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Helge SchneiderManieren sind kein Muss

3 min

Helge Schneider in der Philharmonie

Der Komiker erklärt die Kölner Philharmonie zur Höhle der Fledermaus

Nichts und niemand ist vor seinem Spott sicher. Verbale Überlegenheit stellt Helge Schneider aber nicht mit bildungsbürgerlich ziselierten Banalitäten zur Schau. Vielmehr ist er sprachlich so direkt, dass er in jeder Schicht andockt: „Die Armen und die Reichen“ begrüßt er in der Philharmonie geradezu mit royal-gönnerhafter Geste. „Ellebogen vom Tich!“ heißt sein Programm. Aber den Bogen zu den Manieren schlägt er dann doch nicht, bleibt frech wie eh und je. Und dafür liebt ihn sein Publikum, allein die Liste der geforderten Zugaben scheint länger zu sein als der Rosenmontagszug.

Dabei war Schneiders Programm am Freitag erst der Auftakt, zwei weitere Bühnenbesuche folgten. Mit Sandro Giampietro an der Gitarre, Peter Thoms am Schlagzeug und Leo Richartz an Kontrabass und Tuba legt der 70-Jährige ein musikalisches Potpourri vor, bei dem es einem ganz flau wird, so schrill sind die gesanglichen Entgleisungen, die pianistischen Patzer und eine Mundpercussion, bei der jedem die Spucke wegbleibt. Das alles ist Programm, schön schräg, in der Dramaturgie arg behäbig und in der Performance immer hübsch bräsig.

Irgendwann will man ihn packen

Über die Bühne wischt der Allrounder, als habe er den Kleiderbügel in der Jacke vergessen. Hüpfend wie eine Marionette, greift er sich mal die Panflöte, aus der nur heiße Luft kommt, dann die kleine Cornet-Trompete, zu der er gleichzeitig in die Tasten des verstaubten Flügels greift. Schneider vermittelt in einer Figur, was eine Familie Flodder als ganze Combo auf die Bühne bringt. Hibbelig ist er, ätzt und lästert, wovon seine Fans gar nicht genug bekommen können. Die Philharmonie im Schummerlicht wird kurzerhand zur Fledermaushöhle erklärt. Und Flughunde sollen laut Schneider auch noch Platz finden, unzählige Lappeclowns und Perückenträger sind ja sowieso schon da.

Irgendwann aber will man sich dieses Supertalent packen, rütteln und dann ruhig auf den Klavierhocker drücken, damit er einmal etwas zu Ende spielt. Denn hinter allem Klamauk steckt ein wunderbarer Musiker, der nicht nur die Klaviatur lustiger Töne beherrscht, sondern auch auf ungeahnten anderen Instrumenten firm ist und anrührt. Dem Xylofon zum Beispiel. Oder der Rassel. Mehr davon! Der Komponist – er doziert, dass komponere von Zusammenfügen komme – so unverwüstlicher Titel wie „Katzeklo“, „Sommer, Sonne, Kaktus!“ oder „Käsebrot“ braucht in dem vollen Haus aber nur ein leises Stichwort zu geben und schon sind die Lachsalven herausgekitzelt, die zeigen, dass da jemand über all diese Jahre Kult geblieben ist. Vor seiner Musikalität mag man sich tief verbeugen und seine kongeniale Combo tüchtig beklatschen. Was dann auch geschah. Samstag und Sonntag waren sie dann auch wieder da.