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Von Köln nach CannesNaomi Cosma: „Fühlte mich durch Wenders Unterstützung sicherer“

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Naomi Cosma (l.) , Wim Wenders und Regisseurin Katharina Rivilis beim diesjährigen Filmfestival in Cannes.

Naomi Cosma (l.) , Wim Wenders und Regisseurin Katharina Rivilis beim diesjährigen Internationalen Filmfestival in Cannes.

Naomi Cosma aus Köln spielt die Hauptrolle in „I'll be gone in June“. Der Film spielt in New Mexico in den USA, als die Anschläge in New York am 11. September 2001 passierten. Ein Gespräch.

Kaum ist die junge Austauschschülerin Franny aus Deutschland in Las Cruces in New Mexico angekommen, krachen 3500 Kilometer weiter weg in New York Flugzeuge in die Zwillingstürme. Der Film „I’ll be gone in June“ von der Regisseurin Katharina Rivilis handelt davon, wie der Terroranschlag vom 11. September 2001 die Kleinstadt tief verunsichert. Die Hauptrolle in dem Coming-of-Age-Drama, das beim Filmfestival in Cannes gezeigt wurde, spielt Naomi Cosma aus Köln. 

„Im Film werden die schockierenden Originalaufnahmen von dem Tag gezeigt. Das zu sehen, war für mich sehr bewegend und gleichzeitig schwer auszuhalten“, erzählt Cosma beim Treffen in einem Café an der Aachener Straße in Köln. „Eine Figur zu spielen, die mit diesem Geschehen konfrontiert wird und davon erschüttert ist, hat in mir eine echte Trauer ausgelöst. Auch die Verschwörungstheorien, die im Film auftauchen, fand ich sehr krass.“

Cosma hat einen ernsten Blick, spricht mit Bedacht und scheint selbst noch darüber verwundert, bei der Weltpremiere von „I’ll be gone in June“ in Cannes über den roten Teppich gelaufen zu sein. Unter anderem an der Seite von Wim Wenders, der einer der Produzenten von Rivilis Regiedebüt ist.

Treffen mit Schauspielnachwuchstalent Naomi Cosma im Bauturm-Café an der Aachener Straße. Cosma kommt aus Dortmund, lebt in Köln und war im Mai in Cannes, wo der Coming-of-Age Film „I'll be gone in June“ (Regie: Katharina Vilis), produziert von Wim Wenders, vorgestellt wurde.

Treffen mit Schauspielnachwuchstalent Naomi Cosma im Bauturm-Café an der Aachener Straße. Cosma kommt aus Dortmund, lebt in Köln und war im Mai in Cannes, wo der Coming-of-Age Film „I'll be gone in June“ (Regie: Katharina Vilis), produziert von Wim Wenders, vorgestellt wurde.

Wim Wenders unterstützte Naomi Cosma in Cannes

Die Begegnung mit der deutschen Filmikone war für Cosma sehr aufschlussreich. „Ich begegnete Wim Wenders nach den Dreharbeiten öfter. Beim Filmfestival in Cannes war es für mich eine große Unterstützung, ihn an meiner Seite zu wissen, und gleichzeitig eine große Ehre, von jemandem wie ihm begleitet zu werden. Ich habe mich dadurch in einer für mich sehr aufregenden Situation stückweit sicherer gefühlt.“

Cosma (25) selbst war ein Baby, als Terroristen die Anschläge in den USA verübten. Die bedrohliche Stimmung, die Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Menschen hat, bildet im Film jedoch die Kulisse für die aufgewühlte Gefühlswelt einer 16-Jährigen: Franny erlebt einen Kulturschock – eigentlich wollte sie in die Metropole und nicht aufs Land –, einsame Nächte, aber auch eine prägende Begegnung mit dem Jungen Elliot. Der Film liefert atmosphärische, melancholische Bilder.

Eine Besonderheit: Das Projekt wurde mit Laienschauspielern umgesetzt. Auch Naomi Cosma hatte davor noch keinerlei Schauspielerfahrung, geschweige denn eine entsprechende Ausbildung. Die Rolle war Cosmas erster Schritt in die Schauspielwelt, und sie möchte den Weg weitergehen. Auch ohne Schauspielausbildung, von der auch Wim Wenders ihr abgeraten habe: Er habe befürchtet, ihr gewisses Extra könnte durch Kurse und Curricula verloren gehen. 

Cosma kam zufällig zum Schauspiel

Wie die Regisseurin auf Cosma aufmerksam wurde? „Sie hat mich 2019 zum ersten Mal kontaktiert, weil sie ein Foto von mir gesehen hatte, das mein Exfreund aufgenommen hatte. Das Bild war in einem Poesie-Magazin in Mexiko veröffentlicht worden. Katharina Rivilis dachte zunächst, das Foto sei älter – ungefähr aus den 1990er-Jahren – und verwendete es als Moodboard (eine Art Vorlage, Anm. d. Red.) für die Figur Franny.“

Später fand sie heraus, dass Cosma nicht aus New Mexico oder Mexiko kam, sondern aus Deutschland, und hat Cosma über Facebook gefunden. „Erst habe ich die Anfrage abgelehnt. Warum ich? Fragte ich mich.“ Über die Jahre versuchte es die Regisseurin immer wieder. Cosma war unsicher. „Ich konnte mir erst nicht vorstellen, nach New Mexico zu fliegen. Sie weiß schließlich gar nicht, ob ich schauspielen kann. Eine interessante Optik sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, ob jemand spielen kann.“

Doch Cosma entpuppte sich als Schauspieltalent und fühlte sich wohl vor der Kamera. Außerdem war der Zeitpunkt passend, berufliche Pläne gab es noch nicht. „Vor der Rolle habe ich in Dortmund ein eher ruhiges Leben geführt. Ich war mit der Schule beschäftigt, habe versucht, mein Abitur nachzuholen, und hatte eigentlich noch gar keine konkreten Vorstellungen davon, wohin mein Weg einmal führen würde.“

2000 Menschen hatte Rivilis da bereits für die Rolle gecastet. Nach ein paar Castingtagen bekam Cosma die Zusage. „Zuerst hatte ich furchtbar Angst. Was sehen die in mir, was ich selbst nicht sehe? Die Geschichte spielt in einer anderen Zeit und begleitet eine junge Figur, die in eine neue Welt kommt. Ich konnte mich am Set gut in diese Situation hineinfinden. Vor allem habe ich dort große Freude am Schauspiel gefunden. Ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, etwas gefunden zu haben, für das ich brenne.“

Naomi Cosma: Glamour in Cannes versus ruhiger Alltag in Köln

Die Regisseurin setzte viel auf Improvisation. „Konkrete Dialoge wurden uns oft erst kurz vor dem Dreh erklärt. Katharina Rivilis sagte: ‚Macht es in euren eigenen Worten.‘ Das war für mich sehr wertvoll, weil wir uns die Szenen dadurch zu eigen machen konnten.“

In der Wüste New Mexicos war an das Blitzlichtgewitter in Cannes über zwei Jahre später noch nicht zu denken. Cosma befand sich gerade im Griechenland-Urlaub mit der Oma, als die Nachricht kam. „Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Es fühlte sich völlig absurd an, zumal ich die fertige Fassung des Films selbst noch nicht gesehen hatte. Dann habe ich mit den anderen Schauspielenden aus New Mexico telefoniert. Wir konnten alle kaum glauben, dass der Film tatsächlich beim Internationalen Filmfestival in Cannes gezeigt werden würde – und vor allem, dass wir uns dadurch alle wiedersehen konnten.“ 

Den Glamour von Cannes war Cosma so gar nicht gewohnt. „Ich bin zweimal über den roten Teppich gelaufen, wurde zu exklusiven Dinnern eingeladen. Ich hatte einen Stylisten, habe Schmuck mit echten Diamanten getragen. Das war eine neue und teilweise surreale Welt für mich“, sagt Cosma. „Gleichzeitig bin ich froh, jetzt wieder in mein ruhigeres Leben in Köln zurückzukehren. Ich glaube, genau diesen Gegensatz brauche ich – diese besondere, aufregende Welt für einen Moment zu erleben und danach wieder in meinen Alltag zurückzukehren.“ 

„I'll be gone in June“ wird auf dem Filmfest Hamburg, das vom 24. September bis zum 3. Oktober geht, gezeigt. Der Kinostart ist für 2027 geplant.