Kehrtwende bei der Stadt Köln: Deutschland-Spiele bei der WM dürfen auch dann in Biergärten gezeigt werden, wenn der Anstoß nach 22 Uhr ist.
Späte AnstoßzeitenStadt Köln korrigiert Entscheidung zu Public Viewing in Biergärten

Fußball-Fans verfolgen das Spiel Deutschland gegen die Elfenbeinküste im Herbrand's Biergarten.
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Gastronomen dürfen nun doch WM-Übertragungen von Deutschland-Spielen im Freien zeigen, die nach 22 Uhr beginnen. Das hat die Stadt am Dienstagnachmittag (23. Juni) nach verwaltungsinterner Beratung entschieden, wie Sprecher Alexander Vogel mitteilte.
Noch am Vortag hatte es geheißen, dass Köln den Spielraum in einem Erlass des Landesumweltministeriums nicht nutzen werde. In dem Schreiben waren die Kommunen sogar gebeten worden, „bei der Zulassung von Ausnahmen großzügig Gebrauch zu machen“.
Stadt Köln duldet späte Public Viewings
Allerdings handelt es sich bei der Kehrtwende der Stadt nicht um einen Freifahrtschein für die Wirte: „Sollte es zu berechtigten Beschwerden aus der Nachbarschaft kommen, wird im Einzelfall eingegriffen“, teilte Vogel mit. Weitere Übertragungen könnten dann auch untersagt werden, da kein Anspruch auf Public Viewing im Außenbereich bestehe. Zudem gelte die Duldung nur für WM-Spiele der deutschen Nationalmannschaft.
Konkret geht es um die erste Partie der Nagelsmann-Elf in der K.o.-Runde, die am Montag (29. Juni) um 22.30 Uhr angepfiffen wird. Bei einem Sieg wäre im Achtelfinale am 4. Juli (Samstag) Anstoß um 23 Uhr. Sollte auch dieses Spiel gewonnen werden, finden Viertelfinale, Halbfinale und Finale wieder zu früheren Zeiten statt.
WM-Übertragungen erlaubt: Kölner Wirte sind erleichtert
Josef Rayes, Betreiber des Biergartens am Aachener Weiher, hatte stets gehofft, dass die Stadt noch einlenkt. Umso erleichterter zeigte er sich am Dienstag: „Das ist nicht nur gut für uns Gastronomen. Das ist auch förderlich für die ganze Stimmung in der Stadt, vor allem für die jungen Leute.“
Aufatmen kann auch Micki Pick, der im Open-Air-Kino im Rheinauhafen die deutschen Spiele zeigt. „Ich habe schon Anrufe aus Berlin, München und Düsseldorf bekommen, was da in Köln los sei“, sagte er. „Andere Städte zeigen uns, wie es geht“, hatte er unserer Redaktion gesagt. Die Karten für die ersten drei deutschen Spiele waren schnell ausverkauft gewesen.
Auch der Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte sein Unverständnis über die Haltung der Stadt Köln ausgedrückt. Geschäftsführer Christoph Becker sagte: „Die Menschen freuen sich in diesen Zeiten über jede positive Ablenkung und dazu gehört aktuell die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft.“
Ebenso hatte Sportausschuss-Vorsitzender Oliver Seeck ein Umdenken gefordert: Eine WM sei mehr als nur ein Sportevent. Seeck: „Köln ist eine Millionenstadt mit einer lebendigen Sportkultur – da erwarte ich schon, dass wir gemeinsam kreative Lösungen finden, statt einfach die Schranken runterzulassen. Auflagen ja, aber kein pauschales Nein.“ In Leverkusen etwa müssen Wirte Genehmigungen beantragen. Je nach Einzelfall werde dann entschieden.
Neben Köln gab am Dienstag auch die Stadt Dortmund bekannt, dass Spiele mit Anpfiff bis 23 Uhr in Außengastronomien gezeigt werden dürfen. Ein großes Public Viewing am Hafen mit Beteiligung der Stadt war hingegen im Vorfeld genehmigt worden. Das ist auch in Köln denkbar: Sollten sich interessierte Veranstalter melden, wird laut Stadtsprecher Vogel geprüft, ob auch reine Public-Viewing-Veranstaltungen außerhalb von Gastronomieflächen mit Anstoßzeiten nach 22 Uhr durchgeführt werden können.
