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WM-ÜbertragungStadt Köln will Public Viewing für späte Spiele nicht genehmigen

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Fans schauen das Spiel gegen die Elfenbeinküste im Biergarten am Aachener Weiher.

Fans schauen das Spiel gegen die Elfenbeinküste im Biergarten am Aachener Weiher.

Die Stadt hat bislang nur die Übertragung von Spielen im Außenbereich genehmigt, die zwischen 6 und 22 Uhr beginnen.

Nach der Gruppenphase kommen die späten WM-Spiele: Die deutsche Mannschaft durfte beim Turnier in den USA, Kanada und Mexiko einmal um 19 Uhr antreten und zwei Mal um 22 Uhr unserer Zeit. In der K.o.-Phase beginnt die Partie am kommenden Montag um 22.30 Uhr, im Achtelfinale ginge es erst um 23 Uhr los. Das ist ein Problem für die Wirte und Veranstalter in der Stadt. Eine noch weitergehende Ausnahmegenehmigung will die Stadt nicht erteilen.

Bislang war es für Kölner Kneipiers kein Problem, die Spiele der deutschen Nationalmannschaft auch im Biergarten zu übertragen, da diese spätestens vor Mitternacht beendet waren. „Am vergangenen Samstag war es hier wunderbar“, sagt Detlef Weisweiler, Chef der Ubierschänke in der Südstadt. Nach dem Siegtor von Deniz Undav gegen die Elfenbeinküste und dem folgenden Abpfiff beendete der Wirt den Betrieb auf der Außenterrasse. „Einige sind nach Hause gegangen, wer noch bleiben wollte, musste reingehen.“

Kölner Wirte: Genehmigung nur für Spiele bis Anpfiff 22 Uhr

Doch die erste Partie der K.-o.-Phase ist am kommenden Montag, 29. Juni, für 22.30 Uhr angesetzt. Das Spiel würde bis kurz vor 0.30 dauern, bei einer Verlängerung und Elfmeterschießen bis 1 Uhr oder später. Im Achtelfinalspiel am Samstag, 4. Juli, müsste die deutsche Elf um 23 Uhr unserer Zeit auflaufen, die Partie könnte bis 1.30 Uhr dauern. „Bislang haben wir nur die Genehmigung für Spiele, die bis 22 Uhr angepfiffen werden“, sagt Josef Rayes, der den Biergarten am Aachener Weiher betreibt.

Am vergangenen Samstag war sein Lokal regelrecht überrannt worden. „Die ersten Fans waren bereits fünf Stunden vor Anpfiff da.“ Mit 900 Gästen sei der Biergarten an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. „Dennoch standen die Leute Schlange. Wir haben sie aufgefordert zu gehen, weil sie keine Chance mehr auf einen Einlass hatten“, so Rayes weiter. Der Gastronom hoffte am Wochenanfang auf eine Ausnahmegenehmigung für das Montagsspiel ab 22.30 Uhr, da er auch dann mit einem Besucherandrang rechnet.

Es wäre fatal, wenn die Menschen das Spiel nicht schauen könnten.
Micki Pick, Veranstalter

Doch diesen Ball wollte die Stadt Köln nicht aufnehmen. Im April hatte das Landesministerium für Umwelt darüber informiert, dass die Kommunen bei der gesetzlichen Nachtruhe Ausnahmen zulassen können, sodass Veranstalter wie Wirte auch noch WM-Spiele zeigen dürfen, die über 24 Uhr hinaus stattfinden. Die Erfahrungen in Bezug auf Fußball-Europa- und ‑Weltmeisterschaften hätten gezeigt, dass „sowohl die durchgeführten Public-Viewing-Veranstaltungen als auch die erweiterte Nutzung der Außengastronomie gemeinsame freundschaftliche Begegnungen ermöglicht haben und eine große Akzeptanz bei den Anwohnern gegeben war“, heißt es in dem Schreiben an die Gemeinden, Städte und Kreise.

Stadt Köln: Nachtruhe hat Vorrang

Auf Anfrage unserer Redaktion stellte das Umweltministerium NRW klar: „Wir freuen uns im Sinne der Fußballfans, wenn Kommunen von den möglichen Ausnahmen bei der Fußballweltmeisterschaft Gebrauch machen.“ Mit dem Erlass sei „das gemeinsame Erleben der Spiele einer Fußballweltmeisterschaft“ möglich gemacht worden. Selbstverständlich müssten Anwohnerinteressen berücksichtigt werden. Die Stadt verweist auf ihre Regelung vom 4. Mai. Darin hatte sie erklärt, dass alle WM-Spiele, die zwischen 6 und 22 Uhr angepfiffen werden, ohne zusätzliche Genehmigung innerhalb der Außengastronomiefläche übertragen werden dürfen.

Ein Stadtsprecher erklärte auf Anfrage unserer Redaktion: „Die Stadt Köln ist bei ihrer Abwägung zum Ergebnis gekommen, dass für Spiele, die nach 22 Uhr angepfiffen werden, das persönliche Recht auf Nachtruhe dem öffentlichen Interesse überwiegt.“ Das könnte auch Konsequenzen haben für Micki Pick, der im Open-Air-Kino im Rheinauhafen die Spiele überträgt. Die Karten für die ersten drei Spiele waren im Handumdrehen vergriffen. Das letzte für Deutschland bedeutungslose Gruppenspiel am Donnerstag beginnt um 22 Uhr, es wird im Kino zu sehen sein.

Stand jetzt könnte es am Montag anders sein: „Wir hoffen immer noch, da wir ja auch Kinfofilme bis nach Mitternacht zeigen dürfen.“ Er wolle noch einmal mit der Stadt sprechen. Der Andrang bei den deutschen Spielen war im Rheinauhafen sehr groß. „Es wäre fatal, wenn die Menschen das Spiel nicht schauen könnten.“ Er verweist auf andere Städte, die auch die deutschen Spätspiele zeigen wollen. „Eine WM findet nur alle vier Jahre statt. Die Zeiten seien zu verteten. „Andere Städte zeigen uns, wie es geht.“ In seinen anderen Betrieben, der Live-Music Hall, Im Helios 37 und in den Garagen in Ehrenfeld rollt der Ball in geschlossenen Räumen.


So machen es andere Städte

Die Bestimmungen variieren je nach Bundesland und Kommune. In Dortmunder Hafengarten findet ein kostenloses Public Viewing mit bis zu 3000 Fans auch bei einem Anpfiff bis 23 Uhr statt. Die Stadt München erlaubt Open-Air-WM-Übertragungen bis spätestens 1 Uhr nachts. Normalerweise gilt dort im Freien eine Sperrzeit ab 23 Uhr. Die Stadt Heilbronn hingegen hat eine Sonderregelung erlassen, die besonders fanfreundlich ist: So darf bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft die Außengastronomie bis zum tatsächlichen Spielende geöffnet bleiben – egal, wie viel Uhr es ist.