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Interview mit Opern-Intendant in Köln„Das Leben ist so bunt wie die Oper“

5 min
Opernintendant Hein Mulders im Staatenhaus.

Opernintendant Hein Mulders im Staatenhaus.

Opernintendant Hein Mulders zieht positive Bilanz zur vergangenen Spielzeit, die für ihn die erste war. Er freut sich auf die nächste. 

Die Oper Köln steckt mitten in den Vorbereitungen für die neue Spielzeit. Über das Programm und die Pläne sprach Jan Sting mit Intendant Hein Mulders, der auch Bilanz zu seinem Auftakt in Köln zieht.

In Köln sind Sie offenbar gut angekommen. Wie ist Ihr Eindruck von der Stadt?

Es ist schön, auf ein internationales Flair zu treffen. Köln ist eine Großstadt mit sehr viel Diversität. Hier erkenne ich Amsterdam wieder, wo ich auch Erfahrungen für die Oper sammeln konnte, wie in Antwerpen und zuletzt als Intendant in Essen. Ich war lange Zeit auch in der zweiten Position sehr happy. Ich musste kein Intendant werden, aber irgendwie sagten alle, dass ich es eines Tages werde. Heute ist es eine Befruchtung – mit einem guten Team um mich herum. Man lernt auch Teamarbeit. Das ist das A und O. Sonst geht es nicht.

Corona als Zäsur, der Krieg, die Energiekrise und Lieferschwierigkeiten – was bedeutet das für die Oper?

Trotz dieser Umstände ist meine erste Saison wie im positiven Rausch vorbeigeflogen. Ich bin ein sehr glücklicher Mensch. Wir hatten über 80 Prozent Auslastung in einer Saison, die nicht nur aus Bekanntem bestand. „Les Troyens“ von Berlioz, „Miranda“ nach Henry Purcell und „Der Zwerg/Petruschka“ von Zemlinsky und Strawinsky. Das ist nicht so wie Mozarts „Zauberflöte“, Puccinis „La Bohème“ oder Verdis „La Traviata“. Dessen „Luisa Miller“ ist auch nicht so bekannt. Aber großartige Musik, starkes Drama und ein großartiger Erfolg.

Bei der jährlichen Rezensenten-Umfrage der Zeitschrift „Die Deutsche Bühne“ kam Köln nicht vor. Nur das Unbehagen über die Dauerbaustelle der Oper war Thema.

Vielleicht warten alle ab, bis das neue Haus eröffnet. Im „Opernfreund“ wurden wir zum Beispiel gerade in vielen Kategorien ausgezeichnet. Bei „Les Troyens“ gab es Publikum aus München und Dresden. Viele fanden die Kölner Produktion am besten.

Sie kamen zu einem Zeitpunkt, an dem die Tage des Staatenhauses schon gezählt sind. Gleichzeitig müssen Sie sich mit dem Umzug an den Offenbachplatz beschäftigen.

Im vergangenen Jahr war ich sehr beschäftigt – auch mit der Saison 24/25 und der Eröffnung am Offenbachplatz und der Frage, wie wir damit umgehen. Wie plant man das, wie plant man im Fall der Fälle? Als ich kam, ging alles auf null. Und da hieß es einfach: machen, machen, machen. Da hat man kaum Zeit, nachzudenken. Das hat Nachteile, aber auch Vorteile, weil man schnell und sofort entscheiden muss. Das kam hier offenbar gut an.

Gibt es einen Plan B, falls sich der Umzug verzögern sollte?

Plan B habe ich nie ausgesprochen. Wenn man das macht, klingt das nach Kapitulation, weil man nicht mehr an Plan A glaubt. Wir wissen, wie kompliziert die ganze Geschichte ist. Wir sind vorbereitet, aber wir richten uns ganz auf den Offenbachplatz ein. Die Schlüsselübergabe wird im Frühling sein, und dann werden wir so peu à peu umziehen. Das geht nicht auf einen Schlag.

Sind Sie zuversichtlich, dass der Termin eingehalten wird?

Ganz ehrlich, als ich gerade nach Köln gekommen war, war ich sehr skeptisch. Aber ich bin jeden Monat bei einem Bautermin dabei und erhalte umfassende Informationen und bin zuversichtlich. Es ist auch eine Sache des Gefühls, dass man sagt, dass es jetzt wirklich zu funktionieren scheint. Aber 2015 gab es ein Trauma, als der Einzugstermin platzte, und das hat mich sehr motiviert, so offen wie möglich mit den Verantwortlichen in der Stadt zu kommunizieren.

Stellen Sie sich auf ein anderes Publikum ein, wenn die Oper wieder in der Stadtmitte ist?

Vom alten Publikum sind manche nicht mehr da. Es ist einiges weggebrochen. Aber man hat hier im Staatenhaus auch wieder viel Publikum hinzugewonnen, weil es ein ganz spezieller Ort ist. Ich denke, aus Neugier werden viele in das neue Haus kommen. Wir versuchen natürlich, alle zu erreichen. Da muss man einfach ein gutes Programm liefern.

In der kommenden Spielzeit finden noch alle Produktionen im Staatenhaus statt. Das Programm reicht von der Komödie bis zum Orpheus-Thema nach einem atomaren Gau.

Das Leben ist so bunt wie die Oper und umgekehrt. Wichtig ist, dass man ein Publikum erreicht, hier in Köln. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass man nicht ständig für das Feuilleton programmieren muss. Wir haben was zu erzählen. Die Eröffnung mit „Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss ist auch ein Statement, zumal Stardirigent Marc Albrecht dabei ist. Es ist ein superschwieriges Stück. Aber Katharina Thoma bringt es in ihrer Inszenierung psychologisch, soziologisch und ökologisch wirklich auf den Punkt.

Es gibt in der neuen Saison mit „The Strangers“ und „Ines“ sogar zwei Uraufführungen, statt üblicherweise eine…

Das ist gewagt, aber ich dachte mir einfach, wir machen es – inspiriert durch Generalmusikdirektor François-Xavier Roth. Er brennt für die zeitgenössische Musik und überlegte mit dem Komponisten Ondřej Adámek, dass wir eine neue Oper machen. Da bin ich sofort aufgesprungen. Diese Orpheus-Geschichte in nuklearen Zeiten finde ich sehr spannend. Das ist Avantgarde und wird eine musikalische Herausforderung. „The Strangers“ von Frank Pesci wird greifbarer sein – ein historisches Migrationsdrama. Sizilianer, die nach New Orleans gehen und aufgrund eines ungeklärten Mordes am damaligen Polizeichef Hennessy dann gelyncht werden.

Erstmals gibt es neben der Kinderoper mit „Romeo und Julia“ etwas für Jugendliche.

Boris Blacher schrieb das Stück eigentlich für Erwachsene. Wir setzen noch Szenen mit Musik von Prokofjew hinein und wollen die Jugendlichen so mit einem Liebesthema in der Zeit der Pubertät mitnehmen. Denn bei ihnen gibt es – anders als bei den Kindern – noch eine Lücke.


Zum Spielzeitbeginn feiert die Oper Köln am Sonntag, 11 bis 16 Uhr, auf den drei Bühnen des Staatenhauses ein großes Theaterfest für die ganze Familie. Gürzenich-Ochester und Sänger geben Kostproben und es gibt Hintergründe zu den Premieren und Einblick hinter die Kulissen wie auch beim Theaterfest im Depot in Mühlheim, zu dem es zur Mittagszeit ein Shuttle gibt.


Im Schauspiel geht es ab 14 Uhr mit der Uraufführung des Familienstücks „Tini und der magische Phantafabulieromat“ los. Justus Maier lüftet Theatergeheimnisse, die Schneiderei versteigert handgemachte Kostüme. Es gibt Lesungen, Bewegung mit Tänzern sowie Workshops. Zum Ausklang gibt um 19 Uhr ein Konzert des Schauspielensembles.