Köln – Wer kein Freund von Menschenmassen ist, für den galt schon vor Corona ganz besonders: Gehe niemals an einem Samstag in die Kölner Innenstadt. Und natürlich erst recht nicht am ersten verkaufsoffenen Samstag nach der monatelangen coronabedingten Schließung der Geschäfte entlang der zentralen Einkaufspassagen. Doch wer gegen 12.30 Uhr vom Neumarkt die Schildergasse hochblickte, sah keine proppenvolle, sondern allenfalls eine recht belebte Einkaufsstraße. Entsprechend verhalten fiel auch das Fazit der Branche aus (siehe Infokasten).
Wer keinen Termin hatte, musste weitergehen
„Für einen Samstag ist es doch deutlich angenehmer als gedacht“, waren sich auch Roby und seine Frau Tanja einig. Seit der Vorweihnachtszeit war das Paar nicht mehr in der Stadt gewesen, auf dem Einkaufszettel hatten sie vor allem Winterklamotten stehen – wegen der Rabatte, aber auch, weil einige Stücke dringend gebraucht wurden. Unsicher habe man sich während des Shoppens zu keiner Zeit gefühlt, den Sicherheitsabstand habe man überall problemlos einhalten könne. „Vor allem in den Geschäften selbst ist kaum etwas los“, so Tanja. Logisch. Um hereinzukommen, musste man vorher über „Click & Meet“ einen Termin buchen. Eingelassen wurde ein Kunde pro 40 Quadratmeter Fläche.

Abstand halten war möglich, erforderte aber auf den belebten Einkaufsstraßen Disziplin – und die brachte nicht jeder Schnäppchenjäger auf.
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Dementsprechend bildeten sich vor einigen Läden lange Menschenschlangen. Beim Modegeschäft Zara etwa waren, wie ein Security-Mitarbeiter verkündete, sämtliche Termine für den Tag ausgebucht. Wer sich dort anstellte, wurde sofort von Mitarbeitern kontrolliert und zum Weitergehen aufgefordert, wenn er keinen Termin hatte. Lisa und Lotte hatten sich vorab registriert und durften folgerichtig geduldig auf Einlass warten.
Viele Termine nicht wahrgenommen
Von „geteilten Rückmeldungen“ als Fazit der ersten Woche nach dem Lockdown berichtet das Stadtmarketing Köln. Einerseits ist man froh, dass es die Öffnungen für die Branche gibt, man erkenne an den Warteschlangen „die Sehnsucht der Kunden, wieder in die Innenstadt zu kommen und vor Ort einzukaufen“, so Geschäftsführerin Annett Polster. „Andererseits können verhältnismäßig wenige Menschen durch die Corona-Auflagen die Läden betreten.
Das „Click & Meet“-Konzept sei zwar ein erster Schritt, aber „sicher keine Ideallösung“. Laut Polster wurden bis zu 60 Prozent der angemeldeten Termine nicht wahrgenommen. Die Kosten für den Aufwand stünden in keinem Verhältnis zu den Einnahmen.
Auch für die Mitarbeiter, „die damit wieder in den Berufsalltag einsteigen und die Motivation bekommen, am Geschäftsleben teilzunehmen“, sei die Öffnung wichtig, so Polster. Die große Angst im Handel und bei den Mitarbeitern bestehe darin, „dass es keine Planungssicherheit gibt, welche Szenarien eintreten, wenn die Inzidenzzahlen wieder steigen“. (roe)
Schon am Montag hätten sie ihre Shoppingtour akribisch geplant und Zeitfenster bei zahlreichen Geschäften gebucht, erzählen sie. Auf der Einkaufsliste standen vor allem Dinge für „das eigene Wohlbefinden“: Schuhe, Klamotten und ein wenig Deko. „Wir haben uns so lange zurückgehalten, jetzt wollten wir einfach mal ein wenig bummeln gehen. Mit den Sicherheitsvorkehrungen geht das unserer Meinung auch total in Ordnung“, waren sie sich einig.

Satte Rabatte, volle Einkaufstüten, Markierungen, Abstandsregeln und ein Hauch von Straßenunterhaltung. Der Einzelhandel ist nach dem 2. Lockdown wieder zurück.
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Ganz spontan sind dagegen Uwe und seine Frau aus Remscheid in die Kölner City gekommen. Sie hatten keine Termine vorab gebucht, kamen aber trotzdem in einige Geschäfte rein, die nicht „ausgebucht“ waren. Hier konnte man sich vor Ort für den Einlass registrieren. Es sei wichtig, nun auch die kleineren Händler zu unterstützen, so Uwe. „Die gibt es doch sonst in ein paar Monaten nicht mehr. Bei uns in der Heimat ist die Stadt jetzt schon nahezu leer.“
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Dass der Ansturm auf die Geschäfte geringer ausfiel als erwartet, könnte auch mit dem sehr wechselhaften Wetter zu tun haben. Denn bei Wind, Hagel und Regen konnte man, anders als sonst, nicht mal kurz ins Trockene flüchten.


