Der Wu-Tang Clan begeisterte die Kölner Lanxess-Arena mit einer mitreißenden Show und ehrte verstorbene Mitglieder emotional.
Wu-Tang Clan begeistert Köln„Motherf...ing Cologne“ bringt Lanxess-Arena zum Toben

Masta Killa (l.) und Raekwon vom Wu-Tang Clan.
Copyright: Thomas Brill
Es dauert eine gewisse Zeit, bis aus den etwas lauwarmen „Hello Germany“-Begrüßungen endlich ein umso herzlicheres „Motherf...ing Cologne“ geworden ist. Dann aber sind die acht originalen und zwei hinzugekommenen Clan-Mitglieder auch wirklich angekommen. Die tosende Stimmung in der fast ausverkauften Kölner Lanxess-Arena ist ihnen zuvorgekommen,
Während sich der erste Track „Sunlight“ entwickelt, wie alles an diesem Abend begleitet von einer starken Live-Rhythmussektion, füllt der Rest der Gang die Bühne.
Allein dieses historische Bild von gemeinsamer Stärke will man doch noch einmal live gesehen haben. „Wir bleiben jung, auch wenn eure bösen Gesichter verrunzeln“, heißt es im Text. Bis dahin ist es für die Band, die in den frühen 90er Jahren durch kollektive Hip-Hop-Tracks, sogenannte „posse cuts“, oft düster arrangiert, Musikgeschichte schrieb, tatsächlich noch ein weiter Weg, aber die meisten gehen auf die 60 zu.
Wu-Tang-Clan in Köln: 30 Songs aus 30 Jahren
Rund dreißig Songs aus mehr als dreißig Jahren werden gespielt, dazwischen wird, pathetisch wie bei einer Oscarverleihung, der Verstorbenen gedacht, insbesondere des Wu-Tang-Clan-Mitbegründers Oliver „Power“ Grant, der am 23. Februar 2026 einem Bauchspeicheldrüsenkrebsleiden erlag. Dazu erklingt eine herzergreifende Version des frühen Titels „Tearz“.
In Köln blieb es nicht bei dieser Ballade. Die reguläre Setlist wurde erweitert durch eine Coverversion des Bee-Gees-Hits „How Deep Is Your Love“ mit einem rätselhaften Gastauftritt. Wie war plötzlich der 79-jährige walisische Keyboarder Blue Weaver auf die Bühne geraten, der mit dem Trio auf mehreren Disco-Alben spielte? Er tourt gerade mit einem Musical über die Brüder durch Deutschland und RZA bekannte sich einmal als Bee-Gees-Fan.
Für die eigenen Nebenprodukte wie RZAs neuen Actionfilm als Regisseur gibt es während der Show mehr Werbeunterbrechungen als bei einem billigen Netflix-Abo. Immer wieder wird auf eine App verwiesen, um die Crew in die Rock’n’Roll Hall of Fame zu wählen. Nicht wenige Gäste hüllten sich in Klamotten des Clan-eigenen Labels Wu Wear, noch stilvoller wirkten jene Besucherinnen, die sich an Uma Thurman in „Kill Bill“ orientiert haben. Quentin Tarantino verewigte die Band im Soundtrack des Films mit dem delirierenden „Black Mamba“.
Wie gerne hätte man sich auch in Köln noch einmal so von ihren Beats auf Versen aufsaugen lassen, aber die Akustik sorgte zwar für mächtige Bässe, aber filigrane overlays gingen verloren und ganze Texte wurden zu Brei. Und ein aus Videoscreens gebauter Shaolin-Tempel erinnerte an das Chinarestaurant aus der Kindheit.
Das Finale allerdings war dann doch so triumphal wie in einem Bruce-Lee-Film. Wer Klassiker wie „C.R.E.A.M.“ und „Triumph“ noch derart mitreißend zelebrieren kann, der braucht sich um die Aufnahme in die „Hall of Fame“ nicht mehr zu sorgen.
