Köln – 2028, vielleicht auch 2029: Das ist nun offiziell der Zeithorizont für die Sanierung des sogenannten Gleiswechselbauwerks in über 20 Meter Tiefe unter dem Waidmarkt in der Südstadt. Die in einer Arbeitsgemeinschaft (Arge) zusammengeschlossen Baufirmen stellten am gestrigen Montag den Sanierungsplan für das Bauwerk in über 20 Meter Tiefe vor.
Geht er auf, würden 25 Jahre nach Baubeginn der Nord-Süd-Stadtbahntrasse erstmals Züge diese Passage befahren können. Vor elf Jahren führten schwere Baumängel an dem Gleiswechselbauwerk zum Einsturz des benachbarten Kölner Stadtarchives. Allerdings gibt es bei dem Sanierungsverfahren noch viele Unwägbarkeiten. Diplom-Ingenieur Dirk Höllermann, Geschäftsführer der Arge: „Was wir hier machen, ist meines Wissens nach weltweit ein Novum.“
Wie passiert zurzeit an der Baustelle?
Nach der außergerichtlichen Einigung mit der Stadt Köln (siehe Kasten) hatte die Arge bereits im vergangenen November die Arbeiten am Waidmarkt wieder aufgenommen. Allerdings, von Sanierung des Gleiswechselbauwerks kann noch keine Rede sein. Es laufen Vorbereitungen für die Sanierung. Die haben im Wesentlichen zwei Ziele: Ein rund 40 Meter hoher Kran wird aus Schweden angeliefert. Er kommt am östlichen Rand der Baugrube zu stehen.
Über ihn wird Arbeitsmaterial nach unten gereicht und ein Großteil des Füllmaterials aus der Grube nach oben gezogen. Wichtig für die Südstädter: Die Baugrube wird mit einem Deckel abgeschlossen. Unter ihm wird weiter gearbeitet. Dieser Deckel wird später der Untergrund des „neuen Waidmarktes“. Für diese beiden Ziele muss noch einiges geleistet werden. Die Vorbereitungen sollen erst in rund einem Jahr abgeschlossen sein.
Was finden die Sanierer unter der Erde vor?
Sehr vereinfacht gesagt befindet sich in zehn bis 27 Meter Tiefe ein zweigeschossiges Bauwerk unter dem Waidmarkt. Durch das tiefere, erste Geschoss werden durch zwei Röhren die Bahnen fahren. Die Bodenplatte dieses Geschosses in 27 Meter Tiefe existiert noch nicht. Fertig ist hingegen die Zwischendecke in 17 Meter Tiefe. Sie ist zugleich die Bodenplatte für das zweite Geschoss, das ein Technikraum werden soll. Er bietet Platz für die Steuertechnik des Gleiswechselbauwerks.
Abgeschlossen wird das zweite Geschoss durch einen massiven Betondeckel in zehn Meter Tiefe. In das untere Geschoss wurde seinerzeit schon etwas Füllmaterial und Kies eingebracht. Beides sollte stabilisieren. Weil beim Herstellen der Seitenwand vor 2009 Fehler passierten (siehe Kasten), wurden zudem Kies und Sand eingespült. Infolge dessen stürzte das benachbarte Archiv ein. Die Grube wurde mit Beton verfüllt und stabilisiert. Dieses ganze Gemisch muss nun raus.
Wie wird die Sanierung durchgeführt?
Eine ganz wesentliche Veränderung des Bauverfahrens: Vor dem Archiveinsturz wurde im Trockenen gearbeitet. Das Grundwasser wurde dafür hinter die Betonwände gedrängt. Nun werden die Füllmaterialien zum großen Teil unter Wasser von Tauchern nach oben geholt. Auch neu zu bauende Betonelemente werden unter Wasser gegossen. Das weitere Vorgehen: Die Baufirmen setzen nach und nach Stahlstangen zwischen die Wände der Baugrube. Dadurch können schrittweise die Betonplatten der Geschosse entfernt werden.
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Durch die Zwischenräume der Stangen werden Füllmaterialien aus dem Untergeschoss nach oben gebracht. Kies und Sand können abgesaugt werden. Der Beton wird mit Wasserkraft gesprengt und in Netzen nach oben gezogen. Die Decken- und Bodenplatten können nun neu gegossen werden. Die Stangen kommen raus. Ab 30 Meter Tiefe werden Pfähle ins Erdreich getrieben. Darauf kommt die Bodenplatte des Untergeschosses.
Wie viel Material muss rausgeholt werden?
Arge-Geschäftsführer Höllermann spricht allein von 5000 Kubikmeter Kies und Sand. Dazu kommen rund 2000 Kubikmeter Beton. Doch das ist noch nicht alles. Damals wurden schon Stahletonelemente fertiggestellt, die nun wieder raus müssen. Deren Bewehrungsstahl muss von den Bauarbeitern unter Wasser zersägt werden.
Für die Bauarbeiten befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks Geräte in der Grube. Höllermann weiß von einem kleineren Bagger und einem Radlader sowie Betoniermaschinen. An welcher Stelle sie zu finden sind, weiß er nicht. Wie aufwändig ihre Bergung werden wird, ist noch nicht absehbar.



