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HörerlebnisAugustin Hadelich überzeugt mit seinem Geigenspiel

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Augustin Hadelich in Begleitung des WDR Sinfonieorchesters Köln unter der Leitung des französischen Dirigenten Stéphane Denève.

Geiger Augustin Hadelich gastiert in Begleitung des WDR Sinfonieorchesters Köln unter der Leitung des französischen Dirigenten Stéphane Denève in der Kölner Philharmonie.

Der Geiger Augustin Hadelich ist Artist in Residence des WDR Sinfonieorchesters. Sein Spiel ist von überwältigender Klarheit und offenbart bei Jean Sibelius Ideen, die aus dem meist aufgeführten Violinkonzert des 20. Jahrhundert ein neues Hörerlebnis machen.

Frenetischer Jubel zwischen zwei Sätzen eines Stücks ist für erfahrene Publikumsgäste zwar immer noch ein Sakrileg. Im Falle Augustin Hadelichs dürfte sich in der Philharmonie dem aber mancher insgeheim angeschlossen, gar bestätigt gefühlt haben, als jemand nach dem ersten Satz ein beherztes „Ja! Toll!“ in den Saal brüllte.

Philosoph, der die Essenz findet

Der Geiger ist mit seinem Spiel so überwältigend, dass spontane Begeisterungsstürme ganz natürlich und unvermeidbar erscheinen. Der 38-jährige Artist in Residence des WDR Sinfonieorchesters wurde von dessen Chefdirigenten Christian Măcelaru einmal als „Philosoph“ bezeichnet. Immer finde er die Essenz eines Stückes.

Gemeinsam spielten das Orchester und Hadelich unter dem Dirigat von Stéphane Denève nun Jean Sibelius’ (1865-1957) Violinkonzert. Darin pulsiert die pure Lebensfreude. In Melodien von seltener Schönheit singt die Violine wie mit menschlicher Stimme. Hadelichs Virtuosität ist von solcher Selbstverständlichkeit, dass nichts ablenkt. In glasklarer Artikulation und Tonfarben zeichnet er Folklore und Stolz der finnischen Heimat des Komponisten nach, als werde dieses Land gerade erst entdeckt.

Sibelius bekannte bereits mit seiner Tondichtung „Finnlandia“ Patriotismus. Sie galt als geheime Nationalhymne der Finnen, deren Land Anfang des 19. Jahrhunderts nach dem Russisch-Schwedischen Krieg, Teil des Russischen Reichs wurde. In den 1890er Jahren hatten sich die Finnen gegen die zunehmende Russifizierung und damit verbundene Schikanen gewehrt.

Von Beethovens Zorn

Anfang des 20. Jahrhunderts entstand das Opus 47 in d-Moll. Es sollte das meist aufgeführte und eingespielte Violinkonzert werden. Nach dem Spontanapplaus setzte Hadelich mit einem innigen Adagio fort. Der unbändige Kehraus des letzten Satzes rief wiederum begeisterten Jubel hervor – diesmal vielfach. Als Zugabe gab es das Präludium aus Bachs E-Dur Partita.

Französisch war das restliche Programm geprägt. Damit machte Denèfe, erstmals Gast des WDR Orchesters, seiner Heimat eine Liebeserklärung. Zum Auftakt gab er mit Guillaume Connessons „Flammenschrift“ seine persönliche Handschrift in energiegeladenem Klang ab. Connesson, Jahrgang 1970, schrieb ein sehr deutsches Stück, das von Beethovens Zorn handelt, aber auch Zitate an Brahms und Richard Strauss aufweist.

Letzterer war auch aus Maurice Ravels „La Valse“ (1920) herauszuhören – nur dass aus den beschwingten Klängen ein kompaktes Bild, „ein Gemälde, kein Ballett“, wurde, wie es Sergej Diaghilew beschrieb. Das nahm Ravel dem Impresario der Ballets Russes übel. Getanzt wurde dazu erst acht Jahre später. Die Orchestermusik ist ein klangliches Fest, wie auch Albert Roussels Suite Bacchus et Ariane, die nach der Pause zu hören war. Ebenfalls Ballettmusik, in der das tosende Meer nur so schäumt.