Die Internationale Photoszene lädt vom 12. bis 21. Mai zum stadtweiten Festival und schaut in die Bildarchive der Stadt.
PhotoszeneFoto-Festival mit 400 Beiträgen in Köln startet am Freitag

Im animierten Film geht Lebohang Kganye die vor 110 Jahren fotografierten Stationen in Kamerun nach.
Copyright: Lebohang Kganye
„Es gab nichts, was zu mir sprach.“ So schildert die südafrikanische Künstlerin Lebohang Kganye ihren ersten Eindruck, als sie auf die 110 Jahre alten Skizzen und Fotos schaute, die die deutsche Malerin und Fotografin Marie Pauline Thorbecke auf einer Expedition im Auftrag der Deutschen Kolonialgesellschaft durch Kamerun machte.
Blick ins Archiv
Allenfalls wie Statisten wirken die Kameruner auf den pittoresken Ansichten, die im Archiv des Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) schlummerten. Vor allem durch die landschaftliche Schönheit bestechen die Fotos, aber auch der wissenschaftliche Aspekt der Vermessung lässt sich ablesen. 400 künstlerische Beiträge in der Stadt Als Künstlerin in Residenz des RJM hat Kganye mit dem Material gearbeitet.
Das Museum ist Zentrum des Festivals der „Internationalen Photoszene“, das vom 12. bis 21. Mai 400 Beiträge in mehr als 80 größtenteils kostenfreien Ausstellungen und Veranstaltungen zeigt. Kganye hat aus verstaubten Bildern ein lebendiges, kritisches und beherztes Statement gemacht: über den Umgang mit Menschen und ihrer Geschichte, den Raubbau an der Natur und unsere heutige Rezeption.
Kreisförmige Siedlungen
In einem animierten Film ging sie die vor 110 Jahren fotografierten Stationen in Kamerun in der Gegenwart nach. Wie in einem Leporello fügen sich die auf Raumhöhe vergrößerten Skizzen, die Thorbecke von Hütten und kreisförmigen Siedlungen machte. Sie werden im Stream mit Fotos aus der Gegenwart sukzessive überlagert. Eine Frau wandert durch die Bilder, trägt ein Bündel, aus dem sie Erde auf den Boden schüttet. „A Burden consumed in Sips“ so der Titel . Kganye fordert: „Gebt alles zurück bis auf die Bürde.“ Im bewährten Projekt „Artist Meets Archive“ setzten sich neben ihr drei weitere Künstler ein Jahr lang mit historisch fotografischen Beständen auseinander.
Der japanische Fotograf Naoya Hatakeyama befasste sich im Museum für Ostasiatische Kunst mit Bildern des Gründers Adolf Fischer und seiner Frau Frieda. Lilly Lulay ging im Rheinischen Bildarchiv der Frage nach, wie die künstliche Intelligenz die Bilder betrachtet und was ihre eigene Betrachtung leitet. Der spanische Künstler Pablo Lerma befragte das Archiv des NS-Dokumentationszentrums mit seinen Fotos aus der Nazizeit. Öffnen, Sichten und Verwahren der Fotoboxen werden bei ihm zur Performance.
Außer dem Blick in die Fotoarchive gibt es Symposien sowie das Next Festival der Jungen Photoszene. 70 weitere Museen, Galerien und Kunsträume beteiligen sich. Am nächsten Wochenende startet ein Rahmenprogramm mit einer Fotobuchmesse im RJM, es gibt Führungen, Vorträge und die Möglichkeit des Austauschs mit Künstlern, Kuratoren und Galeristen. Heide Häusler, Geschäftsführerin der Photoszene, wünscht sich Partizipation. „Es war in den vergangenen Jahren nicht einfach für den Fotostandort Köln“, sagt sie.
Mit dem Ende der photokina, die als weltweite Leitmesse galt, und nach dem Tod von Sammlerin Renate Gruber im vergangenen Jahr habe es nach Stillstand ausgesehen. Das Festival soll dazu dienen, die Geschichte des Fotos in Köln fortzuschreiben und sich mit dem Erbe auseinanderzusetzen.
Photoszene Parcour
Für den stadtweiten Photoszene-Parcour stehen auf der Webseite photoszene.de des Veranstalters Empfehlungen für Streifzüge und Führungen sowie eine Auflistung der Künstler und Programme bereit. Das Rautenstrauch-Joest-Museum ist Treffpunkt für alle Besucher, an sechs weiteren Infopunkten in der ganzen Stadt können sie sich zum Festival beraten lassen. Die Ausstellung im RJM geht bis zum 5. Oktober, Di bis So, 10 – 18 Uhr, Do 10 – 20 Uhr.
