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VorfälleDeutliche Kritik an Shells Informationspolitik

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Das Krisenmanagement des Unternehmens wurde auch schon überprüft. (Foto: Belibasakis)

Köln – Die Kritik an der Informationspolitik der Rheinland-Raffinerie von Shell in Godorf und Wesseling nach dem Bericht von Landesumweltminister Johannes Remmel im Umweltausschuss des Landtages am Mittwoch reißt nicht ab.

Nach seiner Ankündigung, das Sicherheitskonzept bei Shell nach einer Serie von Pannen umfassend überprüfen zu lassen (wir hatten berichtet), forderte die Kölner SPD-Landtagsabgeordnete Ingrid Hack (Bezirk Rodenkirchen) mehr „Transparenz“ von Shell. Andernfalls drohe nach der Serie von Unfällen und Leckagen ein „nachhaltiger Verlust von Akzeptanz“ für die Chemie in der Region. Misstrauen und Unsicherheit in der Bevölkerung seien verständlich. Das Betreiben eines Nachbarschaftsnetzwerks allein reiche nicht aus, sagte sie der Rundschau. Auch der Ausfall der Telefon-Hotline am Tag des Großbrands im Januar sei „völlig inakzeptabel“. Hack: „So etwas muss auf jeder Baustelle laufen und hätte die Situation aus Sicht der Nachbarn und Anwohner sicher deutlich entschärft.“

Wie die Rundschau bei der Bezirksregierung (BR) erfuhr, liegen, den Toluol-Tank-Brand eingerechnet, seit Ende 2012 drei Ereignisse vor, die nach der Störfallverordnung meldepflichtig waren. So etwa eine Verpuffung mit zwei Schwerverletzten Ende 2013, ein Austritt von Benzol sowie eine Reihe nicht meldepflichtiger Pannen wie etwa der Austritt von Schwefel am 11. Dezember, der der Feuerwehr durch Anrufe von Anwohnern bekannt wurde.

Bereits damals hatten Experten vom TÜV Süd ein Gutachten für die Landesregierung erstellt, nachdem durch mehrere Lecks im Rohrleitungssystem bei Shell etwa 850 Tonnen Kerosin ins Erdreich gesickert waren. In diesem stellten sie fest, dass ein Großteil der Leitungen, durch die wassergefährdende Stoffe geleitet werden, korrosionsbedingt zu beanstanden war.

Einige wurden seither ausgetauscht, andere teilweise saniert. „Das Gutachten vom TÜV-Süd hatte die Überprüfung von rund 19 000 unter- und oberirdischen Rohrleitungen zum Gegenstand“, erklärt Oliver Moritz, Sprecher bei der BR. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen und Maßnahmen habe Shell „priorisierend“ umzusetzen, nach dem Motto: Das für die Sicherheit Dringlichste genießt Vorrang. Moritz: „Der mit uns abgestimmte Plan soll bis Mitte 2017 umgesetzt sein.“ Shell gab an, bislang seien rund drei Kilometer Leitungen erneuert worden.

Nachdem der ordnungsbehördliche Fokus bis dato auf der Sicherheit der Anlage selbst lag – es ergingen zahlreiche Ordnungsverfügungen der BR gegen Shell – strebt diese nun eine umfassende Prüfung des Sicherheitsmanagements und der internen Betriebsabläufe in Krisenfällen bei der Raffinerie an. Kritik an der Kommunikation von Shell äußerte auch die Feuerwehr: „Es gibt Chemiebetriebe in Köln, die aus Zwischenfällen in der Vergangenheit gelernt haben und entsprechend sorgsam mit ihren Nachbarn umgehen und sie rechtzeitig informieren“, sagte ein Sprecher. Derzeit laufe der Dialog mit der Werksfeuerwehr, um Möglichkeiten der Verbesserung im Meldeverfahren auszuloten.