Die Bühnen Köln setzen zunächst auf eine Interimslösung – der Hausregisseur des Schauspiels soll zunächst bis 204/25 übernehmen.
Bühnen KölnRafael Sanchez übernimmt als Interim für eine Spielzeit

Rafael Sanchez
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„Rafael Sanchez hat diese wunderbare Gabe des Zulassens, der Kooperation.“ Es war Martin Reinke, der sich im vergangenen Jahr nach 32 Jahren am Schauspiel als „König Lear“ vom Kölner Publikum verabschiedete und dem Hausregisseur diese Worte ins Buch schrieb. Sanchez war auch der Wunschkandidat des Ensembles, das sich nach dem Abgang von Stefan Bachmann mehr Planungssicherheit wünscht. Der Wunsch ging nun zumindest für eine Spielzeit in Erfüllung.
Findungskommission entscheidet übereinstimmend
Wie Oberbürgermeisterin Henriette Reker am Dienstag mitteilte, hat die Findungskommission zur Neubesetzung der Schauspielintendanz an den Bühnen Köln übereinstimmend entschieden, „nach Beendigung des Vertrags des amtierenden Intendanten zunächst auf eine Interimslösung zu setzen. Rafael Sanchez, der bereits seit der Spielzeit 2013/14 am Schauspiel Köln äußerst erfolgreich als Hausregisseur tätig ist, wird die Intendanz für 2024/25 übernehmen.“
Der Vorschlag kam aus dem Haus, wie Pressesprecherin Jana Lösch gegenüber der Rundschau betonte. „Jeder freut sich auf Rafael Sanchez.“ Damit dürfte ein wenig Ruhe einkehren, denn zuletzt schlugen die Wogen hoch. Vom Publikum wie von den Ensemblemitgliedern wurde das Verfahren bei der Suche nach der neuen Leitung kritisiert.
Laurenz Leky aus dem Team des Theaters im Bauturm störte sich nach einer öffentlichen Diskussionsrunde zumal an der Aussage von Kulturdezernent Stefan Charles, es gebe in der deutschen Theaterlandschaft keine geeigneten Frauen und People of Colour, die für die neue Leitung in Frage kämen. Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, so Leky, litten unter dem Machtmissbrauch männlicher Intendanten. Intransparenz im Verfahren warf er Oberbürgermeisterin Reker vor. Neben ihr und Charles sitzen in der Findungskommission Karin Beier, Intendantin des Deutschen Schauspielhauses Hamburg, Kathrin Mädler, Intendantin des Theaters in Oberhausen sowie Vorsitzende der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein, und Ulrich Khuon, Intendant des Deutschen Theaters in Berlin.
Sanchez kann sich auch mehr vorstellen
Nun gibt es also eine Interimslösung. Aber Sanchez, der am Dienstag in Dresden probte, erklärte am Telefon, dass er sich durchaus auch mehr als eine Spielzeit an der Spitze hätte vorstellen können: „Wenn man mich gefragt hätte. Ich würde es sofort machen.“ Aber er sei Realist genug, zu sehen, dass er solange als Hausregisseur gearbeitet habe, dass die Chance einer dauerhafte Intendanz gering sei. Offenbar wolle die Politik einen neuen Namen.
Den sie aber nicht so schnell geliefert bekommt: „Die Findungskommission stellte in den vergangenen Wochen in Gesprächen mit möglichen Kandidatinnen und Kandidaten fest, dass ein nahtloser Übergang angesichts der kurzen Vorlaufzeit nicht realisierbar ist“, erklärt die Verwaltung. „Der Vertrag des derzeitigen Intendanten Stefan Bachmann wurde im Juli 2021 zunächst um weitere drei Jahre bis zum 31. August 2026 verlängert. Dass er nun das Theater auf eigenen Wunsch vorzeitig verlässt und bereits für die Spielzeit 2024/25 an das Wiener Burgtheater wechselt, verkündete er Ende Dezember 2022.“ Planungssicherheit solle durch die Interimslösung für die Mitarbeiter und das Ensemble gewährleistet werden. Und: „Das Verfahren für die Suche einer neuen Intendanz mit Beginn der Spielzeit 2025/2026 läuft intensiv weiter.“
Das Ensemble erklärte: „Die Entscheidung für ein Interim unter Rafael Sanchez begrüßen wir sehr. Durch die langjährige Zusammenarbeit haben wir vollstes Vertrauen in ihn und freuen uns, noch ein weiteres Jahr in und für Köln Theater zu machen.“ Sanchez bezeichnet es als verschworene Gemeinschaft. „Die können alles, von lustig bis zur Tragödie.“ Viele Schauspieler treibt die Sorge um einen Kahlschlag, der mit einer neuen Führung verbunden sein könnte.
Sanchez sagt. „Wer will, der bleibt.“ Den Umzug an den Offenbachplatz sieht er einigermaßen entspannt. Schlüsselübergabe soll im März nächsten Jahres sein. Einen Plan B hält der Regisseur aber nicht für verkehrt.