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Ein neuer Ansatz für „Bridgerton“Staffel 4 zeigt Schattenseiten und verlässt den leichten Charme der Vorgänger

3 min
Bridgerton. (L to R) Luke Thompson as Benedict Bridgerton, Yerin Ha as Sophie Baek in episode 403 of Bridgerton. Cr. Liam Daniel/Netflix © 2025

„Bridgerton“, Staffel vier mit Luke Thompson als Benedict Bridgerton und Yerin Ha als Sophie Baek.

Staffel vier von „Bridgerton“ bei Netflix erforscht düstere Themen, verliert ein wenig den typischen Charme vergangener Staffeln.

„Ich bitte dich inständig, mich nicht ständig zu blamieren.“ Auch in der vierten Staffel der Serie, die nach ihrem Clan benannt ist, hat Lady Bridgerton (Ruth Gemmell) alle Hände voll zu tun, ihren Nachwuchs im Zaum zu halten: Eloise (Claudia Jessie) bleibt weiterhin heiratsunwillig, Hyacinth (Florence Hunt) würde lieber heute als morgen in die Gesellschaft eingeführt werden. Die frischvermählte Francesca (Hannah Dodd) hat Probleme in der Ehe, Neu-Schwiegertochter Penelope (Nicola Coughlan) gerät in die Fänge der klatschsüchtigen Königin (Golda Rosheuvel).

Und Benedict (Luke Thompson) vergnügt sich lieber mit wechselnden Bettgefährtinnen und -gefährten, als nach der „Richtigen“ Ausschau zu halten - bis er auf dem die Saison eröffnenden Maskenball seinen bisherigen Lebenswandel infrage stellt. Dort verliebt er sich Hals über Kopf in eine geheimnisvolle junge Frau, die, als um Mitternacht die Masken fallen sollen, die Flucht ergreift. Und von der Schönen bleibt nur ein Seidenhandschuh zurück.

Plot bei Aschenputtel geklaut

Ein bisschen vorhersehbar ist das, was sich da in den ersten vier Folgen abspielt, die jetzt bei Netflix zu sehen sind (ab 26. Februar gibt es die vier weitere): Den Plot der mysteriösen Tänzerin kennt man aus Aschenputtel, und die Geschichte wartet auch im Weiteren mit den bekannten Zutaten des Märchens auf: der tote Vater, die kalte Stiefmutter (Katie Leung, die Cho Chang aus den „Harry Potter“-Filmen, die die intelligente Sophie (Yerin Ha) zur Dienstmagd degradiert. Doch es kommt noch schlimmer: Nach einem Streit landet Sophie auf der Straße.

So befinden wir uns plötzlich auf der Schattenseite der ansonsten knallbunten Bridgerton-Welt, im Untergeschoss der noblen Häuser, wo dafür gesorgt wird, dass die feinen Herrschaften prächtig herausgeputzt auf dem Liebeskarussell ihre Runden drehen dürfen. In den Küchen und Nähzimmern ist man nicht glücklich darüber, dass sich Wertschätzung höchstens im Schenken abgetragener Kleidung ausdrückt. Das Personal wehrt sich mit seiner einzigen Waffe: Es wechselt die Arbeitgeber, so dass in einigen Häusern ein Mangel an helfenden Händen herrscht.

Aufklärung statt Leidenschaft

Auch die Geschichte von Benedict und Sophie bleibt düster, was sich vor allem in der Bebilderung ausdrückt: Einige ihrer Szenen könnten auch aus der Verfilmung einer Gothic Novel stammen, Hitchcocks „Rebecca“ lässt grüßen. „Die natürliche Schönheit und Pracht der Welt scheint gedämpft in Mayfair“, heißt es an einer Stelle über den Schauplatz der „Bridgerton“-Geschichten.

Einerseits ist es begrüßenswert, dass das Team um Serien-Erfinder Chris van Dusen für die vierte Staffel einen neuen Ansatz wählt. Aber was hilft es, wenn dabei das „Bridgerton-Feeling“ verloren geht: die flirrende Leichtigkeit, das Überdreht-Alberne der vorherigen Staffeln. Und während es zuvor um leidenschaftlichen Sex ging, ist dieser über weite Strecken Anlaufschwierigkeiten und Aufklärungsunterricht gewichen.

Weiterhin großartige Ausstattung

Auch die Logik wird hier und da gehörig über Bord geworfen: etwa, wenn Benedict und Sophie durchnässt im Landhaus ankommen, ein Feuer entzünden, um möglichste schnell wieder warm zu werden - um sich im nächsten Moment in andere, selbstredend unbeheizte Zimmer zu verabschieden.

Aber die Stoffe und Muster sind immer noch atemberaubend (es lohnt sich, zwischendurch die Pause-Taste zu betätigen, um sich die Kleider genau anzuschauen), genauso wie die kunstvollen Turmfrisuren der Königin. Doch auch die Monarchin weiß in Sachen Griesgrämigkeit noch einen draufzusetzen und zettelt einen Streit mit ihrer besten Freundin, der bekanntermaßen ebenfalls scharfzüngigen Lady Danbury (Adjoah Andoh), an...

„Bridgerton“, Staffel 4, bei Netflix. Folgen 1 bis 4 ab sofort, Folgen 5 bis 8 ab 26. Februar jeweils rund 50 Minuten.