Wie steht Köln zu Humor und Lachen? Zum Welttag des Lachens sind wir der Frage nachgegangen.
Komiker, Karneval, KopfschüttelnWarum Köln Deutschlands Lach-Hauptstadt ist

Der Sitzungspräsident Volker Weininger
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Dass Lachen einfach schön ist, weiß jeder. Lachen ist aber auch gesund: Es senkt den Spiegel der Stresshormone, stärkt die Abwehrkräfte, Endorphine und Serotonin werden freigesetzt, und Gehirn und Körper werden mehr Sauerstoff zugeführt. Am ersten Sonntag im Mai ist der Welttag des Lachens – wir sind aus diesem Anlass der Frage nachgegangen: Wie ist Kölns Verhältnis zum Lachen? Kleiner Spoiler: sehr eng.
Die hohe Komiker-Dichte

Bastian Pastewka und Anke Engelke in ihren Rollen als Wolfgang und Anneliese Funzfichler (Archiv)
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Steile, aber absolut zu haltende These: In Köln gibt es so viele lustige Menschen wie in keiner anderen deutschen Stadt. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie doch mal auf diese Namen: Anke Engelke, Bastian Pastewka, Annette Frier, Jürgen Becker, Carolin Kebekus, Wilfried Schmickler, Teddy Teclebrhan, Lutz van der Horst, Mirja Boes, Martin Klempnow, Oliver Pocher. Das Großartige an dieser Liste ist: Man muss (oder kann) ja gar nicht jeden der Aufgezählten gleich lustig finden, aber irgendwer dürfte für jeden Humor-Geschmack dabei sein.
Nicht weniger hoch ist die Dichte an Autoren, die in Köln schreiben – hier nur zwei von ihnen: Moritz Netenjakob schrieb nicht nur den verfilmten Bestseller Macho Man, mit Dietmar Jacobs sorgte er für das Musical „Himmel und Kölle“. Jacobs wiederum ist Autor für die Mitternachtsspitzen, entwickelte die Sitcom „Das Amt“ mit Jochen Busse und ist als Drehbuchautor an Formaten wie „Die Camper“, „Merz gegen Merz“ oder „Stromberg“ beteiligt.
Die Lachende Kölnarena

Die Klüngelköpp mit ihrem Frontmann Frank Reudenbach bei der Lachenden Kölnarena
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In Köln gibt es sogar eine Veranstaltung, die das Lachen im Namen trägt. Es gibt sie seit 1965, zuerst hieß sie Lachende Sporthalle, seit dem Umzug 1999 in die Lanxess-Arena läuft das Format unter Lachende Kölnarena. Das Prinzip: Jeder kommt – natürlich! – kostümiert, darf seine eigene Verpflegung mitbringen, und dann wird sechs Stunden lang zur Musik der angesagtesten (Karnevals-)Bands durchgeschunkelt, -gesungen, -getanzt – und gelacht. 15 Termine gab es in der jüngsten Session, Karten sind heiß begehrt. Der Kartenvorverkauf für 2027 (2. Januar bis 7. Februar) läuft.
Das Köln Comedy Festival

Till Reiners, gebürtiger Niederrheiner, auf der Bühne bei der Comedy-Nacht XXL (Archiv)
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Was Cannes in Sachen Film oder Montreux beim Jazz ist, ist Köln beim Humor: Schon seit 1991 gibt es das Internationale Köln Comedy Festival, seit 1997 wird in dessen Rahmen auch der Deutsche Comedy-Preis verliehen. Es gilt als Deutschlands größtes Comedy-Festival mit mehr als 150 Shows mit zahlreichen Künstlern in rund 30 Locations in der Stadt. Einer der Höhepunkte ist seit Jahren die „1Live Köln-Comedy-Nacht XXL” in der Lanxess-Arena, die als Europas größte Comedy-Mixshow gilt.
Lachen im Fernsehen

Jochen Busse (M, sitzend) und sein „7 Tage - 7 Köpfe“-Team (l-r): Kalle Pohl, Bernd Stelter, Oliver Welke, Gaby Köster und Mike Krüger in Köln (Archiv)
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Es gibt viele Städte, in denen Fernsehsender beheimatet sind, aber nur eine, in der so viel Humor aufgezeichnet und gesendet wurde und wird. Vor allem am Appelhofplatz, in Ossendorf oder an der Kölner Stadtgrenze in Hürth-Efferen entstanden so manche Quoten-Hits. Zum Beispiel diese: „RTL-Samstag Nacht“ (1993-1998), „Sieben Tage, sieben Köpfe” mit Rudi Carell (1996-2005), „Die Wochenshow“ (1996-2004), „TV total“, „Die Carolin Kebekus Show“, „Heute Show“, „Mitternachtsspitzen“, „Ladies Night“ oder „Genial daneben“. Selbst einen Waschsalon sah Komiker Knacki Deuser 2001 als geeignet ein, um Stand-up-Comedy vor Publikum zu senden: „Night Wash”. Heutige Stars wie Mario Barth absolvierten dort ihre ersten Auftritte.
Der Karneval

So sieht Glück aus: In der Session 2024/2025 fahren Jungfrau Marlis (Hendrik Ermen) und Bauer Michael (Michael Samm) im Rosenmontagszug.
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Die vielzitierte fünfte Jahreszeit könnte man auch als die lebenslustigste Jahreszeit bezeichnen. Den einen macht der Kneipenkarneval glücklich, der andere liebt die Auftritte vom Sitzungspräsidenten, wieder andere leben praktisch auf Rosenmontag hin und stören sich kein bisschen daran, dass sie danach vor lauter „Kamelle!“-Rufen keine Stimme mehr haben. Karneval, das kann auf vielen Ebenen und an vielen Orten die pure Glückseligkeit sein. Nicht wenige Künstler in der Bütt wurden auch bundesweit zu Stars, wie Bernd Stelter oder Guido Cantz, der die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ neu belebte. Andere sind bis heute unvergessen: Hans Süper, Kölns wohl größter Clown, der mit Hans Zimmermann das legendäre Colonia-Duett bildete.
Köln an und für sich

Bei Konzerten in der Philharmonie wird der Heinrich-Böll-Platz gesperrt, weil sich die Geräusche der Passanten in den Konzertsaal übertragen – von 1999 bis Ende 2024 hat das insgesamt mehr als vier Millionen Euro gekostet.
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Die ewige Opern-Baustelle, eine fulminant fehlgeplante Olympia-Auszählung, der Heinrich-Böll-Platz über der Philharmonie, der während Konzerten bewacht werden muss, ein Hubschrauberhangar auf instabilem Kalkberg-Untergrund: Köln hat, anders kann man das nicht deuten, ein wahnsinnig großzügiges Wesen und schenkt durch allerlei Kopfschüttelaktionen auch Menschen weit jenseits der Stadtgrenzen immer wieder bereitwillig Lacher.