In der Kölner Philharmonie gaben iranische Sängerinnen, die erst kürzlich gezwungen waren, ihr Land zu verlassen, am Samstagabend ein Konzert.
Exil-SängerinnenIm Iran zum Schweigen gebracht, aber nicht verstummt

Leitete das Konzert sehr feinfühlig: Gürzenich-Assistenzdirigentin Juya Shin (Archivbild)
Copyright: Seoul Philharmonic Orchestra
1924 trat die Sängerin Qamar-Ol-Moluk Vaziri im Alter von 19 Jahren im Grand Hotel Teheran auf, unverschleiert. Das war ein Tabubruch. Sie tat dies auch später noch, obwohl es ihr von den Behörden untersagt wurde. Sie gilt als Vorkämpferin für die Selbstbestimmung der Frauen im Iran. Das Konzert „Female Voices of Resilience“ in der Kölner Philharmonie widmeten die Organisatorinnen dieser Frau. Die Ethnomusikologin Yalda Yazdani, die Kuratorin Faranak Rafiei und die Volkswirtin und Netzwerkerin Lale Konuk überzeugten das Management des Gürzenich-Orchesters, iranische Sängerinnen einzuladen, die, wie viele andere, aufgrund der Verhältnisse in ihrer Heimat daran gehindert wurden, ihre Kunst auszuüben, und das Land verlassen mussten.
Das Publikum in der – auch durch die große iranische Kölner Community – fast voll besetzten Philharmonie erlebte neun Sängerinnen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen. Aserbaidschanische, kurdische, qashghaiische, belutschische und persische Musik traf auf westliche Orchesterklänge. Das Besondere an diesem Konzert: Es gab kein Nebeneinander von Symphonik und iranischer „Weltmusik“, sondern die Lieder erklangen in intelligenten Arrangements. Das galt auch für die traditionellen Gesänge turksprachiger Völker oder aus den Bergregionen, die die Sängerin Ghazaal Ansari Rad vortrug. Sie begann mit einem zart instrumental begleiteten Wiegenlied. Dann entfaltete sich ein breitwandiges Klangpanorama, das den kämpferischen Text über den Verlust von Sohn und Bruder trug.
Ein Konzert mit vielfältigem Stilmix
Die Brücke zwischen den Sängerinnen und dem Gürzenich-Orchester bildete das Inner Unity Ensemble unter der Leitung von Mahan Mirarab. Da spielten traditionelle Instrumente wie Kamancheh (eine Stachelgeige) oder Santur (ein Hackbrett) neben Drums wie in einer Jazzcombo und westlicher Klarinette. Faszinierend zu hören, wie sich das Hackbrett mit der Marimba im Orchester zusammentat, alles sehr feinfühlig geleitet von der Dirigentin Juya Shin, der jungen Gürzenich-Assistenzdirigentin.
So entstand ein vielfältiger Stilmix, der vor allem von den Sängerinnen selbst initiiert wurde. Da hörte man etwa von der in New York lebenden Mahya Hamedi, die selbst Komponistin ist und sich zwischen Jazz, Alternative Rock und Klassik angesiedelt sieht, in „Acacia Thorns“ ein vorwärtsdrängendes, rebellisches Lied, in dem orchestraler Satz und physisch-eruptiver Gesangsausdruck zusammenkommen. Dagegen erzeugte die Singer-Songwriterin Sanam Maroufkhani mit ihrer zarten Stimme ein filigranes Gebilde, das von funkelnden Perlen der Instrumente und ihrer eigenen Klavierbegleitung umspielt wurde.
Es gab aber auch populäre Gesangsnummern mit deutlichen Anklängen an Filmmusik – etwa von Mina Deris, die seit 2022 in den USA lebt, oder von der Sängerin, Pianistin und Komponistin Foroogh Fazli. Zum Schluss versammelten sich alle neun Künstlerinnen noch einmal auf der Bühne, und es entstand im Saal eine durchaus festliche Stimmung, denn ganz bewusst sollte dieser Abend kein Protestkonzert sein, sondern die über die ganze Welt verstreuten Sängerinnen in Köln zusammenbringen und ihnen auf ihre jeweils eigene Weise Stimme verleihen.
