedizinische Zusatzangebot der KV Nordrhein läuft noch bis zum 31. Januar 2024.

www.kvno.de/kinder