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Erstlingswerk wird BestsellerNathan Harris über „Die Süße von Wasser“

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Beschreibt das Ende des amerikanischen Bürgerkriegs: Nathan Harris.

Köln – Dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs und der Zeit danach wurden schon mehrfach literarische Denkmäler gesetzt – sei es in Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“ oder Toni Morrisons „Menschenkind“. So unterschiedlich diese Werke auch sind, gibt es dennoch eine Gemeinsamkeit: Sie alle wurden entweder aus einer schwarzen oder einer weißen Perspektive erzählt.

Genau da liegt möglicherweise eine Erklärung für den Sensationserfolg, den der 31-jährige Nathan Harris mit seinem literarischen Debüt „Die Süße von Wasser“ in den USA landete: Er lässt alle Figuren zu Wort kommen. Die in einem Provinzstädtchen in Georgia spielende Geschichte handelt von dem Grundbesitzer George, der in den letzten Kriegstagen die Bekanntschaft zweier befreiter Sklaven macht.

„Während des Schreibens kreierst du eine eigene Welt“

George meint es nur gut, als er ihnen Jobs als Feldarbeiter anbietet, um Geld für ihre geplante Reise nach Norden zu verdienen. Den übrigen Anwohnern ist dieses Vorgehen jedoch ein Dorn im Auge. Als dann noch Georges totgeglaubter Sohn aus dem Krieg heimkehrt und sich herausstellt, dass zwischen ihm und seinem besten Freund aus Kindertagen mehr als nur freundschaftliche Gefühle bestehen, droht die Situation endgültig zu eskalieren.

Anlässlich seiner Lesereise zum Erscheinen der deutschsprachigen Ausgabe, die ihn auch nach Köln führte, traf sich Harris zum Interview mit der Rundschau. Obwohl erst am Vortag aus den USA angereist, zeigte er keinerlei Anzeichen von Jetlag, sondern schwärmte bestens gelaunt von den freundlichen Menschen, dem herzlichen Empfang und der vielseitigen Gastronomie in Köln.

Angesprochen auf den geradezu überwältigenden Erfolg seines Erstlingswerkes (siehe Infokasten) benutzt Harris einen Begriff, der schon in früheren Interviews mit US-Medien immer wieder fiel: surreal. „Während des Schreibens kreierst du eine eigene Welt und bist allein mit deinen Figuren. Natürlich hoffst du, dass sich zumindest ein paar Menschen auf die Geschichte einlassen werden. Aber mit einem solchen Hype hätte ich nie gerechnet. Das ist einfach unglaublich.“

Rassismus ist beherrschendes Thema des Romans

War „Die Süße von Wasser“ tatsächlich in jeder Hinsicht sein literarisches Debüt, oder war es lediglich das erste Buch, das einen Verleger fand? „Gute Frage!“, kommentiert er lachend. „Es ist aber tatsächlich so, dass ich vorher noch nie etwas geschrieben habe, wenn man einmal von ein paar Fantasiegeschichten im Grundschulalter absieht. Bei mir stapeln sich keine unveröffentlichten Manuskripte in der Schublade.“

Das Geschehen aus unterschiedlichen Perspektiven zu schildern, sei vielleicht nicht von Anfang an der Plan gewesen. „Aber als das Handlungsgerüst stand, war es eigentlich keine Frage, dass die Geschichte am besten funktionieren würde, wenn ich sie gewissermaßen ,demokratisch’ erzähle.“

Rassismus ist beherrschendes Thema des Romans. Auch wenn Prentiss und Landry, die beiden einstigen Sklaven, nach dem Krieg formal als freie Menschen leben, werden sie weiterhin diskriminiert und verfolgt – weil sie schwarz sind.

„Du bist stets wachsam“

Sieht Harris hier Parallelen zwischen damals und heute, etwa wenn Fälle wie der von George Floyd bekannt werden? „Leider ja“, sagt er. „Einige Dinge ändern sich nie.“

Auch für ihn seien bestimmte Verhaltensweisen selbstverständlich, über die sich weiße Menschen keine Gedanken machen müssten. „Du bist stets wachsam. Manchmal merkst du an den Blicken der anderen, dass du besser gehen solltest, bevor etwas passiert. Bestimmte Gegenden meidest du von vorneherein.“ Harris, der schon in mehreren US-Bundesstaaten lebte, macht auch heute noch ein Nord-Süd-Gefälle aus, wenn es um Rassismus geht. In den einstigen Konföderierten Staaten hätten Schwarze es immer noch schwerer als im Norden.

Gibt es schon eine Idee für ein nächstes Buch? „Nicht nur das“, antwortet er. „Es ist sogar schon in Arbeit. Aber Genaueres werde ich jetzt noch nicht verraten.“

Nathan Harris: Die Süße von Wasser, Roman, deutsch von Tobias Schnettler, Eichborn Verlag, 448 Seiten, 25 Euro.