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Christien BrinkgreveMehr als ein Ratgeber für Paare

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Christien Brinkgreve

Christien Brinkgreve

Christien Brinkgreve schrieb in "Ein Versuch, meine Liebe zu Ordnen", wie sie ihr Leben auf Familie und Partnerschaft ausrichtete, während sie als Soziologin Pionierarbeit in der Beziehungsforschung betrieb.

Als nach dem Tod ihres Mannes wieder Menschen ins Haus kommen, nimmt sie die Verwahrlosung, den bröckelnden Putz, überquellende Regale und die geballte Trostlosigkeit nach langer Krankheit und Zurückgezogensein wahr.

Rückschau ohne Groll und Sentimentalität

Daraufhin schreibt die niederländische Soziologin Christien Brinkgreve ihr sehr persönliches Buch „Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen“. Sie tariert darin so ungefähr jede Grundsatzfrage und sämtliche Unstimmigkeit aus, ohne nur einmal langatmig zu werden oder sich gar zu verheddern. Vielmehr schafft sie es auf geradezu meisterhafte Weise, ohne Groll und ohne Sentimentalität in der Rückschau zwei spannende Persönlichkeiten zu zeichnen, die sich mitunter im Wege stehen, sich reiben, sich nicht gut tun und doch zusammengehören.

Es sind elementare Fragen: Was trägt in einer Beziehung? Im eigenen Leben? Und im Leben ohne den anderen? Brinkgreve, emeritierte Professorin aus Amsteram, forschte und publizierte zu den Beziehungen zwischen Männern und Frauen, zwischen Eltern und Kindern sowie zum Umgang mit Emotionen.

Behutsames Freilegen eigener Bedürfnisse

Ihr neues Buch, verbunden mit der Schilderung einer neuen Lebensordnung, ist keine Hauruckaktion, vielmehr ein behutsames Freilegen der eigenen Bedürfnisse, verbunden mit der Frage, was sie zugunsten von Mann und Familie im eigenen Leben zu kurz kommen ließ.

Die Autorin gehört zu den Pionierinnen der Genderforschung. Sie musste sich selbst ihren Platz als Frau in der Wissenschaft erkämpfen und stieß an manche Grenze, in der sich alte Rollenbilder offenbarten. Als sie sich zum Beispiel für eine Reportage vor dem Regal mit Fachliteratur mit ihren kleinen Kindern abbilden ließ, erntete sie Unverständnis, auch von Frauen, die meinten, dass das kein professioneller Auftritt sei.

Sich nicht verbiegen lassen

Für Brinkgreve war es aber authentisch. Sich nicht verbiegen zu lassen, ist eine hervorstechende Charaktereigenschaft bei ihr, die allerdings in der Beziehung auf eine hart Probe gestellt wurde. Mit der starken, selbständigen Frau hatte der Mann, der als Journalist eigentlich ein offener, freigeistiger Mensch war, im Alltag seine Schwierigkeiten.

Brinkgreve schildert, was passiert ist. Damit gibt sie ein wertvolles Analysestück weiter an alle Paare. Das Buch ist weniger aus Ratgebesicht geschrieben, sondern aus einem lebensklugen Blickwinkel, der sich über das Ordnen der Dinge neu ausrichtet. Ein spannender Weg.

Christien Brinkgreve: "Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen", Hanser, 190 S., 23,70 Euro.