Der FC benötigt eine adäquate Alternative zu Torjäger Ache. Niederländer soll auf Leihbasis mit Kaufoption kommen. Generalprobe in Paderborn
Kölner Kader-BaustellenStürmer Dallinga soll Ache Konkurrenz machen

Stürmer Thijs Dallinga vom FC Bologna im März 2026 im Europa-League-Spiel bei der AS Rom
Copyright: IMAGO/Giuseppe Maffia
Der 1. FC Köln hat in diesem Sommer noch zwei zentrale Baustellen im Kader zu bearbeiten. Neben dem dringend benötigten Sechser für das Mittelfeld steht vor allem eine Verstärkung in der Offensive ganz oben auf der Agenda von Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler (40). Der Grund liegt auf der Hand: Ragnar Ache (28) ist zwar die unumstrittene Nummer eins im Sturmzentrum – doch seine Verletzungshistorie ist bekannt.
Das zeigte sich in der abgelaufenen Rückrunde. Als der 28-Jährige aufgrund einer muskulären Verletzung ausfiel, offenbarte sich ein Problem: Der FC hatte keine adäquate Alternative. Mit Youssoupha Niang (19) und Marius Bülter (33) verfügt Köln derzeit nur über zwei Backup-Optionen für das Sturm-Zentrum – beide konnten Ache während seiner Verletzungspause nicht wirklich ersetzen. Luca Waldschmidt (30) ist eher eine hängende Spitze, fast ein Typ Spielmacher und kam oft nur als Joker, war dann aber immerhin oft gefährlich. Die Offensive der Rheinländer litt erheblich unter dem Ausfall von Ache. Und sollte auch noch Jungstar Said El Mala (19), der in der vergangenen Saison mit 13 Toren der treffsicherste FC-Profi war, für eine Kölner Rekord-Ablöse zu Borussia Dortmund wechseln, würden sich die personelle Engpässe in der Offensive weiter zuspitzen. Der Transfer-Poker um El Mala ist in der entscheidenden Phase. Am Dienstagvormittag stand der junge Angreifer beim Training am Geißbockheim auf dem Platz, bei dem erstmals auch der junge Kölner Neuzugang Gil Neves (18) mitmischte. Die Entscheidung über den El-Mala-Wechsel soll nun bis zum Wochenende fallen.
Die offensichtliche Erkenntnis: Der FC braucht einen weiteren etablierten Mittelstürmer im Kader. Ein Spieler, der nicht nur Ache im Notfall ersetzen kann, sondern auch Druck auf den bisherigen Leistungsträger ausübt und für Kontinuität sorgt, sollte dieser ausfallen.
1. FC Köln soll sich auf Leihe mit Kaufoption geeinigt haben
Nun könnte sich eine Lösung abzeichnen. Laut dem italienischen Transferexperten Gianluca Di Marzio interessiert sich Köln für Thijs Dallinga (26) vom FC Bologna. Informationen dieser Zeitung bestätigen das Interesse: Der Niederländer, der bis dato ein A-Länderspiel absolviert hat, passt in der Tat genau in das Profil, das der FC sucht – ein klassischer, robuster Mittelstürmer mit (internationaler) Erfahrung.
Laut Di Marzio haben sich die Kölner mit Bologna sogar schon auf eine Leihe mit Kaufoption für den 26-Jährigen geeinigt; eine Bestätigung vonseiten des FC gibt es indes noch nicht. Dallinga selbst will Bologna nach zwei durchwachsenen Jahren verlassen, obwohl er noch einen Vertrag bis 2029 besitzt. Auch bei den Kölner Verantwortlichen scheint die Priorität klar.
Allerdings darf man beim Angreifer nicht ganz die Fakten außer Acht lassen. Dallingas Bilanz in der Serie A fällt eher bescheiden aus. Der 26-Jährige kam 2024 für satte 16 Millionen Euro vom französischen Erstligisten FC Toulouse zu den Italienern – ein Transfer verbunden mit Erwartungen. Diese konnte er allerdings nicht erfüllen. In 80 Pflichtspielen für Bologna erzielte Dallinga zwölf Tore und lieferte acht Vorlagen. In der vergangenen Saison gelangen ihm gerade zwei Liga-Tore. Immerhin: In der Europa League war der gebürtige Groninger produktiver und traf in 13 Einsätzen achtmal. Auch Champions-League-Erfahrung brachte er mit (ein Tor in acht Spielen).
Der Marktwert Dallingas ist seit seinem Bologna-Transfer deutlich gesunken – von einst 18 Millionen Euro (Juni 2024) auf aktuell 9 Millionen Euro. Das könnte Köln finanziell entgegenkommen, auch wenn die genauen Modalitäten noch zu klären sind.
Allerdings ist der FC mit seinem Interesse nicht allein. Auch Werder Bremen schielt auf den Niederländer, der 2023 ein Länderspiel für die Niederlande absolvierte. Die Bremer könnten sich Dallinga finanziell aber nur leisten, wenn vorher noch etwas auf der Abgangsseite geschieht. Die Mittel könnten die Hanseaten haben, sollte das große Abwehrtalent Karim Coulibaly den Verein für eine kolportierte Summe zwischen 30 und 40 Millionen Euro verlassen.
Parallel zu den Sturm-Bemühungen arbeitet der FC auch an der zweiten großen Baustelle: dem defensiven Mittelfeld. Da kassierten die Kölner schon einige Absagen, wiederum andere Optionen zerschlugen sich aus finanziellen Gründen. Jetzt brachte Sky den Namen Rani Khedira (32) von Union Berlin ins Spiel – ein Routinier für die Sechser-Position. Das Interesse ist nicht neu; bereits vor Wochen gab es erste Überlegungen um den erfahrenen Defensiv-Spieler. Jetzt könnte es schnell konkret werden. Zumal Union offenbar mit dem Schweizer WM-Teilnehmer Michel Aebischer (29, SC Pisa) einen Nachfolger im Blick hat, an dem auch der FC interessiert gewesen sein soll.
So laufen bereits erste Gespräche mit Khedira selbst. Zu Union Berlin gibt es bislang keinen direkten Kontakt, doch das soll in dieser Woche erfolgen. Khedira ist allerdings nicht der einzige Kandidat auf der Liste der Kölner Verantwortlichen – die Verhandlungen sind noch in vollem Gange.
Dass ein erfahrener Mann mit Führungsqualitäten für das Mittelfeld notwendig ist, steht außer Frage. Mit einer adäquaten Backup-Option für Ache und einer Verstärkung im defensiven Mittelfeld hätte der FC zwei entscheidende Baustellen bearbeitet – und würde besser präpariert in die kommende Saison gehen.
Der Gegner für die Generalprobe vor dem ersten Pflichtspiel im Pokal am 24. August in Würzburg wurde am Dienstag offiziell verkündet: Der FC tritt am Sonntag über zwei Mal 90 Minuten unter Ausschluss von Fans beim Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn an.
