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Backstreet Boys in DüsseldorfZwei Stunden ein Teenie

3 min
Fünf Sänger stehen in blauen Anzügen nebeneinander.

Die Backstreet Boys sind zum ersten ihrer zehn Düsseldorfer Konzerte auf der Bühne gelandet.

Bei ihrem ersten „Homecoming“-Konzert löst die US-amerikanische Boygroup das Versprechen ein, derentwegen ihre Fans gekommen sind: die Sehnsucht nach einer nostalgischen Zeitreise.

Das Ende ist Trance. Immer und immer wieder schallt „Backstreet's back, alright!“ durch die ausverkaufte Düsseldorfer Arena – wie ein Countdown, der runterläuft und wieder neu startet. Immer wieder stimmt das euphorisierte Publikum mit ein. Dann öffnet sich der Himmel beziehungsweise das Stadiondach. Mit einem Feuerwerk und goldenem Konfetti werden die 47.000 Besucherinnen und Besucher in die Nacht entlassen. 1997, als der Song „Everybody“ erschien, waren die Zeilen eine Ankündigung. Heute, das steht nun fest, sind sie eine Bestandsgarantie.

„Ihr wart unsere erste große Liebe“, ruft Kevin Richardson, nachdem mit „As Long as You Love Me“ das dritte Lied des Konzerts verklungen ist. „Ihr habt uns geliebt, bevor es irgendwer anders getan hat.“ In Deutschland bekamen die Backstreet Boys für ihre zweite Single „I‘ll Never Break Your Heart“ und ihr Debüt-Album ihre ersten Platin-Schallplatten. „Backstreet Boys“ schoss 1996 auf Platz eins der deutschen Charts, während es in ihrem Heimatland, den USA, nicht einmal unter die ersten 100 kam. 30 Jahre später kommen die fünf Sänger jetzt nach Hause – jedenfalls spielen sie zehn „Homecoming“-Shows, die allesamt in Düsseldorf stattfinden und die dieses Jahr die einzigen Auftritte in Europa sein werden.

Rund 450.000 Tickets sind für die zehn Konzerte verkauft

Die Wertschätzung ihrer Fans ist den Boys mit Durchschnittsalter 50 gewiss. Zwar gibt es noch Restkarten, aber laut den Veranstaltern wurden für alle Konzerte, die mit einer Show am 7. Oktober enden, bislang 450.000 Tickets verkauft. Die weit überwiegend weiblichen, beinahe ausnahmslos in Weiß gekleideten Fans kommen dabei nicht nur aus Deutschland, wie rund um die Arena zu vernehmen ist. Es wird Englisch, Französisch oder Niederländisch gesprochen. Die Heimkehr ist an diesem Freitagabend ganz offenkundig als Rückkehr zu begreifen – in einen vertrauten und vergangenen Wesenszustand, der schon allzu lange, ungefähr 30 Jahre, zurückliegt.

Und die Backstreet Boys tun alles, um diese Sehnsucht zu befriedigen. Die Show ist das Klischee eines klischeehaften Pop-Konzerts. Zu Beginn kommen AJ McLean, Brian Littrell, Howie Dorough, Kevin Richardson und Nick Carter mit Hoverboards auf die Bühne geschwebt. Es folgen teilweise unbeholfene, zwar choreografierte, aber dennoch selten synchrone Tanzeinlagen, sich mit Playback abwechselnde Gesangseinlagen sowie Einspielungen auf der Leinwand, die nach den 90ern schreien. Es ist eine Mischung aus überkommener Cyber-Ästhetik, Wolken, Chrom, einem neonfarbenen Windows-98-Bildschirmschoner und jedem Bravo-Cover der Jahrtausendwende. Passenderweise präsentieren die Sänger, in den 90ern Dauergast auf dem Titelbild der Jugendzeitschrift, dann auch eine alte Ausgabe.

Kein Platz für Ironie

Zwischen den Musikpausen, während derer ein Kostümwechsel erfolgt, laufen Videos auf der Leinwand, die die Backstreet Boys vor etwa 30 Jahren bei ihrem Deutschlandaufenthalt zeigen – wahlweise auf der Bühne, beim Meet-and-Greet mit ihren Fans, sogar einmal vor Groß St. Martin in Köln. Geändert hat sich scheinbar, ändern darf sich anscheinend nichts. Das alles ist ausgewrungendste Kulturindustrie. Und das ist unübersehbar und deswegen egal. Denn unter ironischen Vorzeichen hat hier niemand das Konzert besucht. Für die Fans ist alles genau so gut, wie es ist. Dass Brian Littrell sich beim Singen theatralisch die Hand auf die Brust legt und gelegentlich den angeblich intimen Blickkontakt im Publikum sucht, dass Nick Carter kurz eine Stange erklimmt und die oberste Strebe reitet, dass es trotz des Flirtens keine Zugabe gibt.

Die Backstreet Boys operieren mit bemerkenswerter Präzision an der Schnittstelle von Verklärung und Verdrängung, von Nostalgie und Kitsch. Die Erinnerungen an vermeintlich unbeschwerte Teenager-Jahre im vermeintlich beschwingten, postideologischen Jahrzehnt der 90er sind in Düsseldorf für eine kleine Weile greifbar. „Wer war vor 30 Jahren schon hier?“, fragt Howie Dorough und erntet große Resonanz des spontan in die Pubertät zurückversetzten Publikums. Viele, so wirkt es, sind genau so back wie die fünf Teenie-Idole. Nur nicht als Aufsichtsperson, sondern als glückseliger Fan.