Cirque Bouffon zu Gast in KölnWie eine der wenigen weiblichen Zirkus-Clowns ihre Arbeit erlebt

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Clown pudert sich das Gesicht.

Noémie Pichereau in ihrer Clownsrolle.

Wie es ist als Clown zu arbeiten, hat uns Noemie Pichereau vom Zirkus Bouffoun erzählt. Nur lustig zu sein, würde nicht ausreichen.

Sonst sind ihre Sommersprossen unter weißer Schminke versteckt, wenn Noémie Pichereau durch das Zirkuszelt läuft. Noch ohne ihr Kostüm und die rote Nase sitzt sie vor der abendlichen Vorstellung entspannt in der leeren Manege des Cirque Bouffon.

Als Clown und Hauptdarstellerin der Show „Paraiso“ gibt sie hier später alles, um das Publikum für sich zu gewinnen. „Ich bin eigentlich eher ein ruhiger Mensch und beobachte viel“, gibt die Französin lachend zu.

Ausbildung auf der Clown-Schule

Mit 27 Jahren hat Pichereau es bereits in einen renommierten Zirkus geschafft – als eine der wenigen Frauen. Dass der Cirque Bouffon sie nach gerade mal zwei Jahren Übung von der Clowns-Schule direkt ins Zirkuszelt holte, spricht für sich. „Manchmal kann ich es selbst kaum glauben“, schwärmt sie. „Ihr Clown“, wie Pichereau das nennt, was sie auf der Bühne ist, sei ein Teil von ihr – ihre große Leidenschaft.

Damit leiste sie bei weitem keine Pionierarbeit: „Ich finde nicht, dass meine Branche eine Männerdomäne ist“, sagt Pichereau. 17 Mitschülerinnen, aber nur 5 Mitschüler lernte sie in ihrem Jahrgang der Pariser Clowns-Schule kennen, auf der sie ihr Handwerk lernte.

Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich keine Frau, sondern einfach ein Clown.
Noémie Pichereau

„Weibliche Clowns hat es schon seit dem Mittelalter gegeben“, erklärt sie. Oft seien es Frauen gewesen, die sich unter männlichen Clownskostümen versteckten. Der Clown der jungen Französin hat eine Monobraue, rote Ohren und einen Zopf, der senkrecht absteht. Ein bestimmtes Geschlecht habe er aber nicht. „Wenn ich auf der Bühne stehe, bin ich keine Frau, sondern einfach ein Clown“, erklärt sie. Für einen Mann sei das sicherlich dasselbe.

Clowns sind weiblich, männlich oder einfach nur Clowns

Warum in etablierten Zirkuszelten meistens Männer stehen, kann sie sich nicht ganz erklären. Das Zirkuszelt sei aber nicht die erste Wahl von allen Künstlerinnen und Künstlern. Als Arbeitsplatz bieten sich auch Pflege- und Kinderheime oder Kliniken an. „Vor allem in Krankenhäusern arbeiten viele Frauen als Clowns“, erklärt Pichereau.

Das Problem mit der Clownerie sei nicht etwa, dass Frauen es in der Branche so schwer hätten, sondern etwas Generelles: „Ein Clown zu sein, hat einen schlechten Ruf“, findet Picherau. Dabei sei ihr Job alles andere als bloße Alberei, sondern setze eine Menge Feingefühl voraus. Die große Herausforderung sei es, das Publikum richtig einzuschätzen. „Ich weiß nicht, wo die Menschen vorher waren. Jeder kommt mit anderen Emotionen und anderen Hintergründen zur Vorstellung“, erklärt sie. Je nach Gemütslage brauchen die Leute unterschiedlich viel Abstand und Ruhe, bevor sie genervt oder überfordert sind.

Ein Clown hat viele Facetten

Dass die junge Künstlerin im echten Leben sensibel und eine Beobachterin sei, werde dabei zum klaren Vorteil. Ihren Clown, der im Gegenteil zu ihrem alltäglichen Charakter stürmisch und extrovertiert ist, muss sie auf der Bühne stark kontrollieren: „Er ist wie ein wildes Pferd, das ich zügeln muss“, vergleicht sie lachend.

Nur lustig sein reicht nicht. Wer glaubt, das höchste Ziel eines Clowns sei es, dem Publikum ein Lachen abzuverlangen, liegt falsch. „Die Leute müssen sich im Clown wiedererkennen, um eine Beziehung zu ihm aufzubauen.“ Dafür sei es nötig, alle menschlichen Gefühle auf der Bühne darzustellen.

Bei dem emotionalen Ende der Geschichte von „Paraiso“ muss sich das Publikum vom Clown verabschieden: Dabei rollen auf den Zuschauersitzen nicht selten die Tränen. „Man muss akzeptieren, wieder im echten Leben angekommen zu sein“, erklärt Pichereau. Zu sehen, dass ältere Zuschauer und Zuschauerinnen sich für die Dauer der Show wieder wie Kinder gefühlt haben, sei ihr größter Antrieb.


Cirque Bouffon

Vorstellungen des Cirque Bouffon stehen bis zum 4. Juni noch in Köln an. Der Kölner Zirkus mit Sitz in Sülz gastiert derzeit mit der Show „Paraiso“ am Schokoladenmuseum. Die Inszenierung entführt die Zuschauer in eine poetische Traumwelt. Zu sehen gibt es Akrobatik, Körperkunst und Komik. (sim)

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