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„Was kommt, das kommt“Zu Besuch bei der ältesten Kölnerin

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Elisabeth Streubesand feierte im Januar ihren 105. Geburtstag.

Köln – „Der Arzt war ein netter Kerl“, erinnert sich Elisabeth Steubesand. Am 8. Februar dieses Jahres war sie die erste, die im Impfzentrum in der Messe eine Spritze gegen das Coronavirus erhielt. Dass ausgerechnet sie es war, hat einen guten Grund: Elisabeth Steubesand ist 105. Sie gilt als älteste Kölnerin. Ihr munterer Auftritt ging bundesweit durch die Medien. Jetzt besuchte die Rundschau sie wieder.

Sehr aufrecht und kerzengrade sitzt die Seniorin im schweren Ohrensessel in der Bibliothek der Residenz am Dom. „Mir geht es gut. Ich bin dankbar für jeden Tag“, sagt sie fröhlich. Im April ist sie aus ihrer Privatwohnung hierhin gezogen. Eigentlich wäre sie lieber alleine wohnen geblieben. Doch das ging nicht mehr. „Das Laufen ist beschwerlich“, sagt sie nüchtern. Sie sieht und hört schlecht. Aber sonst ist sie  kerngesund.  Sie nimmt kein einziges Medikament. „Mir tut überhaupt nix weh. Ich war nie krank, ich habe mein ganzes Leben lang nicht krank im Bett gelegen.“

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Dass sie sich so schnell wie möglich gegen Covid impfen lassen wollte, war für Elisabeth Steubesand keine Frage. „Ich habe mir eine Meinung gebildet und ich bin sehr froh, dass ich geimpft bin“, sagt sie. Inzwischen ist sie das längst zum dritten Mal. „Das muss sein. Ich habe kein Verständnis für Menschen, die die Coronaimpfung ablehnen.“

Mit großer Gelassenheit durchs Leben

Elisabeth Steubesand wählt ihre Worte präzise: „Ich war immer eine selbstständige Person.“ Mit 14 Jahren startete ihre kaufmännische Ausbildung im jüdischen Kaufhaus Landauer in Köln. Jahrzehnte als Chefsekretärin folgten. Dass sie ihren Vorgesetzten eine wertvolle Stütze war, glaubt man sofort. „Sehr, sehr viel Arbeit“ ist nichts, was die gebürtige Brühlerin schreckt.

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Mit Ordnungssinn, Überblick, Selbstständigkeit und einer großen Gelassenheit ist sie gut durch ihr Leben gekommen. Ein Leben, das am 13. Januar 1916 startete und zwei Weltkriege  überdauert hat. „Es war schlimm im Zweiten Weltkrieg“, stellt sie lakonisch fest. Viel mehr Worte will  Elisabeth Steubesand darüber nicht machen. „Man hat das überstanden. Es war halt so.“

Lieber schaut sie auf das Schöne − ihre „charakterstarken“ Eltern, die Ehe mit ihrem „guten Mann“, die Harmonie und den Zusammenhalt in der Familie mit der Tochter, den zwei Enkeln und zwei Urenkeln. Dass sie ihre Tochter 1944 im Schutzkeller des Krankenhauses zur Welt brachte während die Bomben fielen, erwähnt der Enkel, nicht die Seniorin selbst. „Ich hatte ein sehr schönes Leben“, findet sie.

„Was kommt das kommt“

Auch Corona nimmt Elisabeth Steubesand recht gelassen. „Ich habe viele Veränderungen in meinem Leben erlebt. Aber auf die Idee, eine Pandemie zu erleben, kommt man nicht – bis sie da ist“, sagt sie. Aus ihrer Lebensdevise sprechen Erfahrung und Weisheit: „Was kommt, das kommt, ob Sie sich darüber ärgern oder nicht.“

Allerdings: Dass Corona dem Karneval einen Strich durch die Rechnung macht, kann ihr nicht gefallen. Schließlich ist sie seit Jahrzehnten Mitglied der Kölnischen Karnevalsgesellschaft (KKG). Zusammen mit ihrem Mann Georg, der seit langem verstorben ist, war sie bei vielen Rosenmontagszügen und Sitzungen.

Ein ziemlich besonderes Jahr

2021 war für Elisabeth Steubesand trotz reichlicher Lebenserfahrung beileibe kein Jahr wie jedes andere. So oft wie in diesem Jahr stand die Seniorin noch nie im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Am 13. Januar wurde es offiziell: Zu ihrem Geburtstag erhielt Elisabeth Steubesand eine Mitteilung der Stadt, dass sie nun mit 105 Jahren die älteste Kölnerin sei.

Am 8. Februar war die älteste Kölnerin die erste, die im neu eröffneten Corona-Impfzentrum an der Messe öffentlichkeitswirksam den Astrazeneca-Piks gegen Corona erhielt. Sogar der Spiegel druckte ihr Foto ab. Das Medieninteresse schüchterte die alte Dame nicht im Geringsten ein. Kurzerhand griff sie das Mikrofon eines Reporters und plauderte munter darüber, wie wichtig das Impfen sei.

Im April zog die 105-Jährige aus ihrer Privatwohnung in die Residenz am Dom. Ein Schritt, der ihr nicht leichtfiel.

Im Mai erfolgte ein ungewöhnliches Geburtstagsgeschenk. Die Familie der Jubilarin stiftete für sie eine eigene Bank direkt am Decksteiner Weiher. Die Einweihung war mit der ganzen Familie war wieder ein kleines Medienereignis. Auf der Bank prangt das rheinische Lebensmotto von Elisabeth Steubesand: „Immer noch: Jede Daag geneeße“.

Im September gab Elisabeth Steubesand – wie immer in den vielen vergangenen Jahren – höchstpersönlich ihre Stimme im Wahllokal ab. Das gehört zu ihren Prinzipien. „Noch nie habe ich eine Wahl versäumt. Und ich wähle immer dieselbe Partei“, ist zu erfahren. Welche, das bleibt ihr Geheimnis.

Auf die Frage nach guten Vorsätzen für 2022 schüttelt Elisabeth Steubesand energisch den Kopf: „Da bin ich zu alt zu.“ Aber es gibt durchaus Dinge, an denen sie sich freuen kann.  „Ein schöner Sauerbraten und alles, was Hand und Fuß hat.“ Zum Ende des Besuchs zitiert sie ein Geburtstagsgedicht, dass sie vor rund 50 Jahren geschrieben hat. Ein Satz daraus bleibt haften: „Zwischen Furcht und Hoffnung schweben – so ist das Leben.“