Das Ende des Mekkas für Vinylfans„Nunk Music“ im Belgischen Viertel muss schließen

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Muss seinen Laden aufgeben: Uwe Schmandin.

Köln – Auf dem Festival „See The Sound“ war der Film „Other Music“ zu sehen, der die Schließung des gleichnamigen legendären New Yorker Plattenladens thematisiert. Eine Kölner Institution erleidet jetzt dasselbe Schicksal. Nach einem Vierteljahrhundert schließt „Nunk Music“. Inhaber Uwe Schmandin, 1960 in Düsseldorf geboren, bleibt keine andere Wahl.

Was die Laufkundschaft nicht weiß: In dem kleinen Laden an der Antwerpener Straße befindet sich vielleicht nur ein Fünfzigstel von Schmandins gesamtem Fundus. Der ganze Kosmos des musikverrückten Sammlers erschließt sich erst, wenn man die vielen dutzend bis unter die Decke gefüllten Regalmeter im Nebengebäude abschreitet. Hier lagern auf zwei Etagen rund 100.000 Vinylscheiben, alte Plattenspieler, Musikboxen, Rekorder, Radios, Krimskrams und Ersatzteile. Denn auch aufs Reparieren alter Geräte versteht sich der Jazzenthusiast.

Kunden aus aller Welt besuchten das „Nunk Music“

Angefangen hatte alles im Knabenalter, als er im Sperrmüll einen kaputten Plattenspieler entdeckte, den er wieder ans Laufen brachte. Da musste Abspielbares her. Die Sammlung wuchs, 1994 mietet er in der Kyffhäuserstraße den ersten Laden. Nach mehreren Wechseln landete er im Belgischen Viertel. Dort waren bis 2017 Lager und Verkaufsbereich eins, ein Universum für Freaks, die sich schnell darin verloren. Internationale Gazetten schrieben Huldigungen, Kunden kamen aus aller Welt, sein „Geschäft“ wurde zu den zehn besten Plattenläden auf dem Globus gezählt.

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Schmandin ist ein „Verrückter“ im besten Sinne, der ans Materielle zuletzt denkt. Jahrelang stand er kurz vor der Pleite, jobbte als DJ. Jetzt ist die Mietsituation prekär. Wenn hier ein Café eröffnet, verliert das Viertel ein Herzstück. Sentimental ist Schmandin deshalb nicht, es bestehe Hoffnung auf ein neues Domizil. Und zum Abschied will erin seinem Nunk-Music-Store noch einmal richtig feiern – mit einer Sammelausstellung und hochkarätigem Jazz von Folkwang-Professor Ryan Carniaux sowie spontan dazustoßenden Gästen. (msc)

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